#7# ----- Vorwort Endlich ist es mir vergnnt, dies dritte Buch des Marxschen Hauptwerks, den Abschlu des theoretischen Teils, der ffentlich- keit zu bergeben. Bei der Herausgabe des zweiten Buchs, 1885, meinte ich, das dritte wrde wohl nur technische Schwierigkeiten machen, mit Ausnahme freilich einiger sehr wichtigen Abschnitte. Dies war in der Tat der Fall; aber von den Schwierigkeiten, die grade diese, die wichtigsten Abschnitte des Ganzen, mir bereiten wrden, davon hatte ich damals keine Ahnung, ebensowenig wie von den sonstigen Hindernissen, die die Fertigstellung des Buchs so sehr verzgern sollten. Zunchst und zumeist strte mich eine anhaltende Augenschwche, die meine Arbeitszeit fr Schriftliches jahrelang auf ein Minimum beschrnkte und auch jetzt noch nur ausnahmsweise gestattet, bei knstlichem Licht die Feder in die Hand zu nehmen. Dazu kamen an- dre, nicht abzuweisende Arbeiten: Neuauflagen und bersetzungen frherer Arbeiten von Marx und mir, also Revisionen, Vorreden, Ergnzungen, die ohne neue Studien oft unmglich, usw. Vor allem die englische Ausgabe des ersten Buchs, fr deren Text in letzter Instanz ich verantwortlich bin und die mir daher viel Zeit wegge- nommen hat. Wer den kolossalen Anwachs der internationalen sozia- listischen Literatur whrend der letzten zehn Jahre, und nament- lich die Anzahl der bersetzungen frherer Arbeiten von Marx und mir, einigermaen verfolgt hat, der wird mir recht geben, wenn ich mir Glck wnsche, da die Anzahl der Sprachen sehr be- schrnkt ist, bei denen ich dem bersetzer ntzlich sein konnte und also die Verpflichtung hatte, eine Revision seiner Arbeit nicht von der Hand zu weisen. Der Anwachs der Literatur aber war nur ein Symptom des entsprechenden Anwachses der internationalen Arbeiterbewegung selbst. Und dieser legte mir neue Pflichten auf. Von den ersten Tagen unsrer ffentlichen Ttigkeit an war ein gutes Stck der Arbeit der Vermittlung zwischen den nationalen Bewegungen #8# Vorwort ----- der Sozialisten und Arbeiter in den verschiednen Lndern auf Marx und mich gefallen; diese Arbeit wuchs im Verhltnis der Erstar- kung der Gesamtbewegung. Whrend aber bis zu seinem Tode auch hierin Marx die Hauptlast bernommen hatte, fiel von da an die stets anschwellende Arbeit mir allein zu. Nun ist inzwischen der direkte Verkehr der einzelnen nationalen Arbeiterparteien unter- einander zur Regel geworden und wird es glcklicherweise von Tag zu Tage mehr; trotzdem wird noch weit fter, als mir im Interesse meiner theoretischen Arbeiten lieb ist, meine Hilfe in Anspruch genommen. Wer aber wie ich ber fnfzig Jahre in dieser Bewegung ttig gewesen, fr den sind die hieraus entspringenden Arbeiten eine unabweisbare, augenblicklich zu erfllende Pflicht. Wie im sechzehnten Jahrhundert, gibt es in unsrer bewegten Zeit auf dem Gebiet der ffentlichen Interessen bloe Theoretiker nur noch auf Seite der Reaktion, und ebendeswegen sind diese Herren auch nicht einmal wirkliche Theoretiker, sondern simple Apologeten dieser Reaktion. Der Umstand, da ich in London wohne, bringt es nun mit sich, da dieser Parteiverkehr im Winter meist brieflich, im Sommer aber groenteils persnlich stattfindet. Und daraus, wie aus der Not- wendigkeit, den Gang der Bewegung in einer stets wachsenden An- zahl von Lndern und einer noch strker wachsenden Anzahl von Preorganen zu verfolgen, hat sich die Unmglichkeit fr mich entwickelt, Arbeiten, die keine Unterbrechung dulden, anders als im Winter, speziell in den ersten drei Monaten des Jahrs fertig- zustellen. Wenn man seine siebenzig Jahre hinter sich hat, so ar- beiten die Meynertschen Assoziationsfasern des Gehirns mit einer gewissen fatalen Bedchtigkeit; man berwindet Unterbrechungen in schwieriger theoretischer Arbeit nicht mehr so leicht und so rasch wie frher. Daher kam es, da die Arbeit eines Winters, so- weit sie nicht vollstndig zum Abschlu gefhrt hatte, im nch- sten Winter grtenteils wieder von neuem zu machen war, und dies fand statt, namentlich mit dem schwierigsten fnften Abschnitt. Wie der Leser aus den folgenden Angaben ersehen wird, war die Re- daktionsarbeit wesentlich verschieden von der beim zweiten Buch. Fr das dritte lag eben nur ein, noch dazu uerst lckenhafter, erster Entwurf vor. In der Regel waren die Anfnge jedes einzel- nen Abschnitts ziemlich sorgfltig ausgearbeitet, auch meist sti- listisch abgerundet. Je weiter man aber kam, desto skizzenmiger und lckenhafter wurde die Bearbeitung, desto mehr Exkurse ber im Lauf der Untersuchung auftauchende Nebenpunkte enthielt sie, wofr die endgltige Stelle spterer Anordnung berlassen blieb, desto lnger und verwickelter wurden die Perioden, worin die #11# Vorwort ----- in statu nascencdi 1*) niedergeschriebenen Gedanken sich aus- drckten. An mehreren Stellen verraten Handschrift und Darstel- lung nur zu deutlich das Hereinbrechen und die allmhlichen Fort- schritte eines einer aus berarbeit entspringenden Krankheitsan- flle, die dem Verfasser selbstndiges Arbeiten erst mehr und mehr erschwerten und endlich zeitweilig ganz unmglich machten. Und kein Wunder. Zwischen 1863 und 1867 hatte Marx nicht nur die beiden letzten Bcher des Kapitals im Entwurf und das erste Buch in druckfertiger Handschrift hergestellt, sondern auch noch die mit der Grndung und Ausbreitung der Internationalen Arbeiteras- soziation verknpfte Riesenarbeit getan. Dafr stellten sich aber auch schon 1864 und 1865 ernste Anzeichen jener gesundheitlichen Strungen ein, die schuld daran sind, da Marx an das II. und III. Buch nicht selbst die letzte Hand gelegt hat. Meine Arbeit begann damit, da ich das ganze Manuskript aus dem selbst fr mich oft nur mhsam zu entziffernden Original in eine leserliche Kopie hinberdiktierte, was schon eine ziemliche Zeit wegnahm. Erst dann konnte die eigentliche Redaktion beginnen. Ich habe diese auf das Notwendigste beschrnkt, habe den Charakter des ersten Entwurfs, berall wo es die Deutlichkeit zulie, mg- lichst beibehalten, auch einzelne Wiederholungen nicht gestri- chen, da wo sie, wie gewhnlich bei Marx, den Gegenstand jedesmal von andrer Seite fassen oder doch in andrer Ausdrucksweise wie- dergeben. Da, wo meine nderungen oder Zustze nicht blo redak- tioneller Natur sind, oder wo ich das von Marx gelieferte tatschliche Material zu eignen, wenn auch mglichst im Marxschen Geist gehaltnen Schlufolgerungen verarbeiten mute, ist die ganze Stelle in eckige Klammern gesetzt 2*) und mit meinen In- itialen bezeichnet. Bei meinen Funoten fehlen hier und da die Klammern; wo aber meine Initialen darunter stehn, bin ich fr die ganze Note verantwortlich. Wie in einem ersten Entwurf selbstverstndlich, finden sich im Manuskript zahlreiche Hinweise auf spter zu entwickelnde Punkte, ohne da diese Versprechungen in allen Fllen eingehalten worden sind. Ich habe sie stehn lassen, da sie die Absichten des Verfas- sers in Beziehung auf knftige Ausarbeitung darlegen. Und nun zum einzelnen. Fr den ersten Abschnitt war das Hauptmanuskript nur mit groen Einschrnkungen brauchbar. Gleich anfangs wird die ganze mathema- tische Berechnung des Verhltnisses zwischen Mehrwertsrate und Profitrate (was ----- 1*) im Entstehungszustand - 2*) im vorl. Band in geschweiften Klammern #12# Vorwort ----- unser Kapitel 3 ausmacht) hineingezogen, whrend der in unserm Kap. 1 entwickelte Gegenstand erst spter und gelegentlich behan- delt wird. Hier kamen zwei Anstze einer Umarbeitung zu Hilfe, jeder von 8 Seiten Folie; aber auch sie sind nicht durchweg im Zusammenhang ausgearbeitet. Aus ihnen ist das gegenwrtige Kap. 1 zusammengestellt. Kap.2 ist aus dem Hauptmanuskript. Fr Kap. 3 fanden sich eine ganze Reihe unvollstndiger mathematischer Bear- beitungen, aber auch ein ganzes, fast vollstndiges Heft aus den siebziger Jahren, das Verhltnis der Mehrwertsrate zur Profitrate in Gleichungen darstellend. Mein Freund Samuel Moore, der auch den grten Teil der englischen bersetzung des ersten Buchs ge- liefert, bernahm es, dies Heft fr mich zu bearbeiten, wozu er als alter Cambridger Mathematiker weit besser befhigt war. Aus seinem Resum habe ich dann, unter gelegentlicher Benutzung des Hauptmanuskripts, das Kapitel 3 fertiggestellt. - Von Kap. 4 fand sich nur der Titel vor. Da aber der hier behandelte Punkt: Wir- kung des Umschlags auf die Profitrate, von entscheidender Wich- tigkeit ist, habe ich ihn selbst ausgearbeitet, weshalb das ganze Kapitel im Text auch in Klammern gesetzt ist. Es stellte sich da- bei heraus, da in der Tat die Formel des Kap. 3 fr die Pro- fitrate einer Modifikation bedurfte, um allgemein gltig zu sein. Vom fnften Kapitel an ist das Hauptmanuskript einzige Quelle fr den Rest des Abschnitts, obwohl auch hier sehr viele Umstellungen und Ergnzungen ntig geworden sind. Fr die folgenden drei Abschnitte konnte ich mich, abgesehn von stilistischer Redaktion, fast durchweg an das Originalmanuskript halten. Einzelne, meist auf die Einwirkung des Umschlags bezgli- che Stellen waren in Einklang mit dem von mir eingeschobnen Kap. 4 auszuarbeiten; auch sie sind in Klammern gesetzt und mit meinen Initialen bezeichnet. Die Hauptschwierigkeit machte Abschnitt V, der auch den verwic- keltsten Gegenstand des ganzen Buchs behandelt. Und grade hier war Marx in der Ausarbeitung von einem der erwhnten schweren Krankheitsanflle berrascht worden. Hier liegt also nicht ein fertiger Entwurf vor, nicht einmal ein Schema, dessen Umrisse auszufllen wren, sondern nur ein Ansatz von Ausarbeitung, der mehr als einmal in einen ungeordneten Haufen von Notizen, Bemer- kungen, Materialien in Auszugsform ausluft. Ich versuchte an- fangs, diesen Abschnitt, wie es mir mit dem ersten einigermaen gelungen war, durch Ausfllung der Lcken und Ausarbeitung der nur angedeuteten Bruchstcke zu vervollstndigen, so da er we- nigstens annhernd das alles bot, was der Verfasser zu geben be- absichtigt hatte. Ich habe dies wenigstens dreimal versucht, bin aber jedesmal gescheitert, und #13# Vorwort ----- in der hiermit verlernen Zeit liegt eine der Hauptursachen der Versptung. Endlich sah ich ein, da es auf diesem Weg nicht ging. Ich htte die ganze massenhafte Literatur dieses Gebiets durchnehmen mssen und am Ende etwas zustande gebracht, was doch nicht Marx' Buch war. Mir blieb nichts brig, als die Sache in gewisser Beziehung bers Knie zu brechen, mich auf mglichste Ordnung des Vorhandenen zu beschrnken, nur die notdrftigsten Ergnzungen zu machen. Und so wurde ich Frhjahr 1893 mit der Hauptarbeit fr diesen Abschnitt fertig. Von den einzelnen Kapiteln waren Kap. 21-24 in der Hauptsache ausgearbeitet. Kap. 25 und 26 erforderten Sichtung des Beleg- stoffs und Einschiebung von Material, das sich an andren Stellen vorfand. Kap. 27 und 29 konnten fast ganz nach dem Ms. gegeben, Kap.28 dagegen mute stellenweise anders gruppiert werden. Mit Kap. 30 aber fing die eigentliche Schwierigkeit an. Von hier an galt es, nicht nur das Material von Belegstellen, sondern auch den jeden Augenblick durch Zwischenstze, Abschweifungen usw. un- terbrochnen und an andrer Stelle, oft ganz beilufig, weiter ver- folgten Gedankengang in die richtige Ordnung zu bringen. So kam das 30. Kapitel zustande durch Umstellungen und Ausschaltungen, fr die sich an andrer Stelle Verwendung fand. Kap. 31 war wieder mehr im Zusammenhang ausgearbeitet. Aber nun folgt im Ms. ein langer Abschnitt, berschrieben: "Die Konfusion", bestehend aus lauter Auszgen aus den Parlamentsberichten ber die Krisen von 1848 und 1857, worin die Aussagen von dreiundzwanzig Geschfts- leuten und konomischen Schriftstellern, namentlich ber Geld und Kapital, Goldabflu, berspekulation etc. zusammengestellt und stellenweise humoristisch kurz glossiert sind. Hier sind, sei es durch die Fragenden, sei es durch die Antwortenden, so ziemlich alle damals gangbaren Ansichten ber das Verhltnis von Geld und Kapital vertreten, und die hier zu Tag tretende "Konfusion" ber das, was auf dem Geldmarkte Geld und was Kapital sei, wollte Marx kritisch und satirisch behandeln. Ich habe mich nach vielen Ver- suchen berzeugt, da eine Herstellung dieses Kapitels unmglich ist; das Material, besonders das von Marx glossierte, ist da ver- wandt worden, wo sich ein Zusammenhang dafr vorfand. Hierauf folgt in ziemlicher Ordnung das von mir im Kap. 32 Unterge- brachte, unmittelbar darauf aber ein neuer Sto von Auszgen aus den Parlamentsberichten ber alle mglichen, in diesem Abschnitt berhrten Gegenstnde, vermischt mit lngeren oder krzeren Be- merkungen des Verfassers. Gegen das Ende konzentrieren sich die Auszge und Glossen mehr und mehr auf die Bewegung der Geldme- talle und des Wechselkurses, #14# Vorwort ----- und schlieen wieder mit allerhand Nachtrglichem. Das "Vorkapitalistische" (Kap. 36) war dagegen vollstndig ausgear- beitet. Aus all diesem Material, von der "Konfusion" an, und soweit es nicht schon an frheren Stellen untergebracht, habe ich die Kapi- tel 33-35 zusammengestellt. Dies ging natrlich nicht ab ohne starke Einschbe meinerseits zur Herstellung des Zusammenhangs. Soweit diese Einschbe nicht blo formeller Natur, sind sie als die meinigen ausdrcklich bezeichnet. Es ist mir auf diese Weise endlich gelungen, alle irgendwie zur Sache gehrenden Aussprche des Verfassers im Text unterzubringen; es ist nichts weggefallen als ein geringer Teil der Auszge, der entweder anderweitig Ge- gebnes nur wiederholte oder aber Punkte berhrte, auf die im Ms. nicht nher eingegangen ist. Der Abschnitt ber Grundrente war viel vollstndiger ausgearbei- tet, wenn auch keineswegs geordnet, wie schon daraus hervorgeht, da Marx es im Kap.43 (im Ms. das letzte Stck des Abschnitts ber Rente) ntig findet, den Plan des ganzen Abschnitts kurz zu rekapitulieren. Und dies war fr die Herausgabe um so erwnsch- ter, als das Ms. anfngt mit Kap. 37, worauf Kap. 45-47 folgen und erst hierauf die Kap. 38-44. Die meiste Arbeit machten die Tabellen bei der Differentialrente II und die Entdeckung, da in Kap. 43 der hier zu behandelnde dritte Fall dieser Rentenart gar nicht untersucht war. Fr diesen Abschnitt ber Grundrente hatte Marx in den siebziger Jahren ganz neue Spezialstudien gemacht. Er hatte die nach der Reform von 1861 in Ruland unvermeidlich gewordnen statistischen Aufnahmen und sonstigen Verffentlichungen ber Grundeigentum, die ihm von russischen Freunden in wnschenswertester Vollstn- digkeit zur Verfgung gestellt worden, jahrelang in der Ursprache studiert und ausgezogen und beabsichtigte, sie bei der Neubear- beitung dieses Abschnitts zu verwerten. Bei der Mannigfaltigkeit der Formen sowohl des Grundbesitzes wie der Ausbeutung der acker- bauenden Produzenten in Ruland, sollte im Abschnitt ber Grund- rente Ruland dieselbe Rolle spielen wie im Buch I, bei der indu- striellen Lohnarbeit, England. Leider blieb ihm die Ausfhrung dieses Plans versagt. Endlich der siebente Abschnitt lag in vollstndiger Niederschrift vor, aber nur als erster Entwurf, dessen endlos verschlungne Pe- rioden erst zerlegt werden muten, um druckbar zu werden. Vom letzten Kapitel existiert nur der Anfang. Hier sollten die den drei groen Revenueformen: Grundrente, Profit, Arbeitslohn ent- sprechenden drei groen Klassen der entwickelten kapitalistischen Gesellschaft - Grundeigentmer, Kapitalisten, #15# Vorwort ----- Lohnarbeiter - und der mit ihrer Existenz notwendig gegebne Klas- senkarnpf als tatschlich vorliegendes Ergebnis der kapitalisti- schen Periode dargestellt werden. Dergleichen Schluzusammenfas- sungen pflegte Marx sich fr die Schluredaktion, kurz vor dem Druck, vorzubehalten, wo dann die neuesten geschichtlichen Ereig- nisse ihm mit nie versagender Regelmigkeit die Belege seiner theoretischen Entwicklungen in wnschenswertester Aktualitt lie- ferten. Die Zitate und Belegstellen sind, wie schon im II. Buch, bedeu- tend sprlicher als im ersten. Zitate aus Buch I geben die Sei- tenzahlen der 2. und 3. Auflage. Wo im Ms. auf theoretische Aus- sprche frherer konomen verwiesen wird, ist meist nur der Name angegeben, die Stelle selbst sollte bei der Schlubearbeitung an- gezogen werden. Ich habe das natrlich so lassen mssen. Von Par- lamentsberichten sind nur vier, aber diese auch ziemlich reich- lich benutzt worden. Es sind folgende: 1. "Reports from Committees" (des Unterhauses), Vol. VIII, "Commercial Distress", Vol. II, Part 1, 1847/48, Minutes of Evi- dence. - Zitiert als: "Commercial Distress", 1847/48. 2. Secret Committee of the House of Lords on Commercial Distress 1847, Report printed 1848, Evidence printed 1857" (weil 1848 fr zu komprornittierlich angesehn). - Zitiert als: C. D., 1848-1857. 3. Report: Bank Acts, 1857. - Ditto, 1858. - Berichte des Unter- haus, Ausschusses ber die Wirkung der Bankakte von 1844 und 1845, mit Zeugenaussagen. - Zitiert als: B. A. (zuweilen auch B. C.), 1857, resp. 1858. Das vierte Buch - die Geschichte der Mehrwertstheorie - werde ich in Angriff nehmen, sobald es mir irgendwie mglich wird. 1*) --- Im Vorwort zum zweiten Band des "Kapital" hatte ich mich abzufin- den mit den Herren, die dazumal ein groes Geschrei erhoben, weil sie "in Rodbertus die geheime Quelle und einen berlegnen Vorgn- ger von Marx" gefunden haben wollten. Ich bot ihnen Gelegenheit, zu zeigen, "was die Rodbertussche konomie leisten kann"; ich forderte sie auf, nachzuweisen, "wie nicht nur ohne Verletzung des Wertgesetzes, sondern vielmehr auf Grundlage desselben, eine gleiche Durchschnittsprofitrate sich bilden kann und mu". Die- selben Herren, die damals aus subjektiven oder objektiven, in der Regel aber alles andre als wissenschaftlichen Grnden den guten ----- 1*) Siehe Band 26 unserer Ausgabe #16# Vorwort ----- Rodbertus als einen konomischen Stern allererster Gre ausposa- unten sind ausnahmslos die Antwort schuldig geblieben. Dagegen haben andre Leute es der Mhe wert gehalten, sich mit dem Problem zu beschftigen. In seiner Kritik des II. Bandes ("Conrads Jahr- bcher" [1], XI, 5, 1885, S. 452-465) nimmt Prof. W. Lexis die Frage auf, wenn er auch keine direkte Lsung geben will. Er sagt: "Die Lsung jenes Widerspruchs" (zwischen dem Ricardo-Marxschen Wertgesetz und der gleichen Durchschnittsprofitrate) "ist unmg- lich, wenn die verschiednen Warenarten vereinzelt betrachtet wer- den und ihr Wert gleich ihrem Tauschwert und dieser gleich oder proportional ihrem Preise sein soll." Sie ist nach ihm nur mglich, wenn man "fr die einzelnen Warenarten die Bemessung des Wertes nach der Arbeit aufgibt und nur die Warenproduktion im ganzen und die Ver- teilung derselben unter die Gesamtklassen der Kapitalisten und Arbeiter ins Auge fat... Von dem Gesamtprodukt erhlt die Arbei- terklasse nur einen gewissen Teil... der andre, den Kapitalisten zufallende Teil bildet im Manschen Sinne das Mehrprodukt und dem- nach auch... den Mehrwert. Die Mitglieder der Kapitalistenklasse verteilen nun diesen gesamten Mehrwert unter sich, nicht nach Magabe der von ihnen beschftigten Arbeiterzahl, sondern nach Verhltnis der von jedem gestellten Kapitalgre, wobei auch Grund und Boden als Kapitalwert mit in Rechnung gezogen wird." Die Marxschen, durch die in den Waren verkrperten Arbeitseinhei- ten bestimmten Idealwerte entsprechen nicht den Preisen, knnen aber als Ausgangspunkt einer Verschiebung betrachtet werden, die zu den wirklichen Preisen fhrt. Die letzteren sind dadurch be- dingt, da gleich groe Kapitalien gleich groe Gewinne verlan- gen." Dadurch werden einige Kapitalisten fr ihre Waren hhere Preise erhalten als deren Idealwerte, andre erhalten niedrigere. Da aber die Einbuen und Zulagen an Mehrwert sich innerhalb der Kapitalistenklasse gegenseitig aufheben, so ist die Gesamtgre des Mehrwerts dieselbe, als wenn alle Preise den Idealwerten der Waren proportional wren." Man sieht, die Frage ist hier nicht entfernt gelst, aber sie ist, wenn auch in laxer und verfluchender Weise, doch im ganzen richtig g e s t e l l t. Und dies ist in der Tat mehr, als wir von jemand erwarten drfen, der sich, wie der Verfasser, mit ei- nem gewissen Stolz als einen "Vulgrkonomen" hinstellt; es ist gradezu berraschend, wenn man es mit den spter zu behandelnden Leistungen andrer Vulgrkonomen vergleicht. Die Vulgrkonomie des Verfassers ist allerdings eigner Art. Er sagt, der Kapitalge- winn k n n e allerdings in der Marxschen Weise abgeleitet werden, aber nichts z w i n g e zu dieser Auffassung. Im Gegen- teil. Die Vulgrkonoe habe eine, mindestens plausiblere Erkl- rungsweise: #17# Vorwort ----- "Die kapitalistischen Verkufer, der Rohstoffproduzent, der Fa- brikant, der Grohndler, der Kleinhndler, machen bei ihren Ge- schften Gewinn, indem jeder teurer verkauft als er kauft, also den Selbstkostenpreis seiner Ware um einen gewissen Prozentsatz erhht. Nur der Arbeiter ist nicht imstande, einen hnlichen Wertzuschlag durchzusetzen, er ist vermge seiner ungnstigen Lage dem Kapitalisten gegenber gentigt, seine Arbeit fr den Preis zu verkaufen, den sie ihm selbst kostet, nmlich fr den notwendigen Lebensunterhalt... so behalten diese Preiszuschlge den kaufenden Lohnarbeitern gegenber ihre volle Bedeutung und bewirken die bertragung eines Teils des Wertes des Gesarntpro- dukts auf die Kapitalistenklasse." Nun bedarf es keiner groen Anstrengung des Denkens, um einzu- sehn, da diese "vulgrkonomische" Erklrung des Kapitalprofits praktisch auf dieselben Resultate hinausluft wie die Marxsche Mehrwertstheorie; da die Arbeiter nach der Lexisschen Auffassung in genau derselben "ungnstigen Lage" sich befinden wie bei Marx; da sie ganz ebensosehr die Geprellten sind, da jeder Nichtarbei- ter ber dem Preis verkaufen kann, der Arbeiter aber nicht; und da auf Grundlage dieser Theorie sich ein mindestens ebenso plau- sibler Vulgrsozialismus aufbauen lt, wie der hier in England auf Grundlage der Jevons-Mengerschen Gebrauchswerts- und Grenz- nutzentheorie [2] aufgebaute. Ja, ich vermute sogar, wrde Herrn George Bernard Shaw diese Profittheorie bekannt, er wre imstande mit beiden Hnden zuzugreifen, Jevons und Karl Menger den Ab- schied zu geben und auf diesem Felsen die Fabianische Kirche der Zukunft neu zu errichten. In Wirklichkeit aber ist diese Theorie nur eine Umschreibung der Marxschen. Woraus werden denn die smtlichen Preiszuschlge be- stritten? Aus dem "Gesamtprodukt" der Arbeiter. Und zwar, indem die Ware "Arbeit", oder, wie Marx sagt, Arbeitskraft, unter ihrem Preis verkauft werden mu. Denn wenn es die gemeinsame Eigen- schaft aller Waren ist, teurer verkauft zu werden als die Produk- tionskosten, wenn aber hiervon die Arbeit allein ausgenommen ist und stets nur zu den Produktionskosten verkauft wird, so wird sie eben unter dem Preis verkauft, der die Regel ist in dieser vul- grkonomischen Welt. Der infolgedessen dem Kapitalisten, resp. der Kapitalistenklasse zufallende Extraprofit besteht eben darin, und kann in letzter Instanz nur dadurch zustande kommen, da der Arbeiter, nach Reproduktion des Ersatzes fr den Preis seiner Ar- beit, noch weiteres Produkt produzieren mu, fr das er nicht be- zahlt wird - Mehrprodukt, Produkt unbezahlter Arbeit, Mehrwert. Lexis ist ein in der Wahl seiner Ausdrcke uerst vorsichtiger Mann. Er sagt nirgends gradeaus, da obige Auffassung die seinige ist; ist sie es aber, so ist sonnenklar, da wir #18# Vorwort ----- es hier nicht mit einem jener gewhnlichen Vulgrkonomen zu tun haben, von denen er selbst sagt, da jeder einzelne in den Augen von Marx "bestenfalls nur ein hoffnungsloser Schwachkopf ist", sondern mit einem als Vulgrkonomen verkleideten Marxisten. Ob diese Verkleidung bewut oder unbewut vor sich gegangen, ist eine uns hier nicht interessierende psychologische Frage. Wer das ergrnden mchte, wird vielleicht auch Untersuchen, wie es mg- lich war, da zu einer gewissen Zeit ein so gescheiter Mann, wie Lexis es unzweifelhaft ist, auch einmal einen solchen Bldsinn wie den Bimetallismus verteidigen konnte. [3] Der erste, der die Frage wirklich zu beantworten versuchte, war Dr. Conrad Schmidt, "Die Durchschnittsprofitrate auf Grundlage des Marx'schen Werthgesetzes", Dietz, Stuttgart 1889. Schmidt sucht die Details der Marktpreisbildung in Einklang zu bringen sowohl mit dem Wertgesetz wie mit der Durchschnittsprofitrate. Der industrielle Kapitalist erhlt in seinem Produkt erstens Er- satz fr sein vorgeschones Kapital, zweitens ein Mehrprodukt, wofr er nichts bezahlt hat. Um dies Mehrprodukt aber zu erhal- ten, mu er sein Kapital in der Produktion vorschieen; d.h. er mu ein bestimmtes Quantum vergegenstndlichter Arbeit anwenden, um sich dies Mehrprodukt aneignen zu knnen. Fr den Kapitalisten ist also dies sein vorgeschones Kapital das Quantum vergegen- stndlichter Arbeit, das gesellschaftlich ntig ist, um ihm dies Mehrprodukt zu verschaffen. Fr jeden andern industriellen Kapi- talisten gilt dasselbe. Da nun die Produkte dem Wertgesetz gem sich gegeneinander austauschen im Verhltnis der zu ihrer Produk- tion gesellschaftlich notwendigen Arbeit, und da fr den Kapita- listen die zur Herstellung seines Mehrprodukts notwendige Arbeit eben die in seinem Kapital aufgehufte, vergangene Arbeit ist, so folgt, da sich die Mehrprodukte austauschen nach dem Verhltnis der zu ihrer Produktion erheischten Kapitale, nicht aber nach dem der w i r k l i c h in ihnen verkrperten Arbeit. Der auf jede Kapitaleinheit fallende Anteil ist also gleich der Summe aller produzierten Mehrwerte, dividiert durch die Summe der darauf ver- wandten Kapitale. hernach werfen gleiche Kapitale in gleichen Zeitrumen gleiche Profite ab, und dies wird bewirkt, indem der so berechnete Kostpreis des Mehrprodukts, d.h. der Durch- schnittsprofit, auf den Kostpreis des bezahlten Produkts geschla- gen und zu diesem erhhten Preise beides, bezahltes und unbezahl- tes Produkt, verkauft wird. Die Durchschnittsprofitrate ist her- gestellt, trotzdem da, wie Schmidt meint, die Durchschnitts- preise der einzelnen Waren nach dem Wertgesetz bestimmt werden. Die Konstruktion ist uerst sinnreich, sie ist ganz nach Hegel- schem #19# Vorwort ----- Muster, aber sie teilt das mit der Mehrzahl der Hegelschen, da sie nicht richtig ist. Mehrprodukt oder bezahltes Produkt macht keinen Unterschied: soll das Wertgesetz auch fr die Durch- schnittspreise unmittelbar gelten, so mssen beide verkauft wer- den im Verhltnis der zu ihrer Herstellung erforderlichen und darin verbrauchten gesellschaftlich ntigen Arbeit. Das Wertge- setz richtet sich von vornherein gegen die aus der kapitalisti- schen Vorstellungsweise berkommene Ansicht, als sei die aufge- hufte vergangne Arbeit, woraus das Kapital besteht, nicht blo eine bestimmte Summe von fertigem Wert, sondern, weil Faktor der Produktion und Profitbildung, auch wertbildend, also Quelle von mehr Wert, als es selbst hat; es stellt fest, da diese Eigen- schaft nur der lebendigen Arbeit zukommt. Da die Kapitalisten im Verhltnis der Gre ihrer Kapitale gleiche Profite erwarten, ih- ren Kapitalvorschu also als eine Art Kostpreis ihres Profits an- sehn, ist bekannt. Wenn aber Schmidt diese Vorstellung benutzt, um vermittelst ihrer die nach der Durchschnittsprofitrate berech- neten Preise in Einklang mit dem Wertgesetz zu bringen, so hebt er das Wertgesetz selbst auf, indem er eine ihm total widerspre- chende Vorstellung diesem Gesetz als mitbestimmenden Faktor ein- verleibt. Entweder ist die aufgehufte Arbeit wertbildend neben der leben- digen. Dann gilt das Wertgesetz nicht. Oder sie ist nicht wertbildend. Dann ist Schmidts Beweisfhrung unvertrglich mit dem Wertgesetz. Schmidt wurde auf diesen Seitenweg gefhrt, als er der Lsung schon sehr nahe war, weil er glaubte, eine womglich mathemati- sche Formel finden zu mssen, die den Einklang des Durchschnitts- preises jeder einzelnen Ware mit dem Wertgesetz nachweisen liee. Wenn er aber hier, ganz in der Nhe des Ziels, einem Irrweg folgte, so beweist der brige Inhalt der Broschre, mit welchem Verstndnis er aus den beiden ersten Bchern des "Kapital" wei- tere Schlsse gezogen hat. Ihm gebhrt die Ehre, fr die bisher unerklrliche sinkende Tendenz der Profitrate die richtige, bei Marx im dritten Abschnitt des dritten Buchs gegebne Erklrung selbstndig gefunden zu haben; desgleichen die Ableitung des Han- delsprofits aus dem industriellen Mehrwert und eine ganze Reihe von Bemerkungen ber Zins und Grundrente, wodurch Dinge antizi- piert werden, die bei Marx im vierten und fnften Abschnitt des dritten Buchs entwickelt sind. In einer spteren Arbeit ("Neue Zeit", 1892/93, Nr. 3 und 4) ver- sucht Schmidt einen andern Weg der Lsung. Dieser luft darauf hinaus, da die Konkurrenz es ist, die die Durchschnittspro- fitrate herstellt, indem sie Kapital aus Produktionszweigen mit Unterprofit in andre auswandern #20# Vorwort ----- macht, wo berprofit gemacht wird. Da die Konkurrenz die groe Ausgleicherin der Profite ist, ist nicht neu. Aber nun versucht Schmidt den Nachweis, da diese Nivellierung der Profite iden- tisch ist mit der Reduzierung des Verkaufspreises von im berma produzierten Waren auf das Wertma, das die Gesellschaft nach dem Wertgesetz dafr zahlen kann. Warum auch dies nicht zum Ziel fh- ren konnte, ergibt sich hinreichend aus den Auseinandersetzungen von Marx im Buche selbst. Nach Schmidt ging P. Fireman an das Problem ("Conrads Jahrb- cher", Dritte Folge, 111, S. 793). Ich gehe nicht ein auf seine Bemerkungen ber sonstige Seiten der Marxschen Darstellung. Sie beruhen auf dem Miverstndnis, da Marx da definieren will, wo er entwickelt, und da man berhaupt bei Marx nach fix und ferti- gen, ein fr allemal gltigen Definitionen suchen drfe. Es ver- steht sich ja von selbst, da da, wo die Dinge und ihre gegensei- tigem Beziehungen nicht als fixe, sondern als vernderliche auf- gefat werden, auch ihre Gedankenabbilder, die Begriffe, eben- falls der Vernderung und Umbildung unterworfen sind; da man sie nicht in starre Definitionen einkapselt, sondern in ihrem histo- rischen resp. logischen Bildungsproze entwickelt. Danach wird es wohl klar sein, warum Marx am Anfang des ersten Buchs, wo er von der einfachen Warenproduktion als seiner historischen Vorausset- zung ausgeht, um dann weiterhin von dieser Basis aus zum Kapital zu kommen - warum er da eben von der einfachen Ware ausgeht und nicht von einer begrifflich und geschichtlich sekundren Form, von der schon kapitalistisch modifizierten Ware; was freilich Fi- reman platterdings nicht einsehn kann. Diese und andre Neben- dinge, die noch zu mancherlei Einwendungen Anla geben knnten, lassen wir lieber links liegen und gehn sofort zum Kern der Sache ber. Whrend dem Verfasser die Theorie lehrt, da der Mehrwert bei gegebner Mehrwertsrate der Anzahl der angewandten Arbeits- krfte proportional ist, zeigt ihm die Erfahrung, da bei gegeb- ner Durchschnittsprofitrate der Profit proportional ist der Gre des angewandten Gesamtkapitals. Dies erklrt Fireman dadurch, da der Profit eine nur konventionelle (das heit bei ihm: einer be- stimmten gesellschaftlichen Formation angehrige, mit ihr ste- hende und fallende) Erscheinung ist; seine Existenz ist einfach an das Kapital geknpft; dies, wenn es stark genug ist, sich einen Profit zu erzwingen, ist durch die Konkurrenz gentigt, sich auch eine fr alle Kapitale gleiche Profitrate zu erzwingen. Ohne gleiche Profitrate ist eben keine kapitalistische Produktion mglich; diese Produktionsform vorausgesetzt, kann fr jeden Ein- zelkapitalisten die Masse des Profits nur abhngen, bei gegebner Profitrate, von der Gre seines Kapitals. Andrerseits besteht der Profit #21# Vorwort ----- aus Mehrwert, unbezahlter Arbeit. Und wie geschieht hier die Ver- wandlung des Mehrwerts, dessen Gre sich nach der Ausbeutung der Arbeit richtet, in Profit, dessen Gre sich nach der Gre des dazu erforderten Kapitals richtet? "Einfach dadurch, da in allen Produktionszweigen, wo das Ver- hltnis zwischen... konstantem und variablem Kapital am grten ist, die Waren ber ihrem Wert verkauft werden, das heit aber auch, da in denienigen Produktionszweigen, wo das Verhltnis konstantes Kapital : variables Kapital = c:v am kleinsten ist, die Waren unter ihrem Wert verkauft werden, und da nur, wo das Verhltnis c:v eine bestimmte Mittelgre darstellt, die Waren zu ihrem wahren Wert veruert werden... Ist diese Inkongruenz ein- zelner Preise mit ihren respektiven Werten eine Widerlegung des Wertprinzips? Keineswegs. Denn dadurch, da die Preise einiger Waren in gleichem Ma ber den Wert steigen, wie die Preise andrer unter den Wert sinken, bleibt die Totalsumme der Preise der Totalsumme der Werte gleich... 'in letzter Instanz' ver- schwindet die Inkongruenz.. Diese Inkongruenz ist eine "Strung"; in den exakten Wissenschaften aber pflegt man eine berechenbare Strung nie als eine Widerlegung eines Gesetzes zu betrachten". Man vergleiche hiermit die entsprechenden Stellen in Kap. IX, und man wird finden, da Fireman hier in der Tat den Finger auf den entscheidenden Punkt gelegt hat. Wie vieler Mittelglieder es aber auch nach dieser Entdeckung noch bedrfte, um Fireman zu befhi- gen, die volle handgreifliche Lsung des Problems herauszuarbei- ten, beweist die unverdient khle Aufnahme, die sein so bedeuten- der Artikel gefunden hat. So viele sich auch fr das Problem in- teressierten, sie alle frchteten noch immer, sich die Finger zu verbrennen. Und dies erklrt sich nicht nur aus der unvollendeten Form, worin Fireman seinen Fund gelassen hat, sondern auch aus der unleugbaren Mangelhaftigkeit sowohl seiner Auffassung der Marxschen Darstellung, wie seiner eignen, auf dieser Auffassung begrndeten allgemeinen Kritik derselben. Wo es Gelegenheit gibt, sich bei einer schwierigen Sache zu bla- mieren, da fehlt Herr Professor Julius Wolf in Zrich nie. Das ganze Problem, erzhlt er uns ("Conrads Jahrbcher", Dritte Folge, II, S. 352 und ff.), lst sich durch den relativen Mehr- wert. Die Produktion des relativen Mehrwerts beruht auf Vermeh- rung des konstanten Kapitals gegenber dem variablen. "Ein Plus an konstantem Kapital hat ein Plus an Produktivkraft der Arbeiter zur Voraussetzung. Da dies Plus an Produktivkraft aber (auf dem Wege ber die Verbilligung der Lebensmitteln ein Plus an Mehrwert nach sich zieht, ist die direkte Beziehung zwi- schen wachsendem Mehrwert und wachsender Beteiligung des konstan- ten #22# Vorwort ----- Kapitals im Gesamtkapital hergestellt. Ein Mehr an konstantem Ka- pital weist ein Mehr an Produktivkraft der Arbeit aus. Bei gleichbleibendem variablem und wachsendem konstantem Kapital mu daher der Mehrwert steigen im Einklang rnit Marx. Diese Frage war uns aufgegeben." Zwar sagt Marx an hundert Stellen des ersten Buchs das grade Ge- genteil; zwar ist die Behauptung, nach Marx steige der relative Mehrwert, bei fallendem variablem Kapital, im Verhltnis wie das konstante Kapital steigt, von einer Erstaunlichkeit, die jedes parlamentarischen Ausdrucks spottet; zwar beweist Herr Julius Wolf in jeder Zelle, da er weder relativ noch absolut das ge- ringste verstanden hat weder von absolutem noch von relativem Mehrwert; zwar sagt er selbst: "man scheint sich auf den ersten BIick hier wirklich in einem Nest von Ungereimtheiten zu befinden", was beilufig das einzige wahre Wort in seinem ganzen Artikel ist. Aber was tut das alles? Herr Julius Wolf ist so stolz auf seine geniale Entdeckung, da er nicht unterlassen kann, dem Marx dafr posthume Lobspr,che zu erteilen und diesen seinen eignen unergrndlichen Unsinn anzupreisen als einen "neuerlichen Beweis der Schrfe und Weitsichtigkeit, mit der sein" (Marx') kritisches System der kapitalistischen Wirtschaft entworfen ist"! Aber es kommt noch besser: Herr Wolf sagt: "Ricardo hat ebensowohl behauptet: gleicher Kapitalaufwand, glei- cher Mehrwert (Profit), wie: gleicher Arbeitsaufwand, gleicher Mehrwert (der Masse nach). Und die Frage war nun: wie reimt sich das eine mit dem andern. Marx hat die Frage in dieser Form nun aber nicht anerkannt. E r h a t (i m d r i t t e n B a n d) zweifellos nachgewiesen, da die zweite Behauptung nicht unbe- dingte Konsequenz des Wertgesetzes sei, ja da sie seinem Wertge- setze widerspreche und also... direkt zu verwerfen sei." Und nun untersucht er, wer von uns beiden sich geirrt hat, ich oder Marx. Da er selbst in der Irre spazierengeht, daran denkt er natrlich nicht. Es hiee meine Leser beleidigen und die Komik der Situation total verkennen, wollte ich nur ein Wort verlieren ber diese Pracht- stelle. Ich fge nur noch hinzu: Mit derselben Khnheit, womit er damals bereits sagen konnte, was "Marx im dritten Band zweifellos nachgewiesen", benutzt er die Gelegenheit, einen angeblichen Pro- fessorenklatsch zu berichten, wonach Conrad Schmidts obige Schrift "von Engels direkt inspiriert sei". Herr Julius Wolf! In der Welt, worin Sie leben und weben, mag es blich #25# Vorwort ----- sein, da der Mann, der andern ffentlich ein Problem stellt, seine Privatfreunde im stillen mit der Lsung bekannt macht. Da Sie dazu kapabel sind, will ich Ihnen gern glauben. Da in der Welt, worin ich verkehre, man sich nicht zu solchen Erbrmlich- keiten herabzulassen braucht, beweist Ihnen das gegenwrtige Vor- wort. Kaum war Marx gestorben, da verffentlichte Herr Achille Loria schleunigst einen Artikel ber ihn in der "Nuova Antologia" (April 1883): zuerst eine von falschen Angaben strotzende Biogra- phie, sodann eine Kritik der ffentlichen, politischen und lite- rarischen Ttigkeit. Die Marxische materialistische Auffassung der Geschichte wird hier geflscht und verdreht mit einer Zuver- sichtlichkeit, die einen groen Zweck erraten lt. Und dieser Zweck ist erreicht worden: 1886 verffentlichte derselbe Herr Lo- ria ein Buch "La teoria economica della costituzione politica", worin er die 1883 so gnzlich und so absichtlich entstellte Marx- sche Geschichtstheorie als seine eigne Erfindung der staunenden Mitwelt verkndet. Allerdings ist die Marxsche Theorie hier auf ein ziemlich philistrses Niveau heruntergebracht; auch wimmeln die historischen Belege und Beispiele von Schnitzern, die man keinem Quartaner durchlassen wrde; aber was verschlgt das al- les? Die Entdeckung, da berall und immer die politischen Zu- stnde und Ereignisse ihre Erklrung finden in den entsprechenden konomischen Zustnden, wurde, wie hiermit bewiesen, keineswegs von Marx im Jahr 1845 gemacht, sondern von Herrn Loria 1886. We- nigstens hat er dies seinen Landsleuten, und seit sein Buch fran- zsisch erschienen, auch einigen Franzosen glcklich aufgebunden und kann jetzt als Autor einer neuen epochemachenden Geschichts- theorie in Italien herumstolzieren, bis die dortigen Sozialisten Zeit finden, dem illustre 1*) Loria die gestohlnen Pfauenfedern herunterzuzupfen. Das ist aber erst ein kleines Prbchen von Herrn Lorias Manier. Er versichert uns, da smtliche Theorien von Marx beruhen auf einem bewuten Sophisma (un consaputo sofisma); da Marx vor Pa- ralogismen nicht zurckscheute, auch wenn er sie als s o l c h e e r k a n n t e (sapendoll tali) usw. Und nachdem er mit einer ganzen Reihe hnlicher gemeiner Schnurren seinen Lesern das N- tige beigebracht hat, damit sie Marx fr einen Streber la Loria ansehn, der seine Effektchen mit denselben kleinen faulen Humbug- smittelchen in Szene setzt wie unser paduanischer Professor, jetzt kann er ihnen ein wichtiges Geheimnis verraten, und damit fhrt er auch uns zur Profitrate zurck. ----- 1*) erlauchten #26# Vorwort ----- Herr Loria sagt: Nach Marx soll sich die in einem kapitalisti- schen Industriegeschft produzierte Masse des Mehrwerts (den Herr Loria hier mit dem Profit identifiziert) richten nach dem darin angewandten variablen Kapital, da das konstante Kapital keinen Profit abwirft. Das widerspricht aber der Wirklichkeit. Denn in der Praxis richtet sich der Profit nicht nach dem variablen, son- dern nach dem Gesamtkapital. Und Marx sieht dies selbst ein (I. Kap. XI [5]) und gibt zu, da dem Anschein nach die Tatsachen seiner Theorie widersprechen. Wie aber lst er den Widerspruch? Er verweist seine Leser auf einen noch nicht erschienenen folgen- den Band. Von diesem Band hatte Loria seinen Lesern schon frher gesagt, er glaube nicht, da Marx auch nur einen Augenblick daran gedacht habe, ihn zu schreiben, und jetzt ruft er triumphierend aus: "Nicht mit Unrecht habe ich also behauptet, dieser zweite Band, womit Marx in einem fort seinen Gegnern droht, ohne da er je er- scheint, dieser Band knne sehr wohl ein pfiffiges Auskunftstitel gewesen sein, das Marx da anwandte, wo ihm die wissenschaftlichen Argumente ausgingen (un ingegneso spediente ideato dal Marx a so- stituzione degli argomenti scientifici)." Und wer jetzt nicht berzeugt ist, da Marx auf derselben Hhe des wissenschaftlichen Schwindels steht wie l'illustre Loria, an dem ist Hopfen und Malz verloren. Soviel also haben wir gelernt: nach Herrn Loria ist die Marxsche Mehrwertstheorie absolut unvereinbar mit der Tatsache der allge- meinen gleichen Profitrate. Nun kam das zweite Buch heraus und damit meine ffentlich gestellte Frage grade ber diesen selben Punkt. 1*) Wre Herr Loria einer von uns blden Deutschen gewe- sen, er wre einigermaen in Verlegenheit geraten. Aber er ist ein kecker Sdlnder, er kommt aus einem heien Kiima, wo, wie er behaupten kann, die Unverfrorenheit gewissermaen Naturbedingung ist. Die Frage wegen der Profitrate ist ffentlich gestellt. Herr Loria hat sie ffentlich fr unlslich erklrt. Und grade deshalb wird er sich jetzt selbst bertreifen, indem er sie ffentlich lst. Dies Wunder geschieht in Conrads "Jahrbchern", N.F., Bd. XX, S. 272ff., in einem Artikel ber Conrad Schmidts oben erwhnte Schrift. Nachdem er von Schmidt gelernt, wie der kommerzielle Profit zustande kommt, ist ihm auf einmal alles klar. "Da nun die Wertbestimmung durch die Arbeitszeit den Kapitali- sten, die einen guten Teil ihres Kapitals in Lhnen anlegen, einen Vorteil gibt, so kann das unproduktive" (soll heien kom- merzielle) "Kapital von diesen bevorzugten Kapitalisten ----- 1*) Siehe Band 24 unserer Ausgabe, S. 26 #27# Vorwort ----- einen hheren Zins" (soll heien Profit) erzwingen und die Gleichheit zwischen den einzelnen industriellen Kapitalisten her- vorbringen... So z.B., wenn die industriellen Kapitalisten A, B, C, 100 Arbeitstage fr jeden, und respektive 0, 100, 200 konstan- tes Kapital in der Produktion anwenden, und der Arbeitslohn fr 100 Arbeitstage 50 Arbeitstage in sich enthlt, jeder Kapitalist einen Mehrwert von 50 Arbeitstagen bekommt und die Profitrate 100% ist fr den ersten, 33,3% fr den zweiten und 20% fr den dritten Kapitalisten. Wenn aber ein vierter Kapitalist D ein un- produktives Kapital von 300 akkumuliert, das einen Zins" (Profit) "von dem Wert von 40 Arbeitstagen von A, einen Zins von 20 Ar- beitstagen von B erheischt, so wird die Profitrate der Kapitali- sten A und B zu 20%, wie die C's sinken und D mit einem Kapital von 300 wird einen Profit von 60, d.h. eine Profitrate von 20%, wie die brigen Kapitalisten bekommen." Mit so berraschender Gewandtheit, im Handumdrehn, lst l'illustre Loria dieselbe Frage, die er vor zehn Jahren fr un- lsbar erklrt hatte. Leider hat er uns das Geheimnis nicht ver- raten, woher das "unproduktive Kapital" die Macht erhlt, den In- dustriellen diesen ihren, die Durchschnittsprofitrate berschrei- tenden Extraprofit nicht nur abzuzwacken, sondern auch selbst in der Tasche zu behalten, ganz wie der Grundeigentmer den ber- schssigen Profit des Pchters als Grundrente einsteckt. In der Tat wrden die Kaufleute hiernach einen der Grundrente durchaus analogen Tribut von den Industriellen erheben und dadurch die Durchschnittsprofitrate herstellen. Allerdings ist das Handelskapital ein sehr wesentlicher Faktor in der Herstellung der allgemeinen Profitrate, wie so ziemlich je- dermann wei. Aber nur ein literarischer Abenteurer, der im Grunde seines Herzens auf die ganze konomie pfeift, kann sich die Behauptung erlauben, es besitze die Zauberkraft, allen ber die allgemeine Profitrate, und dazu noch ehe eine solche herge- stellt ist, berschssigen Mehrwert an sich zu saugen und in Grundrente fr sich selbst zu verwandeln, und das obendrein, ohne da es irgendein Grundeigentum dazu ntig hat. Nicht weniger er- staunlich ist die Behauptung, das Handelskapital bringe es fer- tig, diejenigen Industriellen zu entdecken, deren Mehrwert nur grade die Durchschnittsprofitrate deckt, und es rechne es sich zur Ehre an, diesen unglcklichen Opfern des Marxschen Wertgeset- zes ihr Los einigermaen zu erleichtern, indem es ihnen ihre Pro- dukte gratis, sogar ohne jede Provision verkauft. Welch ein Ta- schenspieler gehrt dazu, sich einzubilden, Marx habe solche jm- merliche Kunststckchen ntig! In seiner vollen Glorie aber strahlt unser illustre Loria erst, wenn wir ihn mit seinen nordischen Konkurrenten vergleichen, Z.B. mit Herrn Julius Wolf, der doch auch nicht von gestern ist. Welch ein kleiner Klffer scheint dieser, selbst in seinem dicken Buch ber Sozialismus und kapitalistische #28# Vorwort ----- "Gesellschaftsordnung", neben dem Italiener! Wie unbehilflich, ich wre fast versucht zu sagen, wie bescheiden steht er da neben der edlen Dreistigkeit, womit der Maestro es als selbstredend hinstellt, da Marx nicht mehr und nicht minder als alle andern Leute auch, ein genau ebenso bewuter Sophist, Paralogist, Auf- schneider und Marktschreier war wie Herr Loria selbst - da Marx jedesmal, wenn er festsetzt, dem Publikum von einem Abschlu sei- ner Theorie in einem folgenden Band vorschwefelt, den er, wie er selbst sehr gut wei, weder liefern kann noch will! Unbegrenzte Keckheit, gepaart mit aalglattem Durchschlpfen durch unmgliche Situationen, heroische Verachtung gegen erhaltne Futritte, rasch zugreifende Aneignung fremder Leistungen, zudringliche Markt- schreierei der Reklame, Organisation des Ruhms vermittelst des Kamaraderieklngels - wer reicht ihm in alledem das Wasser? Italien ist das Land der Klassizitt. Seit der groen Zeit, als bei ihm die Morgenrte der modernen Welt aufging, brachte es groartige Charaktere hervor in unerreicht klassischer Vollen- dung, von Dante bis auf Garibaldi. Aber auch die Zeit der Ernied- rigung und Fremdherrschaft hinterlie ihm klassische Charakter- masken, darunter zwei besonders ausgemeielte Typen: den Sgana- rell und den Dulcamara. Die klassische Einheit beider sehn wir verkrpert in unserm illustre Loria. Zum Schlu mu ich meine Leser ber den Ozean fhren. In New York hat Herr Dr. med. George C. Stiebeling auch eine Lsung des Pro- blems gefunden, und zwar eine uerst einfache. So einfach, da kein Mensch weder hben noch drben sie anerkennen wollte, wor- ber er in groen Zorn geriet und in einer endlosen Reihe Bro- schren und Zeitungsartikel auf beiden Seiten des groen Wassers sich bitterlichst ber diese Unbill beschwerte. Man sagte ihm zwar in der "Neuen Zeit" [6], seine ganze Lsung beruhe auf einem Rechenfehler. Aber das konnte ihn nicht stren; Marx hat auch Re- chenfehler gemacht und behlt dennoch in vielen Dingen recht. Sehn wir uns also die Stiebelingsche Lsung an. "Ich nehme zwei Fabriken an, die mit gleichem Kapital gleiche Zeit arbeiten, aber mit einem verschiednen Verhltnis des kon- stanten und des variablen Kapitals. Das Gesamtkapital (c+v) setze ich y, und bezeichne den Unterschied in dem Verhltnis des kon- stanten zu dem variablen Kapital mit x. In Fabrik I ist y = c + v, in Fabrik II ist y = (c-x) + (v+x). Die Rate des Mehrwerts ist also in Fabrik I = m/vund in Fabrik II = m/(v+x). Profit (p) nenne ich den Mehrwert (m), um den sich das Gesamtkapital y oder c + v in der gegebnen Zeit vermehrt, also p = m. Die Rate des Profits ist demnach in Fabrik I = p/y oder m/(c+v) und in Fabrik II ebenfalls p/y oder #29# Vorwort ----- m ------------- (c-x) + (v+x) da d.h. ebenfalls = m/(c+v). Das... Problem lst sich also der- art, da auf Grundlage des Wertgesetzes, bei Anwendung gleichen Kapitals und gleicher Zeit, aber ungleicher Mengen lebendiger Ar- beit, aus der Vernderung der Rate des Mehrwerts eine gleiche Durchschnittsprofitrate hervorgeht." (G. C. Stiebeling, "Das Werthgesetz und die Profitrate", New York, John Heinrich.) So schn und einleuchtend auch die obige Rechnung ist, so sind wir doch gentigt, eine Frage an Herrn Dr. Stiebeling zu richten: Woher wei er, da die Summe des Mehrwerts, den Fabrik I produ- ziert, aufs Haar gleich ist der Summe des in Fabrik II erzeugten Mehrwerts? Von c, v, y und x, also von allen brigen Faktoren der Rechnung sagt er uns ausdrcklich, da sie fr beide Fabriken gleiche Gre haben, aber von in kein Wort. Daraus aber, da er beide hier vorkommende Mengen Mehrwert algebraisch mit in be- zeichnet, folgt dies keineswegs. Es ist, da Herr Stiebeling auch den Profit p ohne weiteres mit dem Mehrwert identifiziert, viel- mehr grade das, was bewiesen werden soll. Nun sind nur zwei Flle mglich: entweder sind die beiden in gleich, jede Fabrik produ- ziert gleich viel Mehrwert, also bei gleichem Gesamtkapital auch gleich viel Profit, und dann hat Herr Stiebeling von vornherein das schon vorausgesetzt, was er erst beweisen soll. Oder aber, die eine Fabrik produziert eine grere Summe Mehrwert als die andre, und dann fllt seine ganze Rechnung dahin. Herr Stiebeling hat weder Mhe noch Kosten gescheut, auf diesen seinen Rechenfehler ganze Berge von Rechnungen aufzubauen und dem Publikum zur Schau zu stellen. Ich kann ihm die beruhigende Ver- sicherung geben, da sie fast alle gleichmig unrichtig sind, und da sie da, wo dies ausnahmsweise nicht der Fall ist, ganz etwas anders beweisen, als er beweisen will. So beweist er aus der Vergleichung der amerikanischen Zensusberichte von 1870 und 1880 tatschlich den Fall der Profitrate, erklrt ihn aber total falsch und meint, die Marxsche Theorie einer sich immer gleich- bleibenden, stabilen Profitrate durch die Praxis berichtigen zu mssen. Nun folgt aber aus dem dritten Abschnitt des vorliegenden dritten Buchs, da diese Marxsche "feststehende Profitrate" ein reines Hirngespinst ist, und da die fallende Tendenz der Pro- fitrate auf Ursachen beruht, die den von Dr. Stiebeling angegeb- nen diametral entgegengesetzt sind. Herr Dr. Stiebeling meint es sicher sehr gut, aber wenn man sich mit wissenschaftlichen Fragen beschftigen will, mu man vor allen Dingen lernen, die Schrif- ten, die man benutzen will, so zu lesen, wie der Verfasser sie geschrieben hat und vor allem, ohne Dinge hineinzulesen, die nicht darinstehn. #30# Vorwort ----- Resultat der ganzen Untersuchung: auch mit Bezug auf die vorlie- gende Frage ist es wieder nur die Marxsche Schule, die etwas geleistet hat. Fireman und Conrad Schmidt knnen, wenn sie dies dritte Buch lesen, mit ihren eignen Arbeiten jeder an seinem Teil ganz zufrieden sein. London, 4. Oktober 1894 F. Engels Drittes Buch Der Gesamtproze der kapitalistischen Produktion Erster Teil #33# ----- Erster Abschnitt Die Verwandlung des Mehrwerts in Profit und der Rate des Mehr- werts in Profitrate ERSTES KAPITEL Kostpreis und Profit Im ersten Buch wurden die Erscheinungen untersucht, die der kapi- talistische P r o d u k t i o n s p r o z e , fr sich genom- men, darbietet, als unmittelbarer Produktionsproze, bei dem noch von allen gekundren Einwirkungen ihm fremder Umstnde abgesehn wurde. Aber dieser unmittelbare Produktionsproze erschpft nicht den Lebenslauf des Kapitals. Er wird in der wirklichen Velt er- gnzt durch den Z i r k u l a t i o n s p r o z e , und dieser bildete den Gegenstand der Untersuchungen des zweiten Buchs. Hier zeigte sich, namentlich im dritten Abschnitt, bei Betrachtung des Zirkulationsprozesses als der Vermittlung des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses, da der kapitalistische Produktionspro- ze, im ganzen betrachtet, Einheit von Produktions- und Zirkula- tionsproze ist. Worum es sich in diesem dritten Buch handelt, kann nicht sein, allgemeine Reexionen ber diese Einheit anzu- stellen. Es gilt vielmehr, die konkreten Formen aufzufinden und darzustellen, welche aus dem B e w e g u n g s p r o z e d e s K a p i t a l s, a l s G a n z e s betrachtet, hervor- wachsen. In ihrer wirklichen Bewegung treten sich die Kapitale in solchen konkreten Formen gegenber, fr die die Gestalt des Kapi- tals im unmittelbaren Produktionsproze, wie seine Gestalt im Zirkulationsproze, nur als besondere Momente erscheinen. Die Ge- staltungen des Kapitals, wie wir sie in diesem Buch entwickeln, nhern sich also schrittwels der Form, worin sie auf der Oberfl- che der Gesellschaft, in der Aktion der verschiedenen Kapitale aufeinander, der Konkurrenz, und im gewhnlichen Bewutsein der Produktionsagenten selbst auftreten. #34# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit. ----- Der Wert jeder kapitalistisch produzierten Ware W stellt sich dar in der Formel: W = c + v + m. Ziehn wir von diesem Produktenwert den Mehrwert in ab, so bleibt ein bloes quivalent oder ein Er- satzwert in Ware fr den in den Produktionselementen verausgabten Kapitalwert c + v. Verursacht z.B. die Herstellung eines gewissen Artikels eine Ka- pitalausgabe von 500 Pfd.St.: 20 Pfd.St. fr Verschlei von Ar- beitsmitteln, 380 Pfd.St. fr Produktionsstoffe, 100 Pfd.St. fr Arbeitskraft, und betrgt die Rate des Mehrwertes 100%, so ist der Wert des Produkts = 400c + 100v + 100m = 600 Pfd.St. Nach Abzug des Mehrwerts von 100 Pfd.St. bleibt ein Warenwert von 500 Pfd.St., und dieser ersetzt nur das verausgabte Kapital von 500 Pfd.St. Dieser Wertteil der Ware, der den Preis der verzehr- ten Produktionsrnittel und den Preis der angewandten Arbeitskraft ersetzt, ersetzt nur, was die Ware dem Kapitalisten selbst ko- stet, und bildet daher fr ihn den Kostpreis der Ware. Was die Ware dem Kapitalisten kostet, und was die Produktion der Ware selbst kostet, sind allerdings zwei ganz verschiedne Gren. Der aus Mehrwert bestehende Teil des Warenwerts kostet dem Kapi- talisten nichts, eben weil er dem Arbeiter unbezahlte Arbeit ko- stet. Da jedoch auf Grundlage der kapitalistischen Produktion der Arbeiter selbst, nach seinem Eintritt in den Produktionsproze, ein Ingrediens des in Funktion begriffenen und dem Kapitalisten zugehrigen produktiven Kapitals bildet, der Kapitalist also der wirkliche Warenproduzent ist, so erscheint notwendig der Kost- preis der Ware fr ihn als die wirkliche Kost der Ware selbst. Nennen wir den Kostpreis k, so verwandelt sich die Formel: W = c + v + m in die Formel: W = k + m, oder Warenwert = Kostpreis + Mehrwert. Die Zusammenfassung der verschiednen Wertteile der Ware, die nur den in ihrer Produktion verausgabten Kapitalwert ersetzen, unter der Kategorie des Kostpreises drckt daher einerseits den spezi- fischen Charakter der kapitalistischen Produktion aus. Die kapi- talistische Kost der Ware mit sich an der Ausgabe in Kapital, die wirkliche Kost der Ware an der Ausgabe in Arbeit. Der kapita- listische Kostpreis der Ware ist daher quantitativ verschieden von ihrem Wert oder ihrem wirklichen Kostpreis; er ist kleiner als der Warenwert, denn da W = k + m, ist k = W - m. Andrerseits ist der Kostpreis der Ware keineswegs eine Rubrik, die nur in der kapitalistischen Buchfhrung existiert. Die Verselbstndigung dieses Wertteils macht sich in der wirklichen Produktion der Ware fortwhrend praktisch geltend, da er aus seiner Warenform durch den Zirkulationsproze stets wieder in die Form von produktivem Kapital rckverwandelt werden, #37# 1. Kapitel - Kostpreis und Profit ----- der Kostpreis der Ware also bestndig die in ihrer Produktion verzehrten Produktionselemente rckkaufen mu. Dagegen hat die Kategorie des Kostpreises in keiner Weise zu tun mit der Wertbildung der Ware oder mit dem Verweirtungsproze des Kapitals. Wenn ich wei, da 5/6 des Warenwerts, von 600 Pfd.St., oder 500 Pfd.St. nur ein quivalent, einen Ersatzwert des veraus- gabten Kapitals von 500 Pfd.St. bilden, und daher nur hinreichen, die stofflichen Elemente dieses Kapitals rckzukaufen, so wei ich damit weder, wie diese 5/6 des Werts der Ware, die ihren Kostpreis bilden, noch wie das letzte Sechstel, das ihren Mehr- wert bildet, produziert worden sind. Die Untersuchung wird jedoch zeigen, da der Kostpreis in der Kapitalwirtschaft den falschen Schein einer Kategorie der Wertproduktion selbst erhlt. Kehren wir zu unserm Beispiel zurck. Unterstellen wir, da der in einem durchschnittlichen gesellschaftlichen Arbeitstag von ei- nem Arbeiter produzierte Wert sich in einer Geldsumme von 6 sh. = 6 M. darstellt, so ist das vorgeschone Kapital von 500 Pfd.St. = 40c0 + 100v, das Wertprodukt von 1666 2/3 zehnstndigen Arbeits- tagen, wovon 1333 1/3 Arbeitstage im Wert der Produktionsmittel = 400c, 333 1/3 im Wert der Arbeitskraft = 100v kristallisiert sind. Bei der angenommenen Mehrweirtrate von 100% kostet die Pro- duktion der neu zu bildenden Ware selbst also eine Verausgabung von Arbeitskraft = 100v + 100m = 666 2/3 zehnstndigen Arbeitsta- gen. Wir wissen dann (siehe Buch I, Kap. VII, p. 201/193 1*)), da der Wert des neugebildeten Produkts von 600 Pfd.St. sich zusammen- setzt aus 1. dem wiedererscheinenden Wert des in Produktionsmit- teln verausgabten konstanten Kapitals von 400 Pfd.St. und 2. ei- nem neuproduzierten Wert von 200 Pfd.St. Der Kostpreis der Ware = 500 Pfd.St. umschliet die wiedererscheinenden 400c und eine Hlfte des neuproduzierten Werts von 200 Pfd.St. (= 100,), also zwei mit Bezug auf ihre Entstehung ganz und gar verschiedne Ele- mente des Warenwerts. Durch den zweckgemen Charakter der whrend 6662/3 zehnstndigen Tagen verausgabten Arbeit wird der Wert der verzehrten Produkti- onsmittel, zum Belauf von 400 Pfd.St., von diesen Produktionsmit- teln auf das Produkt bertragen. Dieser alte Wert erscheint daher wieder als Bestandteil des Produktenwerts, aber er entsteht nicht im Produktionsproze d i e s e r Ware. Er existiert nur als Be- standteil des Warenwerts, weil er vorher als Bestandteil des vor- geschonen Kapitals existierte. Das verausgabte konstante ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 226 #38# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Kapital wird also durch den Teil des Warenwerts ersetzt, den es selbst dem Warenwert zusetzt. Dies Element des Kostpreises hat also den zweideutigen Sinn: Es geht einerseits in den Kostpreis der Ware ein, weil es ein Bestandteil des Warenwerts ist, der verausgabtes Kapital ersetzt; und andrerseits bildet es nur einen Bestandteil des Warenwerts, weil es der Wert von verausgabtem Ka- pital ist, oder weil die Produktionsmittel soundso viel kosten. Ganz umgekehrt mit dem andern Bestandteil des Kostpreises. Die whrend der Warenproduktion verausgabten 666 2/3 Tage Arbeit bil- den einen Neuwert von 200 Pfd.St. Von diesem Neuwert ersetzt ein Teil nur das vorgeschone variable Kapital von 100 Pfd.St. oder den Preis der angewandten Arbeitskraft. Aber dieser vorgeschone Kapitalwert geht in keiner Weise in die Bildung des Neuwerts ein. Innerhalb des Kapitalvorschusses zhlt die Arbeitskraft als W e r t, aber im Produktionsproze fungiert sie als W e r t b i l d n e r. An die Stelle des Werts der Arbeitskraft, der innerhalb des Kapitalvorschusses figuriert, tritt im wirklich f u n g i e r e n d e n produktiven Kapital die lebendige, wert- bildende Arbeitskraft selbst. Der Unterschied zwischen diesen verschiednen Bestandteilen des Warenwerts, die zusammen den Kostpreis bilden, springt ins Auge, sobald ein Wechsel in der Wertgre, das eine Mal des verausgab- ten konstanten, das andre Mal des verausgabten variablen Kapi- talteils eintritt. Der Preis derselben Produktionsmittel oder der konstante Kapitaltell steige von 400 Pfd.St. auf 600 Pfd.St., oder sinke umgekehrt auf 200 Pfd.St. Im ersten Fall steigt nicht nur der Kostpreis der Ware von 500 Pfd.St. auf 600c + 100v = 700 Pfd.St., sondern der Warenwert selbst steigt von 600 Pfd.St. auf 600c + 100v + 100m = 800 Pfd.St. Im zweiten Fall sinkt nicht nur der Kostpreis von 500 Pfd.St. auf 200c + 100v = 300 Pfd.St., son- dern der Warenwert selbst von 600 Pfd. St. auf 200c + 100v + 100m = 400 Pfd.St. Weil das verausgabte konstante Kapital seinen eig- nen Wert auf das Produkt bertrgt, wchst oder fllt, bei sonst gleichbleibenden Umstnden, der Produktenwert mit der absoluten Gre jenes Kapitalwerts. Nimm umgekehrt an, bei sonst gleich- bleibenden Umstnden wachse der Preis derselben Masse Arbeits- kraft von 100 Pfd.St. auf 150 Pfd.St., oder sinke umgekehrt auf 50 Pfd.St. Im ersten Fall steigt zwar der Kostpreis von 500 Pfd.St. auf 400c + 150v = 550 Pfd.St. und sinkt im zweiten Fall von 500 Pfd.St. auf 400c + 50v = 450 Pfd.St., aber in beiden Fl- len bleibt der Warenwert unverndert = 600 Pfd.St.; das eine Mal = 400c + 150v + 50m, das andre Mal = 400c + 50v + 150m. Das vor- geschone variable Kapital setzt dem Produkt nicht seinen eignen Wert zu. An die Stelle seines #41# 1. Kapitel - Kostpreis und Profit ----- Werts ist vielmehr im Produkt ein von der Arbeit geschaffner Neu- wert getreten. Ein Wechsel in der absoluten Wertgre des vari- ablen Kapitals, soweit er nur einen Wechsel im Preis der Arbeits- kraft ausdrckt, ndert daher nicht das geringste an der absolu- ten Gre des Warenwerts, weil nichts an der absoluten Gre des Neuwerts, welchen flssige Arbeitskraft schafft. Solcher Wechsel affiziert vielmehr nur das Grenverhltnis der beiden Bestand- teile des Neuwerts, wovon der eine Mehrwert bildet, der andre das variable Kapital ersetzt, und daher in den Kostpreis der Ware eingeht. Gemeinsam haben beide Teile des Kostpreises, in unserm Fall 400 + 100v, nur das: da sie beide Teile des Warenwerts sind, die vor- geschones Kapital ersetzen. Dieser wirkliche Sachverhalt erscheint aber notwendig in verkehr- ter Weise vom Standpunkt der kapitalistischen Produktion. Die kapitalistische Produktionsweise unterscheidet sich von der auf Sklaverei gegrndeten Produktionsweise unter anderm dadurch, da der Wert, resp. Preis der Arbeitskraft, sich darstellt als Wert, resp. Preis, der Arbeit selbst oder als Arbeitslohn. (Buch I, Kap. XVII.) Der variable Wertteil des Kapitalvorschusses er- scheint daher als in Arbeitslohn verausgabtes Kapital, als ein Kapitalwert, der den Wert, resp. Preis, aller in der Produktion verausgabten Arbeit zahlt. Nehmen wir z.B. an, da ein durch- schnittlicher gesellschaftlicher Arbeitstag von 10 Stunden sich in einer Geldmasse von 6 sh. verkrpert, so ist der variable Ka- pitalvorschu von 100 Pfd.St. der Geldausdruck eines in 333 1/3 zehnstndigen Arbeitstagen produzierten Werts. Dieser im Kapital- vorschu figurierende Wert der angekauften Arbeitskraft bildet aber keinen Teil des wirklich fungierenden Kapitals. An seine Stelle tritt im Produktionsproze selbst die lebendige Arbeits- kraft. Betrgt, wie in unserm Beispiel, der Exploitationsgrad der letztern 100%, so wird sie verausgabt whrend 666 2/3 zehnstndi- gen Arbeitstagen und setzt daher dem Produkt einen Neuwert von 200 Pfd.St. zu. Aber im Kapitalvorschu figuriert das variable Kapital von 100 Pfd.St. als in Arbeitslohn ausgelegtes Kapital, oder als Preis der Arbeit, die whrend 666 2/3 zehnstndigen Ta- gen verrichtet wird. 100 Pfd.St. dividiert durch 666 2/3 gibt uns als Preis des zehnstndigen Arbeitstags 3 sh., das Wertprodukt fnfstndiger Arbeit. Vergleichen wir nun Kapitalvorschu auf der einen Seite und Wa- renwert auf der andern, so haben wir: 1. Kapitalvorschu von 500 Pfd.St. = 400 Pfd.St. in Produktionsmitteln verausgabtes Kapital (Preis der Produktionsmittel) + 100 Pfd.St. in #42# 1. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Arbeit verausgabtes Kapital (Preis von 666 2/3 Arbeitstagen oder Arbeitslohn fr selbe). II. Warenwert von 600 Pfd.St. = Kostpreis von 500 Pfd.St. (400 Pfd.St. Preis der verausgabten Produktionsmittel + 100 Pfd.St. Preis der verausgabten 666 2/3 Arbeitstage) + 100 Pfd.St. Mehr- wert. In dieser Formel unterscheidet sich der in Arbeit ausgelegte Ka- pitalteil von dem in Produktionsmitteln, z.B. Baumwolle oder Koh- len ausgelegten Kapitalteil nur dadurch, da er zur Zahlung eines stofflich verschiednen Produktionselements dient, aber in keiner Weise dadurch, da er im Wertbildungsproze der Ware und daher auch im Verwertungsproze des Kapitals eine funktionell ver- schiedne Rolle spielt. Im Kostpreis der Ware kehrt der Preis der Produktionsmittel wieder, wie er bereits im Kapitalvorschu figu- rierte, und zwar weil diese Produktionsmittel zweckgem vernutzt worden sind. Ganz ebenso kehrt im Kostpreis der Ware der Preis oder Arbeitslohn fr die zu ihrer Produktion verbrauchten 666 2/3 Arbeitstage wieder, wie er bereits im Kapitalvorschu figurierte, und zwar ebenfalls weil diese Masse Arbeit in zweckgemer Form verausgabt wurde. Wir sehn nur fertige, vorhandne Werte - die Wertteile des vorgeschonen Kapitals, die in die Bildung des Pro- duktenwerts eingehn - aber kein Neuwert schaffendes Element. Der Unterschied zwischen konstantem und variablem Kapital ist ver- schwunden. Der ganze Kostpreis von 500 Pfd.St. erhlt jetzt den Doppelsinn, da er erstens der Bestandteil des Warenwerts von 600 Pfd.St. ist, der das in der Produktion der Ware verausgabte Kapi- tal von 500 Pfd.St. ersetzt; und da zweitens dieser Wertbestand- teil der Ware selbst nur existiert, weil er vorher als Kostpreis der angewandten Produktionselemente, der Produktionsmittel und Arbeit d.h. als Kapitalvorschu existierte. Der Kapitalwert kehrt als Kostpreis der Ware wieder, weil und sofern er als Kapitalwert verausgabt worden ist. Der Umstand, da die verschiednen Wertbestandteile des vorge- schonen Kapitals in stofflich verschiednen Produktionselementen ausgelegt sind, in Arbeitsmitteln, Roh- und Hilfsstoffen und Ar- beit, bedingt nur, da der Kostpreis der Ware diese stofflich verschiednen Produktionselemente wieder rckkaufen mu. Mit Bezug auf die Bildung des Kostpreises selbst macht sich dagegen nur ein Unterschied geltend, der Unterschied zwischen fixem und zirkulie- rendem Kapital. In unserm Beispiel waren 20 Pfd.St. berechnet fr Verschlei der Arbeitsmittel (400c = 20 Pfd.St. fr Verschlei der Arbeitsmittel + 380 Pfd.St. fr Produktionsstoffe). War der Wert dieser Arbeitsmittel vor der Produktion der Ware = 1200 Pfd.St., so existiert er nach ihrer Produktion in zwei Gestalten, 20 Pfd.St. als Teil des Warenwerts, #43# 1. Kapitel - Kostpreis und Profit ----- 1200 - 20 oder 1180 Pfd.St. als resistierender Wert der nach wie vor im Besitz des Kapitalisten befindlichen Arbeitsmittel, oder als Wertelement nicht seines Warenkapitals, sondern seines pro- duktiven Kapitals. Im Gegensatz zu den Arbeitsmitteln werden Pro- duktionsstoffe und Arbeitslohn in der Produktion der Ware ganz verausgabt, und geht daher auch ihr ganzer Wert in den Wert der produzierten Ware ein. Wir haben gesehn, wie diese verschiednen Bestandteile des vorgeschonen Kapitals mit Bezug auf den Um- schlag die Formen von fixem und zirkulierendern Kapital erhalten. Der Kapitalvorschu ist also = 1680 Pfd.St.: fixes Kapital = 1200 Pfd.St. plus zirkulierendes Kapital = 480 Pfd.St. (= 380 Pfd.St. in Produktionsstoffen plus 100 Pfd.St. in Arbeitslohn). Der Kost- preis der Ware ist dagegen nur = 500 Pfd.St. (20 Pfd.St. fr Ver- schlei des fixen Kapitals, 480 Pfd.St. fr zirkulierendes Kapi- tal). Diese Differenz zwischen Kostpreis der Ware und Kapitalvorschu besttigt jedoch nur, da der Kostpreis der Ware ausschlielich gebildet wird durch das fr ihre Produktion wirklich verausgabte Kapital. In der Produktion der Ware werden Arbeitsmittel zum Wert von 1200 Pfd.St. angewandt, aber von diesem vorgeschonen Kapi- talwert gehn nur 20 Pfd.St. in der Produktion verloren. Das ange- wandte fixe Kapital geht daher nur teilweise in den Kostpreis der Ware ein, weil es nur teilweise in ihrer Produktion verausgabt wird. Das angewandte zirkulierende Kapital geht ganz in den Kost- preis der Ware ein, weil es in ihrer Produktion ganz verausgabt wird. Was beweist dies aber, als da die verbrauchten fixen und zirkulierenden Kapitaltelle, pro rata ihrer Wertgre, gleichm- ig in den Kostpreis ihrer Ware eingehn und da dieser Wertbe- standteil der Ware berhaupt nur aus dem in ihrer Produktion ver- ausgabten Kapital entspringt? Wre dies nicht der Fall, so wre nicht abzusehn, warum das vorgeschone fixe Kapital von 1200 Pfd.St. dem Produktenwert, statt der 20 Pfd.St., die es im Pro- duktionsproze verliert, nicht auch die 1180 Pfd.St. zusetzt, die es nicht in ihm verliert. Diese Differenz zwischen fixem und zirkulierendem Kapital in be- zug auf die Berechnung des Kostpreises besttigt also nur die scheinbare Entstehung des Kostpreises aus dem verausgabten Kapi- talwert oder dem Preis, den die verausgabten Produktionselemente, die Arbeit einbegriffen, dem Kapitalisten selbst kosten. Andrer- seits wird der variable, in Arbeitskraft ausgelegte Kapitalteil in bezug auf Wertbildung hier unter der Rubrik von zirkullerendem Kapital ausdrcklich identifiziert mit konstantem Kapital #44# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- (dem in Produktionsstoffen bestehenden Kapitalteil) und so die Mystifikation des Verwertungsprozesses des Kapitals vollendet. 1) Wir haben bisher nur ein Element des Warenwerts betrachtet, den Kostpreis. Wir mssen uns jetzt auch nach dem andern Bestandteil des Warenwerts umsehn, dem berschu ber den Kostpreis oder dem Mehrwert. Zunchst ist der Mehrwert also ein berschu des Werts der Ware ber ihren Kostpreis. Da aber der Kostpreis gleich dem Wert des verausgabten Kapitals, in dessen stoffliche Elemente er auch bestndig rckverwandelt wird, so ist dieser Wertberschu ein Wertzuwachs des in der Produktion der Ware verausgabten und aus ihrer Zirkulation zurckkehrenden Kapitals. Man sah bereits frher, da, obgleich in, der Mehrwert, nur aus einer Wertvernderung von v, dem variablen Kapital entspringt und daher ursprnglich blo ein Inkrement des variablen Kapitals ist, er dennoch nach beendigtem Produktionsproze ebensosehr einen Wertzuwachs von c + v, dem verausgabten Gesamtkapital bildet. Die Formel c + (v+m), die andeutet, da in produziert wird durch die Verwandlung des in Arbeitskraft vorgeschonen bestimmten Kapital- werts v in eine flieende Gre, also einer konstanten Gre in eine variable, stellt sich ebenso dar als (c+v) + m. Vor der Pro- duktion hatten wir ein Kapital von 500 Pfd.St. Nach der Produk- tion haben wir das Kapital von 500 Pfd.St. plus einem Wertzuwachs von 100 Pfd.St. 2) Der Mehrwert bildet jedoch einen Zuwachs, nicht nur zu dem in den Verwertungsproze eingehenden, sondern auch zu dem nicht darin eingehenden Teil des vorgeschonen Kapitals; also einen Wertzu- wachs, nicht nur zu dem verausgabten Kapital, das aus dem Kost- preis der Ware ersetzt wird, sondern zu dem in der Produktion berhaupt angewandten Kapital. Vor dem Produktionsproze hatten wir einen Kapitalwert von 1680 Pfd.St.: 1200 Pfd.St. in Arbeits- mitteln ausgelegtes fixes Kapital, wovon nur --- 1) Welche Verwirrung hieraus im Kopf des konomen entstehn kann, wurde Buch I, Kap. VII, 3, S. 216 / 206 ff. 1*), am Beispiel von N. W. Senior gezeigt. 2) Wir wissen in der Tat bereits, da der Mehrwert blo Folge der Wertvernderung ist, die mit v, dem in Arbeitskraft umgesetzten Kapitalteil, vorgeht, da also v + m = v + delta v (v plus Inkre- ment von v) ist. Aber die wirkliche Wertvernderung und das Ver- hltnis, worin sich der Wert ndert, werden dadurch verdunkelt, da infolge des Wachstums seines variierenden Bestandteils auch das vorgeschone Gesamtkapital wchst. Es war 500 und es wird 590." (Buch I, Kap. VII, 1, S.203/195 2*).) ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 237-243 - 2*) ebenda, S. 228 #45# 1. Kapitel - Kostprei, und Profit ----- 20 Pfd. St. fr Verschlei in den Wert der Ware eingehn, plus 480 Pfd. St. zirkulierendes Kapital in Produktionsstoffen und Ar- beitslohn. Nach dem Produktionsproze haben wir 1180 Pfd.St. als Wertbestandteil des produktiven Kapitals plus einem Warenkapital von 600 Pfd.St. Addieren wir diese beiden Wertsummen, so besitzt der Kapitalist jetzt einen Wert von 1780 Pfd.St. Zieht er davon das vorgeschone Gesamtkapital von 1680 Pfd.St. ab, so bleibt ein Wertzuwachs von 100 Pfd.St. Die 100 Pfd.St. Mehrwert bilden also ebensosehr einen Wertzuwachs zu dem angewandten Kapital von 1680 Pfd.St., wie zu dem whrend der Produktion verausgabten Bruch- stck desselben von 500 Pfd.St. Es ist dem Kapitalisten nun klar, da dieser Wertzuwachs aus den produktiven Vorgngen entspringt die mit dem Kapital vorgenommen werden, da er also aus dem Kapital selbst entspringt; denn nach dem Produktionsproze ist er da, und vor dem Produktionsproze war er nicht da. Was zunchst das in der Produktion verausgabte Kapital betrifft, so scheint der Mehrwert gleichmig aus dessen verschiednen, in Produktionsmitteln und Arbeit bestehenden Werte- lementen zu entspringen. Denn diese Elemente gehn gleichmig in die Bildung des Kostpreises ein. Sie setzen gleichmig ihre als Kapitalvorschsse vorhandnen Werte dem Produktenwert zu und un- terscheiden sich nicht als konstante und variable Wertgren. Dies wird handgreiflich, wenn wir einen Augenblick unterstellen alles verausgabte Kapital bestehe entweder ausschlielich aus Ar- beitslohn oder ausschlielich aus dem Wert von Produktionsmit- teln. Wir htten dann im ersten Fall statt des Warenwerts 400c + 100v + 100m den Warenwert 500v + 100m. Das in Arbeitslohn ausge- legte Kapital von 500 Pfd.St. ist der Wert aller in der Produk- tion des Warenwerts von 600 Pfd.St. aufgewandten Arbeit und bil- det ebendaher den Kostpreis des ganzen Produkts. Die Bildung die- ses Kostpreises, wodurch der Wert des verausgabten Kapitals als Wertbestandteil des Produkts wiedererscheint, ist aber der ein- zige uns bekannte Vorgang in der Bildung dieses Warenwerts. Wie sein Mehrwertsbestandteil von 100 Pfd.St. entspringt, wissen wir nicht. Ganz ebenso im zweiten Fall, wo der Warenwert = 500c + 100m wre. In beiden Fllen wissen wir, da der Mehrwert aus ei- nem gegebnen Wert entspringt, weil dieser Wert in der Form von produktivem Kapital vorgeschossen wurde, gleichgltig ob in der Form von Arbeit oder in der Form von Produktionsmitteln. Andrer- seits aber kann der vorgeschone Kapitalwert den Mehrwert nicht aus dem Grunde bilden, weil er verausgabt worden ist, und daher den Kostpreis der Ware bildet. Denn gerade soweit er den Kost- preis der Ware bildet, bildet er keinen Mehrwert, sondern nur ein quivalent, einen Ersatzwert des verausgabten #46# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Kapitals. Soweit er also Mehrwert bildet, bildet er ihn nicht in seiner spezifischen Eigenschaft als verausgabtes, sondern als vorgeschones und daher angewandtes Kapital berhaupt. Der Mehr- wert entspringt daher ebensosehr aus dem Teil des vorgeschonen Kapitals, der in den Kostpreis der Ware eingeht, wie aus dem Teil desselben, der nicht in den Kostpreis eingeht; in einem Wort: gleichmig aus den fixen und zirkulierenden Bestandteilen des angewandten Kapitals. Das Gesamtkapital dient stofflich als Pro- duktbildner, die Arbeitsmittel sowohl wie die Produktionsstoffe und die Arbeit. Das Gesamtkapital geht stofflich in den wirkli- chen Arbeitsproze ein, wenn auch nur ein Teil desselben in den Verwertungsproze eingeht. Dies ist vielleicht eben der Grund, da es nur teilweis zur Bildung des Kostpreises, aber ganz zur Bildung des Mehrwerts beitrgt. Wie dem auch sei, das Fazit bleibt, da der Mehrwert gleichzeitig aus allen Teilen des ange- wandten Kapitals entspringt. Die Deduktion kann noch sehr abge- krzt werden, wenn man mit Malthus ebenso derb wie einfach sagt: "Der Kapitalist e r w a r t e t gleichen Vorteil auf alle Teile des Kapitals, die er vorstreckt." 3) Als solcher vorgestellter Abkmmling des vorgeschonen Gesamtka- pitals erhlt der Mehrwert die verwandelte Form des P r o f i t s. Eine Wertsumme ist daher Kapital, weil sie ausge- legt wird, um einen Profit zu erzeugen 4), oder der Profit kommt heraus, weil eine Wertsumme als Kapital angewandt wird. Nennen wir den Profit p, so verwandelt sich die Formel W = c + v + m = k + m in die Formel W = k + p oder Warenwert Kostpreis + Profit. Der Profit, wie wir ihn hier zunchst vor uns haben, ist also dasselbe, was der Mehrwert ist, nur in einer mystifizierten Form, die jedoch mit Notwendigkeit aus der kapitalistischen Produkti- onsweise herauswchst. Weil in der scheinbaren Bildung des Kost- preises kein Unterschied zwischen konstantem und variablem Kapi- tal zu erkennen ist, mu der Ursprung der Wertvernderung, die whrend des Produktionsprozesses sich ereignet, von dem variablen Kapitalteil in das Gesamtkapital verlegt werden. Weil auf dem einen Pol der Preis der Arbeitskraft in der verwandelten Form von Arbeitslohn, erscheint auf dem Gegenpol der Mehrwert in der ver- wandelten Form von Profit. --- 3) Malthus, "Principles of Pol. Econ.", 2nd edit., London 1836, p. 268. 4) "Capital: that which is expended with a view to profit." Malthus, "Definitions in Pol. Econ.", London 1827, p. 86. #47# 1. Kapitel - Kostpreis und Profit ----- Wir haben gesehn: Der Kostpreis der Ware ist kleiner als ihr Wert. Da W = k + m, ist k = W - m. Die Formel W = k + m reduziert sich nur auf W = k, Warenwert = Kostpreis der Ware, wenn m = 0, ein Fall, der auf Grundlage der kapitalistischen Produktion nie- mals eintritt, obgleich unter besondren Marktkonjunkturen der Verkaufspreis der Waren auf oder selbst unter ihren Kostpreis sinken mag. Wird die Ware daher zu ihrem Wert verkauft, so wird ein Profit realisiert, der gleich dem berschu ihres Werts ber ihren Kost- preis ist, also gleich dem ganzen im Warenwert steckenden Mehr- wert. Aber der Kapitalist kann die Ware mit Profit verkaufen, ob- gleich er sie unter ihrem Wert verkauft. Solange ihr Verkaufs- preis ber ihrem Kostpreis, wenn auch unter ihrem Wert steht, wird stets ein Teil des in ihr enthaltenen Mehrwerts realisiert, also stets ein Profit gemacht. In unserm Beispiel ist der Waren- wert = 600 Pfd.St., der Kostpreis = 500 Pfd.St. Wird die Ware zu 510, 520, 530, 560, 590 Pfd.St. verkauft, so wird sie respektive zu 90, 80, 70, 40, 10 Pfd.St. unter ihrem Wert verkauft und den- noch ein Profit von je 10, 20, 30, 60, 90 Pfd.St. aus ihrem Ver- kauf herausgeschlagen. Zwischen dem Wert der Ware und ihrem Kost- preis ist offenbar eine unbestimmte Reihe von Verkaufspreisen mglich. Je grer das aus Mehrwert bestehende Element des Waren- werts, desto grer der praktische Spielraum dieser Zwischen- preise. Hieraus erklren sich nicht nur alltgliche Erscheinungen der Konkurrenz, wie z.B. gewisse Flle des Unterverkaufs (underselling), anormale Niedrigkeit der Warenpreise in bestimm- ten Industriezweigen 5) etc. Das bisher von der politischen ko- nomie unbegriffne Grundgesetz der kapitalistischen Konkurrenz, das Gesetz, welches die allgemeine Profitrate und die durch sie bestimmten sog. Produktionspreise regelt, beruht, wie man spter sehn wird, auf dieser Differenz zwischen Wert und Kostpreis der Ware und der daher entspringenden Mglichkeit, die Ware mit Pro- fit unter ihrem Wert zu verkaufen. Die Minimalgrenze des Verkaufspreises der Ware ist gegeben durch ihren Kostpreis. Wird sie unter ihrem Kostpreis verkauft, so kn- nen die verausgabten Bestandteile des produktiven Kapitals nicht vllig aus dem Verkaufspreis ersetzt werden. Dauert dieser Proze fort, so verschwindet der vorgeschone Kapitalwert. Schon von diesem Gesichtspunkt aus ist der Kapitalist geneigt, den Kost- preis fr den eigentlichen i n n e r e n Wert der --- 5) Vgl. Buch I, Kap. XVIII, p. 571/561 ff. 1*) ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 571-573 #48# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Ware zu halten, weil er der zur bloen Erhaltung seines Kapitals notwendige Preis ist. Es kommt aber hinzu, da der Kostpreis der Ware der Kaufpreis ist, den der Kapitalist selbst fr ihre Pro- duktion gezahlt hat, also der durch ihren Produktionsproze selbst bestimmte Kaufpreis. Der beim Verkauf der Ware realisierte Wertberschu oder Mehrwert erscheint dem Kapitalisten daher als berschu ihres Verkaufspreises ber ihren Wert, statt als ber- schu ihres Werts ber ihren Kostpreis, so da der in der Ware steckende Mehrwert sich nicht durch ihren Verkauf realisiert, sondern aus dem Verkauf selbst entspringt. Wir haben diese Illu- sion bereits nher beleuchtet in Buch I, Kap. IV, 2 (Widersprche der allgemeinen Formel des Kapitals), kehren hier aber einen Au- genblick zu der Form zurck, worin sie als Fortschritt der poli- tischen konomie ber Ricardo hinaus von Torrens u.a. wieder gel- tend gemacht wurde. "Der natrliche Preis, der aus der Produktionskost besteht oder in andren Worten aus der Kapitalauslage in der Produktion oder Fabrikation von Ware, kann unmglich den Profit einschlieen... Wenn ein Pchter im Anbau seiner Felder 100 Quarter Korn auslegt und dafr 120 Quarters wiedererhlt, bilden die 20 Quarter, als berschu des Produkts ber die Auslage, seinen Profit; aber es wre absurd, diesen berschu oder Profit einen Teil seiner Aus- lage zu nennen... Der Fabrikant legt eine gewisse Quantitt von Rohstoffen, Werkzeugen und Subsistenzmitteln fr Arbeit aus, und erhlt dagegen eine Quantitt fertiger Ware. Diese fertige Ware mu einen hohem Tauschwert besitzen als die Rohstofie, Werkzeuge und Subsistenzmittel, durch deren Vorschu sie erworben wurden." Daher schliet Torrens, der berschu des Verkaufspreises ber den Kostpreis oder der Profit entspringe daher, da die Konsumen- ten "durch unmittelbaren oder vermittelten (circultous) Austausch eine gewisse grre Portion aller Ingredienzien des Kapitals ge- ben, als deren Produktion kostet" 6). In der Tat, der berschu ber eine gegebne Gre kann keinen Teil dieser Gre bilden, also kann auch der Profit, der ber- schu des Warenwerts ber die Auslagen des Kapitalisten, keinen Teil dieser Auslagen bilden. Geht also in die Wertbildung der Ware kein andres Element ein als der Wertvorschu des Kapitali- sten, so ist nicht abzusehn, wie aus der Produktion mehr Wert herauskommen soll als in sie einging, oder es werde etwas aus Nichts. Dieser Schpfung aus Nichts entrinnt Torrens jedoch nur, indem er sie aus der Sphre der Warenproduktion in die Sphre der Warenzirkulation verlegt. Der Profit kann nicht aus der Produk- tion herkommen, sagt Torrens, denn sonst wre er schon in den Ko- sten der Produktion --- 1*) R. Tortens, "An Essay on the Production of Wealth", London 1821, p. 51-53, 349. #49# 1. Kapitel - Kostpreis und Profit ----- enthalten, also kein berschu ber diese Kosten. Der Profit kann nicht aus dem Warenaustausch herkommen, antwortet ihm Ramsay [7], wenn er nicht bereits vor dem Warenaustausch vorhanden war. Die Wertsumme der ausgetauschten Produkte ndert sich offenbar nicht durch den Austausch der Produkte, deren Wertsumme sie ist. Sie bleibt dieselbe nach wie vor dem Austausch. Es sei hier bemerkt, da Malthus sich ausdrcklich auf die Autoritt von Torrens be- ruft 7), obgleich er selbst den Verkauf der Waren ber ihren Wert anders entwickelt oder vielmehr nicht entwickelt, da alle Argu- mente dieser Art, der Sache nach, unfehlbar auf das seinerzeit vielberhmte negative Gewicht des Phlogiston [8] hinauslaufen. Innerhalb eines durch die kapitalistische Produktion beherrschten Gesellschaftszustandes ist auch der nichtkapitalistische Produ- zent durch die kapitalistischen Vorstellungen beherrscht. In sei- nem letzten Roman, den "Paysans", stellt Balzac, berhaupt ausge- zeichnet durch tiefe Auffassung der realen Verhltnisse, treffend dar, wie der kleine Bauer, um das Wohlwollen seines Wucherers zu bewahren, diesem allerlei Arbeiten umsonst leistet und ihm damit nichts zu schenken glaubt, weil seine eigne Arbeit ihm selbst keine bare Auslage kostet. Der Wucherer seinerseits schlgt so zwei Fliegen mit einer Klappe. Er erspart bare Auslage von Ar- beitslohn und verstrickt den Bauer, den die Entziehung der Arbeit vom eignen Feld fortschreitend ruiniert, tiefer und tiefer in das Fangnetz der Wucherspinne. Die gedankenlose Vorstellung, da der Kostpreis der Ware ihren wirklichen Wert ausmacht, der Mehrwert aber aus dem Verkauf der Ware ber ihren Wert entspringt, da die Waren also zu ihren Wer- ten verkauft werden, wenn ihr Verkaufspreis gleich ihrem Kost- preis, d.h. gleich dem Preis der in ihnen aufgezehrten Produkti- onsmittel plus Arbeitslohn, ist von Proudhon mit gewohnter, sich wissenschaftlich spreizender Scharlatanerie als neu entdecktes Geheimnis des Sozialismus ausposaunt worden. Diese Reduktion des Werts der Waren auf ihren Kostpreis bildet in der Tat die Grund- lage seiner Volksbank [9]. Es ward frher auseinandergesetzt, da sich die verschiednen Wertbestandteile des Produkts in proportio- nellen Teilen des Produkts selbst darstellen lassen. Betrgt z.B. (Buch I, Kap. VII, 2, S. 211 / 203 1*)) der Wert von 20 Pfund Garn 30 sh. - nmlich 24 sh. Produktionsmittel, 3 sh. Arbeits- kraft und 3 sh. Mehrwert - so ist dieser Mehrwert darstellbar in 1/10 des Produkts = 2 Pfund Garn. Werden die 20 Pfund Garn --- 7) Malthus, "Definitions in Pol. Econ.", London 1853, p. 70, 71. ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 234/235 50 #50# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- nun zu ihrem Kostpreis verkauft, zu 27 sh., so erhlt der Kufer 2 Pfund Garn umsonst, oder die Ware ist um 1/10 unter ihrem Wert verkauft, aber der Arbeiter hat nach wie vor seine Mehrarbeit geleistet, nur fr den Kufer des Garns, statt fr den kapitali- stischen Gamproduzenten. Es wre durchaus falsch, vorauszusetzen, da, wenn alle Waren zu ihren Kostpreisen verkauft wrden, das Resultat tatschlich dasselbe wre, als wenn sie sich alle ber ihren Kostpreisen, aber zu ihren Werten verkauften. Denn selbst wenn Wert der Arbeitskraft, Lnge des Arbeitstags und Exploitati- onsgrad der Arbeit beralt gleichgesetzt werden, so sind doch die in den Werten der verschiednen Warenarten enthaltnen Massen von Mehrwert durchaus ungleich, je nach der verschiednen organischen Zusammensetzung der zu ihrer Produktion vorgeschonen Kapitale. 8) --- 8) "Die von verschiednen Kapitalen produzierten Massen von Wert und Mehrwert verhalten sich bei gegebnem Wert und gleich groem Exploitationsgrad der Arbeitskraft direkt wie die Gren der va- riahlen Bestandteile dieser Kapitale, d.h. ihrer in lebendige Ar- beitskraft umgesetzten Beeandteile." (Buch I, Kap. IX, S. 312/303 1*).) ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 325 #51# ----- ZWEITES KAPITEL Die Profitrate Die allgemeine Formel des Kapitals ist G-W-G': d.h. eine Wertsumme wird in Zirkulation geworfen, um eine grre Wertsumme aus ihr herauszuziehn. Der Proze, der diese grre Wertsumme er- zeugt, ist die kapitalistische Produktion; der Proze, der sie realisiert, ist die Zirkulation des Kapitals. Der Kapitalist pro- duziert die Ware nicht ihrer selbst wegen, nicht ihres Gebrauchs- werts oder seiner persnlichen Konsumtion wegen. Das Produkt, um das es sich in der Tat fr den Kapitalisten handelt, ist nicht das handgreifliche Produkt selbst, sondern der Wertberschu des Produkts ber den Wert des in ihm konsumierten Kapitals. Der Ka- pitalist schiet das Gesamtkapital vor ohne Rcksicht auf die verschiedne Rolle, die seine Bestandteile in der Prodtiktion des Mehrwerts spielen. Er schiet alle diese Bestandteile gleichmig vor, nicht nur um das vorgeschone Kapital zu reproduzieren, son- dern um einen Wertberschu ber dasselbe zu produzieren. Er kann den Wert des variablen Kapitals, den er vorschiet, nur in hhern Wert verwandeln durch seinen Austausch mit lebendiger Arbeit, durch Exploitation lebendiger Arbeit. Aber er kann die Arbeit nur exploitieren, indem er gleichzeitig die Bedingungen fr die Ver- wirklichung dieser Arbeit, Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstand, Maschinerie und Rohstoff vorschiet, d.h. indem er eine in seinem Besitz befindliche Wertsumme in die Form von Produktionsbedingun- gen verwandelt; wie er berhaupt nur Kapitalist ist, den Ex- ploitationsproze der Arbeit berhaupt nur vornehmen kann, weil er als Eigentmer der Arbeitsbedingungen dem Arbeiter als bloem Besitzer der Arbeitskraft gegenbersteht. Es hat sich schon fr- her, im ersten Buch 1*), gezeigt, da es grade der Besitz dieser Produktionsmittel durch die Nichtarbeiter ist, welcher die Arbei- ter in Lohnarbeiter, die Nichtarbeiter in Kapitalisten verwan- delt. ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 183, 742/743 #52# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Dem Kapitalisten ist es gleichgltig, die Sache so zu betrachten, da er das konstante Kapital vorschiet, um aus dem variablen Ge- winn zu schlagen, oder das variable verschiet, um das konstante zu verwerten; da er Geld in Arbeitslohn auslegt, um Maschinen und Rohmaterial hhern Wert zu geben, oder das Geld in Maschine- rie und Rohmaterial vorschiet, um die Arbeit exploitieren zu knnen. Obgleich nur der variable Teil des Kapitals Mehrwert schafft, so schafft er ihn unter der Bedingung, da auch die and- ren Teile vorgeschossen werden, die Produktionsbedingungen der Arbeit. Da der Kapitalist die Arbeit nur exploitieren kann durch Vorschu des konstanten Kapitals, da er das konstante Kapital nur verwerten kann durch Vorschu des variablen, so fallen ihm diese in der Vorstellung alle gleichmig zusammen, und dies um so mehr, als der wirkliche Grad seines Gewinns bestimmt ist nicht durch das Verhltnis zum variablen Kapital, sondern zum Gesamtka- pital, nicht durch die Rate des Mehrwerts, sondern durch die Rate des Profits, die, wie wir sehn werden, dieselbe bleiben und doch verschiedne Raten des Mehrwerts ausdrucken kann. Zu den Kosten des Produkts gehren alle seine Wertbestandteile, die der Kapitalist gezahlt, oder fr die er ein quivalent in die Produktion geworfen hat. Diese Kosten mssen ersetzt werden, da- mit das Kapital sich einfach erhalte oder in seiner ursprngli- chen Gre reproduziere. Der in der Ware enthaltne Wert ist gleich der Arbeitszeit, die ihre Herstellung kostet, und die Summe dieser Arbeit besteht aus bezahlter und unbezahlter. Die Kosten der Ware fr den Kapitali- sten bestehn dagegen nur aus dem Teil der in ihr vergegenstnd- lichten Arbeit, den er gezahlt hat. Die in der Ware enthaltne Mehrarbeit kostet dem Kapitalisten nichts, obgleich sie dem Ar- beiter, ganz so gut wie die bezahlte, Arbeit kostet, und obgleich sie, ganz so gut wie jene Wert schafft und als wertbildendes Ele- ment in die Ware eingeht. Der Profit des Kapitalisten kommt da- her, da er etwas zu verkaufen hat, das er nicht bezahlt hat. Der Mehrwert resp. Profit besteht gerade in dem berschu des Waren- werts ber ihren Kostpreis, d.h. in dem berschu der in der Ware enthaltnen Gesamtsumme von Arbeit ber die in ihr enthaltne be- zahlte Summe Arbeit. Der Mehrwert, woher er immer entspringe, ist sonach ein berschu ber das vorgeschone Gesamtkapital. Dieser berschu steht also in einem Verhltnis zum Gesamtkapital, das sich ausdrckt in dem Bruch wo m/C, wo C das Gesamtkapital bedeu- tet. So erhalten wir die P r o f i t r a t e m/C = m/(c+v), im Unterschiede von der Rate des Mehrwerts m/v. #53# 2. Kapitel - Die Profitrate ----- Die Rate des Mehrwerts gemessen am vatiablen Kapital heit Rate des Mehrwerts; die Rate des Mehrwerts gemessen am Gesamtkapital heit Profitrate. Es sind zwei verschiedne Messungen derselben Gre, die infolge der Verschiedenheit der Mastbe zugleich ver- schiedne Verhltnisse oder Beziehungen derselben Gre ausdrc- ken. Aus der Verwandlung der Mehrwertsrate in Profitrate ist die Ver- wandlung des Mehrwerts in Profit abzuleiten, nicht umgekehrt. Und in der Tat ist die Profitrate das, wovon historisch ausgegangen wird. Mehrwert und Rate des Mehrwerts sind, relativ, das Unsicht- bare und das zu erforschende Wesentliche, whrend Profitrate und daher die Form des Mehrwerts als Profit sich auf der Oberflche der Erscheinungen zeigen. Was den einzelnen Kapitalisten angeht, so ist klar, da das ein- zige, was ihn interessiert, das Verhltnis des Mehrwerts oder des Wertberschusses, wozu er seine Waren verkauft, zu dem fr die Produktion der Ware vorgeschonen Gesamtkapital ist; whrend ihn das bestimmte Verhltnis dieses berschusses zu, und sein innerer Zusammenhang mit den besondren Bestandteilen des Kapitals nicht nur nicht interessiert, sondern es sein Interesse ist, sich blauen Dunst ber dies bestimmte Verhltnis und diesen innern Zu- sammenhang vorzublasen. Obgleich der berschu des Werts der Ware ber ihren Kostpreis im unmittelbaren Produktionsproze entsteht, wird er erst realisiert im Zirkulationsproze, und erhlt um so leichter den Schein, aus dem Zirkulationsproze zu entspringen, als es in der Wirklich- keit, innerhalb der Konkurrenz, auf dem wirklichen Markt, von Marktverhltnissen abhngt, ob oder nicht, und zu welchem Grad, dieser berschu realisiert wird. Es bedarf hier keiner Errte- rung, da, wenn eine Ware ber oder unter ihrem Wert verkauft wird, nur eine andre Verteilung des Mehrwerts stattfindet, und da diese verschiedne Verteilung, das vernderte Verhltnis, worin verschiedne Personen sich in den Mehrwert teilen, weder an der Gre noch an der Natur des Mehrwerts irgend etwas ndert. Im tatschlichen Zirkulationsproze gehn nicht nur die Verwandlungen vor, die wir in Buch II betrachtet, sondern sie fallen zusammen mit der wirklichen Konkurrenz, mit Kauf und Verkauf der Waren ber oder unter ihrem Wert, so da fr den einzelnen Kapitalisten der von ihm selbst realisierte Mehrwert ebensosehr von der wech- selseitigen bervorteilung, wie von der direkten Exploitation der Arbeit abhngt. Im Zirkulationsproze tritt neben der Arbeitszeit die Zirkulati- onszeit in Wirksamkeit, die hiermit die Masse des in einem be- stimmten Zeitraum realisierbaren Mehrwerts beschrnkt. Es greifen noch andre, der Zirkulation #54# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- entspringende Momente in den unmittelbaren Produktionsproze be- stimmend ein. Beide, der unmittelbare Produktionsproze und der Zirkulationsproze, laufen bestndig ineinander, durchdringen sich und verflschen dadurch bestndig ihre charakteristischen Unterscheidungsmerkmale. Die Produktion des Mehrwerts wie des Werts berhaupt erhlt im Zirkulationsproze, wie frher gezeigt, neue Bestimmungen; das Kapital durchluft den Kreis seiner Ver- wandlungen; endlich tritt es sozusagen aus seinem innern organi- schen Leben in auswrtige Lebensverhltnisse, in Verhltnisse, wo nicht Kapital und Arbeit, sondern einerseits Kapital und Kapital, andrerseits die Individuen auch wieder einfach als Kufer und Verkufer sich gegenberstehn; Zirkulationszeit und Arbeitszeit durchkreuzen sich in ihrer Bahn und scheinen so beide gleichmig den Mehrwert zu bestimmen; die ursprngliche Form, worin sich Ka- pital und Lohnarbeit gegenberstehn, wird verkleidet durch Einmi- schung scheinbar davon unabhngiger Beziehungen; der Mehrwert selbst erscheint nicht als Produkt der Aneignung von Arbeitszeit, sondern als berschu des Verkaufspreises der Waren ber ihren Kostpreis, welcher letztre daher leicht als ihr eigentlicher Wert (valeur intrinsque) sich darstellt, so da der Profit als ber- schu des Verkaufspreises der Waren ber ihren immanenten Wert erscheint. Allerdings tritt whrend des unmittelbaren Produktionsprozesses die Natur des Mehrwerts fortwhrend in das Bewutsein des Kapita- listen, wie seine Gier nach fremder Arbeitszeit etc. uns schon bei Betrachtung des Mehrwerts zeigte. Allein: 1. Es ist der un- mittelbare Produktionsproze selbst nur ein verschwindendes Mo- ment, das bestndig in den Zirkulationsproze, wie dieser in je- nen bergeht, so da die im Produktionsproze klarer oder dunkler aufgedmmerte Ahnung von der Quelle des in ihm gemachten Gewinns, d.h. von der Natur des Mehrwerts, hchstens als ein gleichberech- tigtes Moment erscheint neben der Vorstellung, der realisierte berschu stamme aus der vom Produktionsproze unabhngigen, aus der Zirkulation selbst entspringenden, also dem Kapital unabhn- gig von seinem Verhltnis zur Arbeit angehrigen Bewegung. Werden diese Phnomene derzirkulation doch selbst von modernen konomen, wie Ramsey, Malthus, Senior, Tortens usw., direkt als Beweise an- gefhrt, da das Kapital in seiner blo dinglichen Existenz, un- abhngig von dem gesellschaftlichen Verhltnis zur Arbeit, worin es eben Kapital ist, ein selbstndiger Quell des Mehrwerts neben der Arbeit und unabhngig von der Arbeit sei. - 2. Unter der Ru- brik der Kosten, worunter der Arbeitslohn fllt, ebensogut wie der Preis von Rohstoff, Verschlei der Maschinerie etc., er- scheint Auspressung von unbezahlter Arbeit nur als Ersparung in der Zahlung eines der Artikel, der in #55# 2. Kapitel - Die Profitrate ----- die Kosten eingeht, nur als geringre Zahlung fr ein bestimmtes Quantum Arbeit; ganz wie ebenfalls gespart wird, wenn der Roh- stoff wohlfeiler eingekauft, oder der Verschlei der Maschinerie verringert wird. So verliert die Abpressung von Mehrarbeit ihren spezifischen Charakter; ihr spezj fisches Verhltnis zum Mehrwert wird verdunkelt; und dies wird sehr befrdert und erleichtert, wie Buch 1, Abschn. VI 1*) gezeigt, durch die Darstellung des Werts der Arbeitskraft in der Form des Arbeitslohns. Indem alle Teile des Kapitals gleichmig als Quelle des ber- schssigen Werts (Profits) erscheinen, wird das Kapitalverhltnis mystifiziert. Die Art, wie mittelst des bergangs durch die Profitrate der Mehrwert in die Form des Profits verwandelt wird, ist jedoch nur die Weiterentwicklung der schon whrend des Produktionsprozesses vorgehenden Verkehrung von Subjekt und Objekt. Schon hier sahen wir smtliche subjektiven Produktivkrfte der Arbeit sich als Produktivkrfte des Kapitals darstellen 2*). Einerseits wird der Wert, die vergangne Arbeit, die die lebendige beherrscht, im Ka- pitalisten personifiziert; andrerseits erscheint umgekehrt der Arbeiter als blo gegenstndliche Arbeitskraft, als Ware. Aus diesem verkehrten Verhltnis entspringt notwendig schon im einfa- chen Produktionsverhltnis selbst die entsprechende verkehrte Vorstellung, ein transportiertes Bewutsein, das durch die Ver- wandlungen und Modifikationen des eigentlichen Zirkulationspro- zesses weiterentwickelt wird. Es ist, wie man bei der Ricardeschen Schule studieren kann, ein ganz verkehrter Versuch, die Gesetze der Profitrate unmittelbar als Gesetze der Mehrwertsrate oder umgekehrt darstellen zu wol- len. In dem Kopf des Kapitalisten unterscheiden sie sich natr- lich nicht. In dem Ausdruck m/C ist der Mehrwert gemessen am Wert des Gesamtkapitals, das zu seiner Produktion vorgeschossen und in dieser Produktion teilweise ganz konsumiert, teilweise nur ange- wandt worden ist. In der Tat drckt das Verhltnis m/C den Ver- wertungsgrad des ganzen vorgeschonen Kapitals aus, d.h. dem be- grifflichen, innern Zusammenhang und der Natur des Mehrwerts ent- sprechend gefat, es zeigt an, wie sich die Gre der Variation des variablen Kapitals zur Gre des vorgeschonen Gesamtkapitals verhlt. An und fr sich steht die Wertgre des Gesamtkapitals in keinem innern Verhltnis zur Gre des Mehrwerts, wenigstens nicht un- mittelbar. Seinen stofflichen Elementen nach besteht das Gesamt- kapital minus das variable Kapital, besteht also das konstante Kapital aus den stofflichen Bedingungen ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 557-564 - 2*) ebenda, S. 352/353 #56# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- zur Verwirklichung der Arbeit, Arbeitsmitteln und Arbeitsmate- rial. Damit ein bestimmtes Quantum Arbeit sich in Waren verwirk- licht, und daher auch Wert bildet, ist ein bestimmtes Quantum Ar- beitsmaterial und Arbeitsmittel erheischt. Es findet je nach dem besondern Charakter der zugesetzten Arbeit ein bestimmtes techni- sches Verhltnis statt zwischen der Masse der Arbeit und der Masse der Produktionsmittel, denen diese lebendige Arbeit zuge- setzt werden soll. Es findet also insofern auch ein bestimmtes Verhltnis statt zwischen der Masse des Mehrwerts oder der Mehr- arbeit und der Masse der Produktionsmittel. Wenn z.B. die notwen- dige Arbeit zur Produktion des Arbeitslohns 6 Stunden tglich be- trgt, mu der Arbeiter 12 Stunden arbeiten, um 6 Stunden Mehrar- beit zu tun, um einen Mehrwert von 100% zu erzeugen. Er ver- braucht in den 12 Stunden doppelt soviel Produktionsmittel wie in den 6. Aber deswegen steht der Mehrwert, den er in 6 Stunden zu- setzt, durchaus in keinem unmittelbaren Verhltnis zu dem Wert der in den 6 oder auch in den 12 Stunden vernutzten Produktions- mittel. Dieser Wert ist hier ganz gleichgltig; es kommt nur auf die technisch ntige Masse an. Ob der Rohstoff oder das Arbeits- mittel wohlfeil oder teuer, ist ganz gleichgltig; wenn es nur den erheischten Gebrauchswert besitzt und in der technisch vorge- schriebnen Proportion zu der zu absorbierenden lebendigen Arbeit vorhanden ist. Wei ich jedoch, da in einer Stunde x Pfund Baum- wolle versponnen werden und a Schillinge kosten, so wei ich na- trlich auch, da in 12 Stunden 12 x Pfund Baumwolle = 12 a Schillinge versponnen werden, und ich kann dann das Verhltnis des Mehrwerts zum Wert der 12 so gut wie zum Wert der 6 berech- nen. Aber das Verhltnis der lebendigen Arbeit zum W e r t der Produktionsmittel kommt hier nur herein, soweit a Schillinge als Name fr x Pfund Baumwolle dient; weil ein bestimmtes Quantum Baumwolle einen bestimmten Preis hat und daher auch umgekehrt ein bestimmter Preis als Index fr ein bestimmtes Quantum Baumwolle dienen kann, solange der Baumwollenpreis sich nicht ndert. Wenn ich wei, da ich, um 6 Stunden Mehrarbeit anzueignen, 12 Stunden arbeiten lassen, also Baumwolle fr 12 Stunden parat haben mu und den Preis dieses fr 12 Stunden erheischten Quantums Baum- wolle kenne, so existiert auf einem Umweg ein Verhltnis zwischen dem Preis der Baumwolle (als Index des notwendigen Quantums) und dem Mehrwert. Umgekehrt kann ich aber nie aus dem Preise des Rohmaterials schlieen auf die Masse des Rohmaterials, die z.B. in einer Stunde und nicht in 6 versponnen werden kann. Es findet also kein inneres, notwendiges Verhltnis statt zwischen dem Wert des konstanten Kapitals, also auch nicht zwischen dem Wert des Gesamtkapitals (=c+v) und dem Mehrwert. #57# 2. Kapitel - Die Profitrate ----- Wenn die Rate des Mehrwerts bekannt und seine Gre gegeben ist, drckt die Profitrate nichts andres aus als das, was sie in der Tat ist, eine andre Messung des Mehrwerts, seine Messung am Wert des Gesamtkapitals, statt an dem Wert des Kapitaltells, aus dem er durch dessen Austausch mit Arbeit direkt entspringt. Aber in der Wirklichkeit (d.h. in der Erscheinungswelt) verhlt sich die Sache umgekehrt. Der Mehrwert ist gegeben, aber gegeben als ber- schu des Verkaufspreises der Ware ber ihren Kostpreis; wobei es mysteris bleibt, woher dieser berschu stammt, aus der Ex- ploitation der Arbeit im Produktionsproze, aus der bervortei- lung der Kufer im Zirkulationsproze, oder aus beiden. Was fer- ner gegeben, ist das Verhltnis dieses berschusses zum Wert des Gesamtkapitals, oder die Profitrate. Die Berechnung dieses ber- schusses des Verkaufspreises ber den Kostpreis auf den Wert des vorgeschonen Gesamtkapitals ist sehr wichtig und natrlich, da hierdurch in der Tat die Verhltniszahl gefunden wird, worin sich das Gesamtkapital verwertet hat, oder sein Verwertungsgrad. Wird von dieser Profitrate ausgegangen, so ist also durchaus auf kein spezifisches Verhltnis zwischen dem berschu und dem in Ar- beitslohn ausgelegten Teil des Kapitals zu schlieen. Man wird in einem sptern Kapitel 1*) sehn, welche drollige Bocksprnge Malthus macht, wenn er auf diesem Weg hinter das Geheimnis des Mehrwerts und des spezifischen Verhltnisses desselben zum vari- ablen Teil des Kapitals durchzudringen sucht. Was die Profitrate als solche zeigt, ist vielmehr gleichmiges Verhalten des ber- schusses zu gleich groen Teilen des Kapitals, das von diesem Ge- sichtspunkt aus berhaupt keine inneren Unterschiede zeigt, auer dem zwischen fixem und zirkulierendem Kapital. Und diesen Unter- schied auch nur, weil der berschu doppelt berechnet wird. Nm- lich erstens als einfache Gre: berschu ber den Kostpreis. In dieser seiner ersten Form geht das ganze zirkulierende Kapital in den Kostpreis ein, whrend vom fixen Kapital nur der Verschlei in ihn eingeht. Ferner zweitens: das Verhltnis dieses Wertber- schusses zum Gesamtwert des vorgeschonen Kapitals. Hier geht der Wert des ganzen fixen Kapitals so gut wie der des zirkulierenden in die Rechnung ein. Das zirkulierende Kapital geht also beidemal in derselben Weise ein, whrend das fixe Kapital das eine Mal in einer verschiednen, das andre Mal in derselben Weise wie das zir- kulierende Kapital eingeht. So drngt sich der Unterschied zwi- schen zirkulierendern und fixem Kapital hier als der einzige auf. Der berschu also, wenn er, hegelisch gesprochen, sich aus der Profitrate ----- 1*) Siehe Band 26 unserer Ausgabe, 3. Teil. S. 25-28 #58# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- in sich zurckreflektiert, oder anders, der berschu, nher durch die Profitrate charakterisiert, erscheint als ein ber- schu, den das Kapital ber seinen eignen Wert hinaus jhrlich, oder in einer bestimmten Zirkulationsperiode, erzeugt. Obgleich daher die Profitrate von der Rate des Mehrwerts nume- risch verschieden ist, whrend Mehrwert und Profit in der Tat dasselbe und auch numerisch gleich sind, so ist der Profit jedoch eine verwandelte Form des Mehrwerts, eine Form, worin sein Ur- sprung und das Geheimnis seines Daseins verschleiert und ausge- lscht ist. In der Tat ist der Profit die Erscheinungsform des Mehrwerts, welcher letztre erst durch Analyse aus der erstern herausgeschlt werden mu. Im Mehrwert ist das Verhltnis zwi- schen Kapital und Arbeit blogelegt; im Verhltnis von Kapital und Profit, d.h. von Kapital und dem Mehrwert, wie er einerseits als im Zirkulationsproze realisierter berschu ber den Kost- preis der Ware, andrerseits als ein durch sein Verhltnis zum Ge- samtkapital nher bestimmter berschu erscheint, erscheint das Kapital als Verhltnis zu sich selbst, ein Verhltnis, worin es sich als ursprngliche Wertsumme von einem, von ihm selbst ge- setzten Neuwert unterscheidet. Da es diesen Neuwert whrend sei- ner Bewegung durch den Produktionsproze und den Zirkulationspro- ze erzeugt, dies ist im Bewutsein. Aber wie dies geschieht, das ist nun mystifiziert und scheint von ihm selbst zukommenden, ver- borgnen Qualitten herzustammen. Je weiter wir den Verwertungsproze des Kapitals verfolgen, um so mehr wird sich das Kapitalverhltnis mystifizieren, und um so we- niger das Geheimnis seines inneren Organismus blolegen. In diesem Abschnitt ist die Profitrate numerisch von der Rate des Mehrwerts verschieden; dagegen sind Profit und Mehrwert behandelt als dieselbe numerische Gre, nur in verschiedner Form. Im fol- genden Abschnitt werden wir sehn, wie die Veruerlichung weiter- geht und der Profit auch numerisch als eine vom Mehrwert ver- schiedne Gre sich darstellt. #59# ----- DRITTES KAPITEL Verhltnis der Profitrate zur Mehrwertsrate Wie am Schlu des vorigen Kapitels hervorgehoben, unterstellen wir hier, wie berhaupt in diesem ganzen ersten Abschnitt, da die Summe des Profits, die auf ein gegebnes Kapital fllt, gleich ist der gesamten Summe des vermittelst dieses Kapitals in einem gegebnen Zirkulationsabschnitt produzierten Mehrwerts. Wir sehn also einstweilen davon ab, da dieser Mehrwert einerseits sich spaltet in verschiedne Unterformen: Kapitalzins, Grundrente, Steuern etc., und da er andrerseits in der Mehrzahl der Flle sich keineswegs deckt mit dem Profit, wie er angeeignet wird kraft der allgemeinen Durchschnittsprofitrate, von der im zweiten Abschnitt die Rede sein wird. Soweit der Profit quantitativ dem Mehrwert gleichgesetzt wird, ist seine Gre, und die Gre der Profitrate, bestimmt durch die Verhltnisse einfacher, in jedem einzelnen Fall gegebner oder be- stimmbarer Zahlengren. Die Untersuchung bewegt sich also zunchst auf rein mathematischem Gebiet. Wir behalten die im ersten und zweiten Buch angewandten Bezeich- nungen bei. Das Gesamtkapital C teilt sich in das konstante Kapi- tal c und das variable Kapital v, und produziert einen Mehrwert m. Das Verhltnis dieses Mehrwerts zum vorgeschonen variablen Kapital, also m/v nennen wir die Rate des Mehrwerts und bezeich- nen sie mit m'. Es ist also m/v = m' und folglich m = m'v. Wird dieser Mehrwert, statt auf das variable Kapital, auf das Gesamt- kapital bezogen, so heit er Profit (p) und das Verhltnis des Mehrwerts m zum Gesamtkapital C, also m/C, heit die Pro- fitrate p'. Wir haben demnach: m m p' = - = ---, C c+v #60# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerft in Profit usw. ----- setzen wir fr in seinen oben gefundnen Wert m'v, so haben wir v v p' = m'- = m'---, C c+v welche Gleichung sich auch ausdrcken lt in der Proportion: p':m' = v:C; die Pirofitrate verhlt sich zur Mehrwertsrate wie das variable Kapital zum Gesamtkapital. Es folgt aus dieser Proportion, da p', die Profitrate stets kleiner ist als m, die Mehrwertsrate, weil v, das variable Kapi- tal, stets kleiner ist als C, die Summe von v+c, von variablem und konstantem Kapital; den einzigen, praktisch unmglichen Fall ausgenommen, wo v=C, wo also gar kein konstantes Kapital, kein Produktionsmittel, sondern nur Arbeitslohn vom Kapitalisten vor- geschossen wrde. Es kommen bei unsrer Untersuchung indes noch eine Reihe andrer Faktoren in Betracht, die auf die Gre von c, v und m bestimmend einwirken, und daher kurz zu erwhnen sind. Erstens der W e r t d e s G e l d e s. Diesen knnen wir berall als konstant annehmen. Zweitens der U m s c h l a g. Diesen Faktor lassen wir einst- weilen ganz auer Betracht, da sein Einflu auf die Profitrate in einem sptern Kapitel besonders behandelt wird. {Hier nehmen wir nur den einen Punkt vorweg, da die Formel p'=m'v/C streng rich- tig ist nur fr e i n e Umschlagsperiode des variablen Kapi- tals, da wir sie aber fr den Jahresumschlag richtig machen, in- dem wir statt m', der einfachen Rate des Mehrwerts, m'n, die Jah- resrate des Mehrwerts setzen; worin n die Anzahl der Umschlge des variablen Kapitals innerhalb eines Jahres ist (s. Buch II, Kap. XVI, I). F. E.}. Drittens kommt in Betracht die P r o d u k t i v i t t d e r A r b e i t, deren Einflu auf die Rate des Mehrwerts in Buch I, Abschnitt IV, ausfhrlich errtert worden ist. Sie kann aber auch noch einen direkten Einflu auf die Profitrate, wenigstens eines Einzelkapitals, ausben, wenn, wie Buch I, Kap. X, S. 323/314 1*) entwickelt, dies Einzelkapital mit grerer als der gesellschaft- lich-durchschnittlichen Produktivitt arbeitet, seine Produkte zu einem niedrigem Wert darstellt, als dem gesellschaftlichen Durch- schnittswert derselben Ware, und so einen Extraprofit realisiert. Dieser Fall bleibt hier aber noch unbercksichtigt, da wir auch in diesem Abschnitt noch von der Voraussetzung ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 335/336 #61# 3. Kapitel - Verhltnis der Profitrate zur Mehrwertrate ----- ausgehn, da die Waren unter gesellschaftlich-normalen Bedingun- gen produziert und zu ihren Werten verkauft werden. Wir gehn also in jedem einzelnen Fall von der Annahme aus, da die Produktivi- tt der Arbeit konstant bleibt. In der Tat drckt die Wertzusam- mensetzung des in einem Industriezweig angelegten Kapitals, also ein bestimmtes Verhltnis des variablen zum konstanten Kapital, jedesmal einen bestimmten Grad der Produktivitt der Arbeit aus. Sobald also dies Verhltnis anders als durch bloe Wertnderung der stofflichen Bestandteile des konstanten Kapitals, oder durch nderung des Arbeitslohns, eine Vernderung erfhrt, mu auch die Produktivitt der Arbeit eine nderung erlitten haben, und wir werden daher oft genug finden, da die mit den Faktoren c, v und in vorgehenden Vernderungen ebenfalls nderungen in der Produk- tivitt der Arbeit einschlieen. Dasselbe gilt von den noch brigen drei Faktoren: L n g e d e s A r b e i t s t a g s, I n t e n s i t t d e r A r b e i t u n d A r b e i t s l o h n. Ihr Einflu auf Masse und Rate des Mehrwerts ist im ersten Buch 1*) ausfhrlich entwic- kelt. Es ist also begreiflich, da, wenn wir auch zur Vereinfa- chung stets von der Voraussetzung ausgehn, da diese drei Fakto- ren konstant bleiben, dennoch die Vernderungen, die mit v und in vorgehn, ebenfalls Wechsel in der Gre dieser ihrer Bestimmungs- momente in sich schlieen knnen. Und da ist nur kurz daran zu erinnern, da der Arbeitslohn auf Gre des Mehrwerts und Hhe der Mehrwertsrate umgekehrt wirkt wie die Lnge des Arbeitstags und die Intensitt der Arbeit-, da Steigerung des Arbeitslohns den Mehrwert verringert, whrend Verlngerung des Arbeitstags und Erhhung der Intensitt der Arbeit ihn vermehren. Gesetzt z.B., ein Kapital von 100 produziere mit 20 Arbeitern bei zehnstndiger Arbeit und einem Gesamtwochenlohn von 20 einen Mehrwert von 20, so haben wir: 80c + 20v + 20m; m'= 100%, p' = 20%. Der Arbeitstag werde verlngert, ohne Lohnerhhung, auf 15 Stun- den; das Gesamtwertprodukt der 20 Arbeiter erhht sich dadurch von 40 auf 60 (10:15 = 40:60); da v, der gezahlte Arbeitslohn, derselbe bleibt, steigt der Mehrwert von 20 auf 40, und wir ha- ben: 80c + 20v + 40m; m' = 200%, p' = 40%. Wenn andrerseits, bei zehnstndiger Arbeit, der Lohn von 20 auf 12 fllt, so haben wir ein Gesamtwertprodukt von 40 wie anfangs, aber es verteilt ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 542-552 #62# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- sich anders; v sinkt auf 12 und lt daher den Rest von 28 fr m Wir haben also: 80v + 12v + 28m; m' = 233 1/3 %, p' = 28/92 = 30 10/23 %. Wir sehn also, da sowohl verlngerter Arbeitstag (oder desglei- chen gesteigerte Arbeitsintensitt) wie Senkung des Lohns die Masse und damit die Rate des Mehrwerts steigern; umgekehrt wrde erhhter Lohn bei sonst gleichen Umstnden die Rate des Mehrwerts herabdrcken. Wchst also v durch Lohnsteigerung, so drckt es nicht ein gesteigertes, sondern nur ein teurer bezahltes Arbeits- quantum aus; m' und p' steigen nicht, sondern fallen. Es zeigt sich hier schon, da nderungen in Arbeitstag, Ar- beitsintensitt und Arbeitslohn nicht eintreten knnen ohne gleichzeitige nderung in v und m und ihrem Verhltnis, also auch in p', dem Verhltnis von in zu c + v, dem Gesamtkapital; und ebenso ist es klar, da nderungen des Verhltnisses von in zu v ebenfalls Wechsel in mindestens einer der erwhnten drei Arbeits- bedingungen einschlieen. herin zeigt sich eben die besondre organische Beziehung des vari- ablen Kapitals zur Bewegung des Gesamtkapitals und seiner Verwer- tung, sowie sein Unterschied vom konstanten Kapital. Das kon- stante Kapital, soweit Wertbildung in Betracht kommt, ist nur wichtig wegen dem Wert, den es hat, wobei es ganz gleichgltig fr die Wertbildung ist, ob ein konstantes Kapital von 1500 Pfd.St. 1500 Tonnen Eisen sage zu 1 Pfd.St., oder 500 Tonnen Ei- sen zu 3 Pfd.St. vorstellt. Das Quantum der wirklichen Stoffe, das sein Wert darstellt, ist vollstndig gleichgltig fr die Wertbildung und fr die Rate des Profits, die in umgekehrter Richtung mit diesem Wert variiert, einerlei welches Verhltnis die Zu- oder Abnahme des Werts des konstanten Kapitals zur Masse der stofflichen Gebrauchswerte hat, die es darstellt. Ganz anders verhlt es sich mit dem variablen Kapital. Es ist nicht der Wert, den es hat, die Arbeit, die in ihm vergegenstnd- licht ist, worauf es zunchst ankommt, sondern dieser Wert als bloer Index der Gesamtarbeit, die es in Bewegung setzt, und die nicht in ihm ausgedruckt ist; der Gesamtarbeit, deren Unterschied von der in ihm selbst ausgedrckten und daher bezahlten Arbeit, deren Mehrwert bildender Teil eben um so grer ist, je kleiner die in ihm selbst enthaltne Arbeit. Ein Arbeitstag von 10 Stunden sei gleich zehn Schilling = zehn Mark. Ist die notwendige, den Arbeitslohn, also das variable Kapital ersetzende Arbeit = 5 Stunden = 5 Schill., so die Mehrarbeit = 5 Stunden und der Mehr- wert = 5 Schill., ist jene 4 Stunden #63# 3. Kapitel - Verhltnis der Profitrate zur Mehrwertsrate ----- 4 Schill., so die Mehrarbeit 6 Stunden und der Mehrwert = 6 Schilling. Sobald also die Wertgre des variablen Kapitals aufhrt, Index der von ihm in Bewegung gesetzten Arbeitsmasse zu sein, vielmehr das Ma dieses Index selbst sich ndert, wird die Rate des Mehr- werts in entgegengesetzter Richtung und in umgekehrtem Verhltnis mit gendert. Wir gehn jetzt dazu ber, die obige Gleichung der Profitrate p' = m'v/C auf die verschiednen mglichen Flle anzuwenden. Wir werden nacheinander die einzelnen Faktoren von m'v/C ihren Wert ndern lassen und die Wirkung dieser nderungen auf die Profitrate fest- stellen. Wir erhalten so verschiedne Reihen von Fllen, die wir entweder als sukzessive vernderte Wirkungsumstnde eines und desselben Kapitals ansehn knnen oder aber als verschiedne, gleichzeitig nebeneinander bestehende und zur Vergleichung heran- gezogne Kapitale, etwa in verschiednen Industriezweigen oder ver- schiednen Lndern. Wenn daher die Auffassung mancher unsrer Bei- spiele als zeitlich aufeinanderfolgender Zustnde eines und des- selben Kapitals gezwungen oder praktisch unmglich erscheint, so fllt dieser Einwand weg, sobald sie als Vergleichung unabhngi- ger Kapitale gefat werden. Wir trennen also das Produkt m'v/C in seine beiden Faktoren m' und v/C; wir behandeln zuerst m' als konstant und untersuchen die Wirkung der mglichen Variationen von v/C; wir setzen dann den Bruch v/C als konstant und lassen m' die mglichen Variationen durchmachen; endlich setzen wir smtliche Faktoren als variabel, und erschpfen damit die smtlichen Flle, aus denen sich Gesetze ber die Profitrate ableiten lassen. I. m' konstant, v/C variabel Fr diesen Fall, der mehrere Unterflle umfat, lt sich eine allgemeine Formel aufstellen. Haben wir zwei Kapitale C und C1 mit den respektiven variablen Bestandteilen v und v1, mit der beiden gemeinsamen Mehrwertsrate m', und den Profitraten p' und p', - so ist: p' = m'v/C; p'1 = m'v1/C1. Setzen wir nun C und C1, sowie v und v1 in Verhltnis zueinander, setzen wir z.B. den Wert des Bruchs C1/C = E, und den des Bruchs v1/v = e, #64# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- so ist C1 = EC, und v1 = ev. Indem wir nun in der obigen Glei- chung fr p'1, fr C1 und v1 die so gewonnenen Werte setzen, ha- ben wir: ev p'1 = m'--. EC1 Wir knnen aber noch eine zweite Formel aus obigen beiden Glei- chungen ableiten, indem wir sie in die Proportion verwandeln: p':p'1 = m'v/C : m'v1/C1 = v/C : v1/C1. Da der Wert eines Bruchs derselbe bleibt, wenn Zhler und Nenner mit derselben Zahl multipliziert oder dividiert werden, so knnen wir v/C und v1/C1 auf Prozentstze reduzieren, d.h. C und C1 beide = 100 setzen. Dann haben wir v/C = v/100 und v1/C = v1/100, und knnen in obiger Proportion die Nenner weglassen, und erhal- ten: p':p'1 = v:v1; oder: Bei zwei beliebigen Kapitalen, die mit gleicher Mehrwertsrate fungieren, verhalten sich die Profitraten wie die variablen Kapi- talteile, prozentig auf ihre respektiven Gesamtkapitale berech- net. Diese beiden Formen umfassen alle Flle der Variation von v/C. Ehe wir diese Flle einzeln untersuchen, noch eine Bemerkung. Da C die Summe von c und v, des konstanten und des variablen Kapitals, ist, und da die Mehrwertsrate wie die Profitrate gewhnlich in Prozenten ausgedrckt werden, so ist es berhaupt bequem, die Summe c + v ebenfalls gleich Hundert zu setzen, d.h. c und v pro- zentig auszudrcken. Es ist fr die Bestimmung zwar nicht der Masse, aber wohl der Rate des Profits einerlei, ob wir sagen: ein Kapital von 15 000, wovon 12 000 konstantes und 3000 variables Kapital, produziert einen Mehrwert von 3000; oder ob wir dies Ka- pital auf Prozente reduzieren: 15 000C = 12 000c + 3000v (+ 3000m) 100C= 80c + 20v (+ 20m). In beiden Fllen ist die Rate des Mehrwerts m' = 100%, die Pro- fitrate = 20%. Ebenso, wenn wir zwei Kapitale miteinander vergleichen, z. B. mit dem vorstehenden ein andres Kapital: 12 000C = 10 800c + 1200v (+ 1200m) 100C = 90c + 10v (+ 10m), #65# 3. Kapitel - Verhltnis der Profitrate zw Mehrwerurate ----- wo beidemal m'= 100%, p'= 10% ist, und wo die Vergleichung mit dem vorstehenden Kapital in der prozentigen Form weit bersicht- licher ist. Handelt es sich dagegen um Vernderungen, die an einem und dem- selben Kapital vorgehn, so ist die prozentige Form nur selten zu gebrauchen, weil sie diese Vernderungen fast immer verwischt. Geht ein Kapital von der prozentigen Form: 80c+ 20v + 20m ber in die prozentige Form: 90c +10v + 10m, so ist nicht ersichtlich, ob die vernderte prozentige Zusammen- setzung 90c + 10v entstanden ist durch absolute Abnahme von v oder absolute Zunahme von c, oder durch beides. Dazu mssen wir die absoluten Zahlengren haben. Fr die Untersuchung der nach- folgenden einzelnen Flle von Variation aber kommt alles darauf an, wie diese Vernderung zustande gekommen ist, ob die 80c + 20v zu 90c + 10v geworden sind dadurch, da meinetwegen die 12 000c + 3000v durch Vermehrung des konstanten Kapitals bei gleichbleiben- dem variablen sich verwandelt haben in 27 000c+ 3000v (prozentig 90c + 10v); oder ob sie diese Form angenommen haben, bei gleich- bleibendem konstantem Kapital durch Verringerung des variablen, also durch bergang in 12 000c + 1333 1/3v (prozentig ebenfalls 90c + 10v); oder endlich durch nderung beider Summanden, etwa 13 500c + 1500v (prozentig wieder 90c + 10v). Diese Flle werden wir aber gerade alle nacheinander zu untersuchen, und damit auf die Annehmlichkeiten der prozentigen Form zu verzichten, oder sie nur in zweiter Unie anzuwenden haben. 1. m' und C konstant, v variabel Wenn v seine Gre ndert, kann C nur unverndert bleiben da- durch, da der andre Bestandteil von C, nmlich das konstante Ka- pital c, seine Gre um dieselbe Summe, aber in entgegengesetzter Richtung, ndert wie v. Ist C ursprnglich = 80c + 20v = 100 und verringert sich dann v auf 10, so kann C nur = 100 bleiben, wenn c auf 90 steigt; 90c + 10v = 100. Allgemein gesprochen: verwan- delt sich v in v +- d, in v vermehrt oder vermindert um d, so mu c sich verwandeln in c -+ d, mu um dieselbe Summe, aber in ent- gegengesetzter Richtung, variieren, damit den Bedingungen des vorliegenden Falls gengt werde. Ebenfalls mu, bei gleichbleibender Mehrwertsrate m', aber wech- selndem variablem Kapital v, die Masse des Mehrwerts in sich n- dern, da m = m'v und in m'v der eine Faktor, v, einen andem Wert erhlt. #66# I. Abschnitt - Verwandlung des Mehrwerts in Profit usw. ----- Die Voraussetzungen unsres Falls ergeben neben der ursprnglichen Gleichung p' = m'v/C durch Variation von v die zweite: p#1 = m'v1/C, worin v in v1 bergegangen, und p'1 die daraus folgende vern- derte Profitrate, zu finden ist. Sie wird gefunden durch die entsprechende Proportion: p:p'1 = m'v/C : m'v1/C = v:v1. Oder: bei gleichbleibender Mehrwertsrate und gleichbleibendem Ge- samtkapital verhlt sich die ursprngliche Profittate zu der durch nderung des variablen Kapitals entstandnen wie das ur- sprngliche variable Kapital zum vernderten. War das Kapital ursprnglich wie oben: I. 15 000C = 12 000c + 3000v (+ 3000m); und ist es jetzt: II. 15 000C = 13 000c + 2000v (+ 2000m); so ist C = 15 000 und m'= 100% in beiden Fllen, und die Profitrate von I, 20%. verhlt sich zu der von II, 13 1/3 %, wie das variable Kapital von I, 3000, zu dem von II, 2000, also 20%: 13 1/3% = 3000:2000. Das variable Kapital kann nun entweder steigen oder fallen. Neh- men wir zuerst ein Beispiel, worin es steigt. Ein Kapital sei ur- sprnglich konstituiert und fungiere wie folgt: I. 100c + 20v + 10m; C = 120, m' = 50%, p' = 8 1/3 %. Das variable Kapital steige nun auf 30; dann mu nach der Voraus- setzung das konstante Kapital von 100 auf 90 fallen, damit das Gesamtkapital unverndert = 120 bleibe. Der produzierte Mehrwert mu, bei gleicher Mehrwertsrate von 50%, auf 15 steigen. Wir ha- ben also: II. 90c + 30v + 15m; C = 120, m' = 50%, p' = 12 1/2 %. Gehn wir zunchst von der Annahme aus, da der Arbeitslohn unver- ndert sei. Dann mssen die andern Faktoren der Mehrwertsrate, Arbeitstag und Arbeitsintensitt, ebenfalls gleichgeblieben sein. Die Steigerung von v (von 20 auf 30) kann also nur den Sinn ha- ben, da die Hlfte mehr Arbeiter angewandt werden. Dann steigt auch das Gesamtwertprodukt um die Hlfte, von 30 auf 45, und ver- teilt sich, ganz wie vorher, zu 2/3 auf Arbeitslohn und 1/3 auf Mehrwert. Gleichzeitig aber ist bei vermehrter #67# 3. Kapitel - Verhltnis der Profitrate zur Mehrwertsrate ----- Arbeiteranzahl das konstante Kapital, der Wert der Produktions- mittel, von 100 auf 90 gefallen. Wir haben also vor uns einen Fall von abnehmender Produktivitt der Arbeit, verbunden mit gleichzeitiger Abnahme des kori, stanten Kapitals; ist dieser Fall konomisch mglich? In der Agrikultur und extraktiven Industrie, wo Abnahme der Pro- duktivitt der Arbeit und daher Zunahme der beschftigten Arbei- terzahl leicht zu begreifen, ist dieser Proze - innerhalb der Schranken der kapitalistischen Produktion und auf deren Basis - verbunden nicht mit Abnahme, sondern mit Zunahme des konstanten Kapitals. Selbst wenn die obige Abnahme von c durch bloen Preis- fall bedingt wre, wrde ein einzelnes Kapital den bergang von I zu II nur unter ganz ausnahmsweisen Umstnden vollziehn knnen. Bei zwei unabhngigen Kapitalen aber, die in verschiednen Lndern oder in verschiednen Zweigen der Agrikultur oder extraktiven In- dustrie angelegt, wre es nichts Auffallendes, wenn in dem einen Fall mehr Arbeiter (daher greres variables Kapital) angewandt wrden und mit minder wertvollen oder sprlicheren Produktions- mitteln arbeiteten als im andern Fall. Lassen wir aber die Voraussetzung fallen, da der Arbeitslohn sich gleichbleibt, und erklren wir die Steigerung des variablen Kapitals von 20 auf 30 durch Erhhung des Arbeitslohns um die Hlfte, so tritt ein ganz andrer Fall ein. Dieselbe Arbeiteranz- ahl - sagen wir 20 Arbeiter - arbeitet mit denselben oder nur un- bedeutend verringerten Produktionsmitteln weiter. Bleibt der Ar- beitstag unverndert - z.B. auf 10 Stunden so ist das Gesamtwert- produkt ebenfalls unverndert; es ist nach wie vor 30. Diese 30 werden aber smtlich gebraucht, um das vorgeschone variable Ka- pital von 30 zu ersetzen; der Mehrwert wre verschwunden. Es war aber vorausgesetzt, da die Mehrwertsrate konstant, also wie in I auf 50% stehnbliebe. Dies ist nur mglich, wenn der Arbeitstag um die Hlfte verlngert, auf 15 Stunden erhht wird. Die 20 Arbei- ter produzierten dann in 15 Stunden einen Gesamtwert von 45, und die smtlichen Bedingungen wren erfllt: II. 90c +30v + 15m; C = 120, m' = 50%, p' = 12 1/2 %. In diesem Fall brauchen die 20 Arbeiter nicht mehr Arb