#7# ----- Vorwort Das zweite Buch des "Kapital" druckfertig herzustellen, und zwar so, daá es einerseits als zusammenh„ngendes und m”glichst abge- schloánes Werk, andrerseits aber auch als das ausschlieáliche Werk des Verfassers, nicht des Herausgebers dastand, war keine leichte Arbeit. Die groáe Zahl der vorhandnen, meist fragmentari- schen Bearbeitungen erschwerte die Aufgabe. H”chstens eine ein- zige (Manuskript IV) war, soweit sie ging, durch weg fr den Druck redigiert; dafr aber auch der gr”áte Teil durch Redaktio- nen aus sp„terer Zeit veraltet. Die Hauptmasse des Materials war, wenn auch gr”átenteils sachlich, so doch nicht sprachlich fertig ausgearbeitet; abgefaát in der Sprache, worin Marx seine Auszge anzufertigen pflegte: nachl„ssiger Stil, famili„re, oft derbhumo- ristische Ausdrcke und Wendungen, englische und franz”sische technische Bezeichnungen, oft ganze S„tze und selbst Seiten eng- lisch; es ist Niederschrift der Gedanken in der Form, wie sie sich jedesmal im Kopf des Verfassers entwickelten. Neben einzel- nen, ausfhrlich dargestellten Partien andre, gleich wichtige nur angedeutet; das Material illustrierender Tatsachen gesammelt, aber kaum gruppiert, geschweige verarbeitet; am Schluá der Kapi- tel, unter dem Drang zum n„chsten zu kommen, oft nur ein paar ab- geriáne S„tze als Marksteine der hier unvollendet gelaánen Ent- wicklung; endlich die bekannte, dem Verfasser selbst manchmal un- leserliche Handschrift. Ich habe mich damit begngt, die Manuskripte so w”rtlich wie m”g- lich wiederzugeben, am Stil nur das zu „ndern, was Marx selbst ge„ndert haben wrde, und nur da erl„uternde Zwischens„tze und šberg„nge einzuschieben, wo dies absolut n”tig und der Sinn oben- drein ganz unzweifelhaft war. S„tze, deren Deutung nur im ent- ferntesten Zweifel zulieá, sind lieber ganz w”rtlich abgedruckt worden. Die von mir herrhrenden Umarbeitungen und Einschlebungen betragen im ganzen noch keine zehn Druckseiten und sind nur for- meller Natur. #8# Vorwort ----- Die bloáe Aufz„hlung des von hinterlaánen handschriftlichen Mate- rials zu Buch II beweist, mit welcher Gewissenhaftigkeit ohne- gleichen, mit welcher strengen Selbstkritik er seine groáen ”ko- nomischen Entdeckungen bis zur „uáersten Vollendung auszuarbeiten strebte, ehe er sie ver”ffentlichte; eine Selbstkritik, die ihn nur selten dazu kommen lieá, die Darstellung nach Inhalt und Form seinem stets durch neue Studien sich erweiternden Gesichtskreis anzupassen. Dies Material besteht nun aus folgendem. Zuerst ein Manuskript "Zur Kritik der politischen Oekonomie", 1472 Quartseiten in 23 Heften, geschrieben August 1861 bis Juni 1863. Es ist die Fortsetzung des 1859 in Berlin erschienenen er- sten Hefts 1*) desselben Titels. Es behandelt auf Seite 1-220 (Heft I-IV) und dann wieder auf Seite 1159-1472 (Heft XIX-XXIII) die in Buch I des "Kapital" untersuchten Themata, von der Ver- wandlung von Geld in Kapital bis zum Schluá, und ist die erste vorhandne Redaktion dafr. Die Seiten 973-1158 (Heft XVI bis XVIII) handeln von: Kapital und Profit, Profitrate, Kaufmannska- pital und Geldkapital, also von Thematen, die sp„ter im Manu- skript zu Buch III entwickelt sind. Die in Buch II sowie sehr viele sp„ter in Buch III behandelten Themata sind dagegen noch nicht besonders zusammengestellt. Sie werden nebenbei behandelt, namentlich in dem Abschnitt, der den Hauptk”rper des Manuskripts ausmacht: Seite 220-972 (Heft VI-XV): Theorien ber den Mehrwert. Dieser Abschnitt enth„lt eine ausfhrhche kritische Geschichte des Kernpunkts der politischen ™konomie, der Mehrwertstheorie, und entwickelt daneben, in polemischem Gegensatz zu den Vorg„n- gern, die meisten der sp„ter im Manuskript zu Buch II und III be- sonders und in logischem Zusammenhang untersuchten Punkte. Ich behalte mir vor, den kritischen Teil dieses Manuskripts, nach Be- seitigung der zahlreichen durch Buch II und III bereits erledig- ten Stellen, als Buch IV des "Kapitals" zu ver”ffentlichen. [1] So wertvoll dies Manuskript, so wenig war es fr die gegenw„rtige Ausgabe des Buch II zu benutzen. Das dem Datum nach jetzt folgende Manuskript ist das von Buch III. Es ist wenigstens gr”átenteils 1864 und 1865 geschrieben. Erst nachdem dies im wesentlichen fertig, ging Marx an die Ausar- beitung von Buch I, des 1867 gedruckten ersten Bandes. Dies Manu- skript von Buch III bearbeite ich jetzt fr den Druck. Aus der n„chsten Periode - nach Erscheinen des Buch I - liegt vor fr Buch II eine Sammlung von vier Manuskripten in Folio, von Marx selbst I-IV numeriert. Davon ist Manuskript I (150 Seiten), vermutlich von 1865 ----- 1*) Siehe Band 13 unserer Ausgabe, S. 3-160 #11# Vorwort ----- oder 1867 datierend, erste selbst„ndige, aber mehr oder weniger fragmentarische Bearbeitung von Buch II in seiner gegenw„rtigen Einteilung. Auch hiervon war nichts benutzbar. Manuskript III be- steht teils aus einer Zusammenstellung von Zitaten und Hinweisen auf Marx' Auszugshefte - meist auf den ersten Abschnitt des Buch II bezglich -, teils aus Bearbeitungen einzelner Punkte, nament- lich der Kritik der A. Smithschen S„tze ber fixes und zirkulie- rendes Kapital und ber die Quelle des Profits; ferner eine Dar- stellung des Verh„ltnisses der Mehrwertsrate zur Profitrate, die in Buch III geh”rt. Die Hinweise lieferten wenig neue Ausbeute, die Ausarbeitungen waren sowohl fr Buch II wie Buch III durch sp„tere Redaktionen berholt, muáten also auch meist beiseitege- legt werden. - Manuskript IV ist eine druckfertige Bearbeitung des ersten, und der ersten Kapitel des zweiten Abschnitts von Buch II, und ist da, wo es an die Reihe kommt, auch benutzt wor- den. Obwohl sich herausstellte, daá es frher abgefaát ist als Manuskript II, so konnte es doch, weil vollendeter in der Form, fr den betreffenden Teil des Buchs mit Vorteil benutzt werden; es gengte, aus Manuskript II einige Zus„tze zu machen. - Dies letztre Manuskript ist die einzige einigermaáen fertig vorlie- gende Bearbeitung des Buch II und datiert von 1870. Die gleich zu erw„hnenden Notizen fr die schlieáliche Redaktion sagen aus- drcklich: "Die zweite Bearbeitung muá zugrunde gelegt werden." Nach 1870 trat wieder eine Pause ein, bedingt haupts„chlich durch Krankheitszust„nde. Wie gew”hnlich fllte Marx diese Zeit durch Studien aus; Agronomie, amerikanische und namentlich russische l„ndliche Verh„ltnisse, Geldmarkt und Bankwesen, endlich Natur- wissenschaften: Geologie und Physiologie, und namentlich selb- st„ndige mathematische Arbeiten bilden den Inhalt der zahlreichen Auszugshefte aus dieser Zeit. Anfang 1877 fhlte er sich soweit hergestellt, daá er wieder an seine eigentliche Arbeit gehn konnte. Von Ende M„rz 1877 datieren Hinweise und Notizen aus obi- gen vier Manuskripten als Grundlage einer Neubearbeitung von Buch II, deren Anfang in Manuskript V (56 Seiten Folio) vorliegt. Es umfaát die ersten vier Kapitel und ist noch wenig ausgearbeitet; wesentliche Punkte werden in Noten unter dem Text behandelt; der Stoff ist mehr gesammelt als gesichtet, aber es ist die letzte vollst„ndige Darstellung dieses wichtigsten Teils des ersten Ab- schnitts. - Ein erster Versuch, hieraus ein druckfertiges Manu- skript zu machen, liegt vor in Manuskript VI (nach Oktober 1977 und vor Juli 1878); nur 17 Quartseiten, den gr”áten Teil des er- sten Kapitels umfassend, ein zweiter - der letzte - in Manuskript VII, "2. Juli 1878", nur 7 Folioseiten. #12# Vorwort ----- Um diese Zeit scheint Marx sich darber klar geworden zu sein, daá ohne eine vollst„ndige Revolution seines Gesundheitszustandes er nie dahin kommen werde, eine ihm selbst gengende Bearbeitung des zweiten und dritten Buchs zu vollenden. In der Tat tragen die Manuskripte V-VIII die Spuren gewaltsamen Ankampfs gegen nieder- drckende Krankheitszust„nde nur zu oft an sich. Das schwierigste Stck des ersten Abschnitts war in Manuskript V neu bearbeitet; der Rest des ersten und der ganze zweite Abschnitt (mit Ausnahme des siebzehnten Kapitels) boten keine bedeutenden theoretischen Schwierigkeiten; der dritte Abschnitt dagegen, die Reproduktion und Zirkulation des gesellschaftlichen Kapitals, schien ihm einer Umarbeitung dringend bedrftig. In Manuskript II war n„mlich die Reproduktion behandelt zuerst ohne Bercksichtigung der sie ver- mittelnden Geldzirkulation und sodann nochmals mit Rcksicht auf diese. Dies sollte beseitigt und der ganze Abschnitt berhaupt so umgearbeitet werden, daá er dem erweiterten Gesichtskreis des Verfassers entsprach. So entstand Manuskript VIII, ein Heft von nur 70 Quartseiten; was Marx aber auf diesen Raum zusammenzudr„n- gen verstand, beweist die Vergleichung von Abschnitt III im Druck nach Abzug der aus Manuskript II eingeschobnen Stcke. Auch dies Manuskript ist nur eine vorl„ufige Behandlung des Gegenstands, bei der es vor allem darauf ankam, die gewonnenen neuen Gesichts- punkte gegenber Manuskript II festzustellen und zu entwickeln, unter Vernachl„ssigung der Punkte, ber die nichts Neues zu sagen war. Auch ein wesentliches Stck von Kapitel XVII des zweiten Ab- schnitts, das ohnehin einigermaáen in den dritten Abschnitt ber- greift, wird wieder hineingezogen und erweitert. Die logische Folge wird ”fters unterbrochen, die Behandlung ist stellenweise lckenhaft und namentlich am Schluá ganz fragmentarisch. Aber was Marx sagen wollte, ist in dieser oder 'ener Weise darin gesagt. Das ist das Material zu Buch II, woraus, nach einer Žuáerung von Marx zu seiner Tochter Eleanor kurz vor seinem Tode, ich "etwas machen" sollte. Ich habe diesen Auftrag in seinen engsten Grenzen genommen; wo irgend m”glich, habe ich meine T„tigkeit auf bloáe Auswahl zwischen den verschiednen Redaktionen beschr„nkt. Und zwar so, daá stets die letzte vorhandne Redaktion unter Verglei- chung der frhern zugrunde gelegt wurde. Wirkliche, d.h. andre als bloá technische Schwierigkeiten boten dabei nur der erste und dritte Abschnitt, diese aber auch nicht geringe. Ich habe sie zu l”sen gesucht ausschlieálich im Geist des Verfassers. Die Zitate im Text habe ich meist bersetzt bei Belegen fr Tat- sachen oder wo, wie bei Stellen aus A. Smith, das Original iedem zu Gebot steht, #13# Vorwort ----- der der Sache auf den Grund kommen will. Nur in Kapitel X war dies nicht m”glich, weil hier direkt der englische Text kriti- siert wird. - Die Zitate aus Buch I tragen die Seitenzahlen der zweiten Auflage, der letzten, die Marx noch erlebt hat. Fr das Buch III liegt auáer der ersten Bearbeitung im Manu- skript: "Zur Kritik", den erw„hnten Stcken in Manuskript III und einigen, in Auszugsheften gelegentlich eingesprengten kurzen No- ten, nur vor: das erw„hnte Manuskript in Follo von 1864-1865, ausgearbeitet in ungef„hr derselben Vollst„ndigkeit wie Manu- skript II von Buch II, und endlich ein Heft von 1875: Das Ver- h„ltnis der Mehrwertsrate zur Profitrate, mathematisch (in Glei- chungen) entwickelt. Die Fertigstellung dieses Buchs fr den Druck schreitet rasch voran. Soweit ich bis jetzt beurteilen kann, wird sie haupts„chlich nur technische Schwierigkeiten ma- chen, mit Ausnahme freilich einiger sehr wichtigen Abschnitte. --- Es ist hier der Ort, eine Anklage gegen Marx zurckzuweisen, die, erst nur leise und vereinzelt erhoben, jetzt, nach seinem Tode, von deutschen Katheder- und Staatssozialistent [2] und deren An- hang als ausgemachte Tatsache verkndet wird - die Anklage, als habe Marx ein Plagiat an Rodbertus begangen. Ich habe bereits an andrer Stelle das Dringendste darber gesagt 1), kann aber erst hier die entscheidenden Belege beibringen. Diese Anklage findet sich meines Wissens zuerst in R. Meyers "Emancipationskampf des vierten Standes", S. 43: "Aus diesen Publikationen" (den bis in die letzte H„lfte der dreiáiger Jahre zurckdatierenden von Rodbertus) "hat n a c h w e i s b a r Marx den gr”áten Teil seiner Kritik ge- sch”pft." Ich darf bis auf weitern Nachweis wohl annehmen, daá die ganze "Nachweisbarkeit" dieser Behauptung darin besteht, daá Rodbertus dies Herrn Meyer versichert hat. - 1879 tritt Rodbertus selbst auf die Bhne, und schreibt an J. Zeller (Tbinger "Zeitschrift fr die gesammte Staatswissensaaft" [3], 1879, S. 219) mit Bezie- hung auf seine Schrift: Zur Erkenntniá unsrer staatswirthschaft- lichen Zust„nde" (1842) wie folgt: --- 1) In der Vorrede zu: "Das Elend der Philosophie. Antwort auf Proudhons Philosophie des Elends", von Karl Marx. Deutsch von E. Bernstein und K. Kautsky. Stuttgart 1885. 1*) ----- 1*) Siehe Band 4 unserer Ausgabe, S. 558-569 #14# Vorwort ----- "Sie werden finden, daá derselbe" (der darin entwickelte Gedan- kengang) "schon ganz hbsch von Marx... benutzt worden ist, frei- lich ohne mich zu zitieren." Was ihm denn auch sein posthumer Herausgeber Th. Kozak ohne wei- teres nachplappert. ("Das Kapital" von Rodbertus. Berlin 18M. Einleitung, S. XV.) - Endlich, in den von R. Meyer 1881 herausge- gebnen "Briefen und socialpolitischen Aufs„tzen von Dr. Rodber- tus-Jagetzow", sagt Rodbertus geradezu: "heute finde ich mich von Sch„ffle und Marx geplndert, ohne daá ich genannt werde". (Brief Nr. 60, S. 134.) Und an einer andern Stelle nimmt Rodbertus' Anspruch bestimmtere Gestalt an: "Woraus der M e h r w e r t des Kapitalisten e n t s p r i n g t, habe ich in meinem 3. sozialen Brief i m w e s e n t l i c h e n e b e n s o wie Marx, nur kurzer und klarer ggezeigt." (Brief Nr. 48, S. 111.) Von allen diesen Anklagen auf Plagiat hatte Marx nie etwas erfah- ren. In seinem Exemplar des "Emancipationskampfs" war nur der die Internationale betreffende Teil aufgeschnitten, das Aufschneiden des brigen habe ich selbst erst nach seinem Tode besorgt. Die Tbinger Zeitschrift sah er nie an. Die "Briefe etc." an R. Meyer blieben ihm ebenfalls unbekannt, und bin ich auf die Stelle von wegen der "Plnderung" erst 1884 durch die Gte des Herrn Dr. Meyer selbst aufmerksam gemacht worden. Dagegen den Brief Nr. 48 kannte Marx; Herr Meyer hatte die Gef„lligkeit gehabt, das Origi- nal der jngsten Tochter von Marx zu schenken. Marx, dem aller- dings einiges geheimnisvolle Gemunkel ber die bei Rodbertus zu suchende geheime Quelle seiner Kritik zu Ohren gekommen war, zeigte ihn mir mit der Bemerkung: Hier habe er endlich authenti- sche Auskunft darber, was Rodbertus selbst beanspruche; wenn er weiter nichts behaupte, so k”nne dies ihm, Marx, schon recht sein; und daá Rodbertus seine eigne Darstellung fr die krzre und klarere halte, dies Vergngen k”nne er ihm auch lassen. In der Tat hielt er durch diesen Brief von Rodbertus die ganze Sache fr erledigt. Er konnte dies um so eher, als ihm, wie ich positiv weiá, die ganze literarische T„tigkeit von Rodbertus unbekannt geblieben war bis gegen 1859, wo seine eigne Kritik der politischen ™kono- mie nicht nur in den Grundzgen, sondern auch in den wichtigsten Einzelheiten fertig war. Er begann seine ”konomischen Studien 1843 in Paris mit den groáen Engl„ndern und Franzosen; von den Deutschen kannte er nur Rau und List und hatte genug an ihnen. Weder Marx noch ich erfuhren von der stenz von Rodbertus #15# Vorwort ----- ein Wort, bis wir 1848 in der "Neuen Rheinischen Zeitung" seine Reden als Berliner Abgeordneter und seine Handlungen als Minister zu kritisieren hatten. Wir waren so unwissend, daá wir die rhei- nischen Abgeordneten befrugen, wer denn dieser Rodbertus sei, der so pl”tzlich Minister geworden. Aber auch diese wuáten nichts von den ”konomischen Schriften Rodbertus' zu verraten. Daá, dagegen Marx, auch ohne Rodbertus' Hilfe, schon damals sehr gut wuáte, nicht nur woher, sondern auch w i e der "Mehrwert des Kapitali- sten entspringt", beweisen die "MisŠre de la Philosophie", 1847 1*) und die 1847 in Brssel gehaltnen und 1849 in der "Neuen Rheinischen Zeitung", Nr. 264-269 2*), ver”ffentlichten Vortr„ge ber Lohnarbeit und Kapital. Erst durch Lassalle erfuhr Marx ge- gen 1859, daá es auch einen ™konomen Rodbertus gebe, und fand dann dessen "dritten sozialen Brief" auf dem Britischen Museum. Dies der tats„chliche Zusammenhang. Wie steht es nun mit dem In- halt, um den Marx den Rodbertus "geplndert" haben soll? "Woraus der Mehrwert des Kapitalisten entspringt", sagt Rodber- tus, "habe ich in meinem 3. sozialen Brief ebenso wie Marx, nur krzer und klarer gezeigt." Also das ist der Kernpunkt: die Mehrwertstheorie; und es ist in der Tat nicht zu sagen, was sonst Rodbertus bei Marx als sein Ei- gentum allenfalls reklamieren k”nnte. Rodbertus erkl„rt sich hier also fr den wirklichen Urheber der Mehrwertstheorie, die Marx ihm geplndert habe. Und was sagt uns der 3. soziale Brief [4] ber die Entstehung des Mehrwerts? Einfach, daá die "Rente", wie er Bodenrente und Profit zusammenfaát, nicht aus einem "Wertzuschlag" auf den Wert der Ware entstehe, sondern "infolge eines Wertabzugs, den der Arbeitslohn erleidet, mit and- ren Worten: weil der Arbeitslohn nur einen Teil des Werts des Produkts betr„gt", und bei hinreichender Produktivit„t der Arbeit "nicht „qual dem natrl;chen Tauschwert ihres Produkts zu sein braucht, damit von diesem noch zu Kapitalersatz (!) und Rente b- rig bleibt". Wobei uns nicht gesagt wird, was das fr ein "natrlicher Tausch- wert" des Produkts ist, bei dem zu "Kapitalersatz", also doch wohl Ersatz des Rohstoffs und des Verschleiáes der Werkzeuge nichts brig bleibt. Glcklicherweise ist uns verg”nrt zu konstatieren, welchen Ein- druck diese epochemachende Entdeckung Rodbertus' auf Marx machte. Im ----- 1*) Siehe Band 4unserer Ausgabe, S. 63-182 -2*) siehe Band 6 un- serer Ausgabe, S. 397 bis 423 #16# Vorwort ----- Manuskript: "Zur Kritik etc." findet sich in Heft X, S. 445 ff. 1*) eine "Abschweifung. Herr Rodbertus. Eine neue Grundrenten- theorie". Nur unter diesem Gesichtspunkt wird hier der dritte so- ziale Brief betrachtet. Die Rodbertussche Mehrwertstheorie irn allgemeinen wird erledigt mit der ironischen Bemerkung: "Herr Rodbertus untersucht erst, wie es in einem Lande aussieht, wo Grund- und Kapitalbesitz nicht geschieden sind, und kommt dann zum wichtigen Resultat, daá die Rente (worunter er den ganzen Mehrwert versteht) bloá gleich der unbezahlten Arbeit oder dem Quantum von Produkten ist, worin sie sich darstellt." Die kapitalistische Menschheit hat nun schon verschiedliche Jahr- hunderte lang Mehrwert produziert und ist allm„hlich auch dahin gekommen, sich ber dessen Entstehung Gedanken zu machen. Die er- ste Ansicht war die aus der unmittelbaren kaufm„nnischen Praxis entspringende: der Mehrwert entstehe aus einem Aufschlag auf den Wert des Produkts. Sie herrschte unter den Merkantilisten, aber schon James Steuart sah ein, daá dabei, was der eine gewinnt, der andre notwendig verlieren muá. Trotzdem spukt diese Ansicht noch lange fort, namentlich unter Sozialisten; aus der klassischen Wissenschaft wird sie aber verdr„ngt durch A. Smith. Bei ihm heiát es, "Wealth of Nations", b. I, ch. VI: "Sobald Kapital (stock) sich angeh„uft hat in den H„nden einzel- ner, werden einige darunter es natrlicherweise anwenden, um fleiáige Leute an die Arbeit zu setzen und diesen Rohstoffe und Lebensmittel zu liefern, um durch den Verkauf der Produkte ihrer Arbeit, oder durch d a s w a s i h r e A r b e i t d e m W e r t j e n e r R o h s t o f f e h i n z u g e f g t h a t, einen P r o f i t zu machen... Der W e r t, den die Arbeiter d e n R o h s t o f f e n z u s e t z e n, l”st sich hier in z w e i T e i l e auf, wovon der eine i h r e n L o h n zahlt, der andre den P r o f i t d e s B e s c h „ f t i g e r s auf den n von ihm vorgeschoánen Betrag von Rohstoffen und Arbeitsl”hnen." Und etwas weiter: "Sobald der Boden eines Landes durchweg Privateigentum geworden, lieben es die Grundbesitzer wie andre Leute auch, zu ernten, wo sie nicht ges„et, und fordern Bodenrente selbst fr die natrli- chen Erzeugnisse des Bodens... Der Arbeiter... muá dem Grundbe- sitzer e i n e n A n t e i l von dem a b t r e t e n, was seine A r b e i t gesammelt oder produziert hat. Dieser Anteil, oder was dasselbe, der Preis dieses Anteils, macht die B o d e n r e n t e aus." Zu dieser Stelle bemerkt Marx in dem erw„hnten Manuskript: "Zur Kritik etc.", S. 253: A. Smith faát also den Mehrwert, n„mlich die Surplusarbeit, den šberschuá der verrichteten und in der Ware vergegenst„ndlichten ----- 1*) Siehe Band 26 unserer Ausgabe, 2. Teil, S. 7 ff. - 2*) ebenda, 1. Teil, S. 53 #17# Vorwort ----- Arbeit b e r die bezahlte Arbeit hinaus, also ber die Arbeit hinaus, die ihr Žquivalent im Lohn erhalten hat, als die a l l g e m e i n e K a t e g o r i e auf, wovon der eigentli- che Profit und die Grundrente nur Abzweigungen." Ferner sagt A. Smith, b. I, ch. VIII: "Sobald der Boden Privateigentum geworden, verlangt der Grundbe- sitzer einen Anteil fast aller Produkte, die der Arbeiter darauf erzeugen oder einsammeln kann. Seine Bodenrente macht den e r s t e n A b z u g vom P r o d u k t d e r a u f d e n B o d e n v e r w a n d t e n A r b e i t aus. Aber der Be- bauer des Bodens hat selten die Mittel, sich bis zur Einbringung der Ernte zu erhalten. Sein Unterhalt wird ihm gew”hnlich vorge- schossen aus dem Kapital (steck) eines Besch„ftigers, des P„ch- ters, der kein Interesse h„tte ihn zu besch„ftigen, wenn er nicht d a s P r o d u k t s e i n e r A r b e i t m i t i h m t e i l t e, oder sein Kapital ihm ersetzt wrde samt einem Pro- fit. Dieser Profit macht e i n e n z w e i t e n A b z u g von der auf Boden verwandten Arbeit. Das Produkt fast aller Ar- beit ist demselben Abzug fr Profit unterworfen. In allen Indu- strien bedrfen die meisten Arbeiter eines Besch„ftigers, um ih- nen bis zur Vollendung der Arbeit Rohstoff und Arbeitslohn und Unterhalt vorzuschieáen. Dieser Besch„ftiger t e i l t mit ih- nen das P r o d u k t i h r e r A r b e i t, oder den Wert, den diese den verarbeiteten Rohstoffen zufgt, und in diesem An- teil besteht sein Profit." Marx hierzu (Manuskript, S. 256 1*)): "Hier also bezeichnet A. Smith in drren Worten Grundrente und Profit des Kapitals als bloáe A b z g e von dem Produkt des Arbeiters oder von dem Wert seines Produkts, gleich der von ihm dem Rohstoff zugefgten Arbeit. Dieser Abzug kann aber, wie A. Smith frher selbst aus- einandergesetzt, nur bestehn aus dem Teil der Arbeit, den der Ar- beiter den Stoffen zusetzt ber das Arbeitsquantum hinaus, wel- ches nur seinen Lohn zahlt oder nur ein Žquivalent fr seinen Lohn liefert - also aus der Surplusarbeit, aus dem unbezahlten Teil seiner Arbeit." "Woraus der Mehrwert des Kapitalisten entspringt" und obendrein der des Grundeigentmers, hat also schon A. Smith gewuát; Marx erkennt dies schon 1861 aufrichtig an, w„hrend Rodbertus und der Schwarm seiner unter dem warmen Sommerregen des Staatssozialismus wie Pilze emporschieáenden Verehrer es total vergessen zu haben scheint. "Dennoch", f„hrt Marx fort, "hat Smith den Mehrwert als solchen nicht als eigne Kategorie geschieden von den besondren Formen, die er in Profit und Grundrente erh„lt. Daher bei ihm, wie noch mehr bei Ricardo, viel Irrtum und Mangelhaftigkeit in der Unter- suchung." 2*) - Dieser Satz paát w”rtlich auf Rodbertus. Seine "Rente" ist einfach die Summe von Bodenrente + Profit; von der Bodenrente macht er sich eine total falsche ----- 1*) Ebenda, S. 56 - 1*) ebenda, S. 53 #18# Vorwort ----- Theorie, den Profit nimmt er unbesehn wie er ihn bei seinen Vor- g„ngern findet. - Marx' Mehrwert dagegen ist die a l l g e m e i n e F o r m der ohne Žquivalent von den Eignern der Produktionsmittel angeeigneten Wertsumme, die sich nach ganz eigentmlichen, erst von Marx entdeckten Gesetzen in die besond- ren, verwandelten Formen von Profit und Bodenrente spaltet. Diese Gesetze werden entwickelt in Buch III, wo sich erst zeigen wird, wie viele Mittelglieder n”tig sind, um vom Verst„ndnis des Mehr- werts im allgemeinen zum Verst„ndnis seiner Verwandlung in Profit und Grundrente, also zum Verst„ndnis der Gesetze der Verteilung des Mehrwerts innerhalb der Kapitahstenklasse zu kommen. Ricardo geht schon bedeutend weiter als A. Smith. Er begrndet seine Auffassung des Mehrwerts auf eine neue, bei A. Smith zwar schon im Keim vorhandne, aber in der Ausfhrung fast immer wieder vergeáne Werttheorie, die der Ausgangspunkt aller nachfolgenden ”konomischen Wissenschaft geworden. Aus der Bestimmung des Waren- werts durch die in den Waren realisierte Arbeitsmenge leitet er die Verteilung des den Rohstoffen durch die Arbeit zugesetzten Wertquantums unter Arbeiter und Kapitalisten ab, ihre Spaltung in Arbeitslohn und Profit (d.h. hier Mehrwert). Er weist nach, daá der Wert der Waren derselbe bleibt, wie auch das Verh„ltnis die- ser beiden Teile wechsle, ein Gesetz, bei dem er nur einzelne Ausnahmsf„lle zugibt. Er stellt sogar einige Hauptgesetze ber das wechseln seitige Verh„ltnis von Arbeitslohn und Mehrwert (in der Form von Profit gefaát), wenn auch in zu allgemeiner Fassung fest (Marx, "Kapital" I, Kap. XV, A *1)) und weist die Grundrente als einen unter bestimmten Umst„nden abfallenden šberschuá ber den Profit nach. - In keinem dieser Punkte ist Rodbertus ber Ri- cardo hinausgegangen. Die innern Widersprche der Ricardoschen Theorie, an denen seine Schule zugrunde ging, blieben ihm entwe- der ganz unbekannt oder verleiteten ihn nur ("Zur Erkenntniá etc.", S. 130 zu utopistischen Forderungen statt zu ”konomischen L”sungen. Die Ricardosche Lehre vom Wert und Mehrwert brauchte aber nicht auf Rodbertus' "Zur Erkenntniá etc." zu warten, um sozialistisch ausgebeutet zu werden. Auf S. 609 des ersten Bandes "Kapital" (2. Aufl.) 2*) findet sich zitiert: "The possessors of surplus pro- duce or capital" 3*), aus einer Schrift: "The Source and Remedy of the National Difficulties. A Letter to Lord John Russell", London 1821. In dieser Schrift, auf deren ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe, S. 543-547 - 2*) ebenda, S. 614 - 3*) "Die Besitzer des Mehrprodukts oder Kapitals" #19# Vorwort ----- Bedeutung schon der eine Ausdruck: surplus produce or capital h„tte aufmerksam machen mssen, und die ein von Marx aus seiner Verschollenheit geriánes Pamphlet von 40 Seiten ist, heiát es: "Was auch dem Kapitalisten zukommen m”ge" (vom Standpunkt des Ka- pitalisten aus) "er kann immer nur die Mehrarbeit (surplus la- bour) des Arbeiters aneignen, denn der Arbeiter muá leben." (p. 23.) W i e aber der Arbeiter lebt und wie groá daher die vom Kapita- listen angeeignete Mehrarbeit sein kann, ist sehr relativ. "Wenn das Kapital nicht an Wert abnimmt im Verh„ltnis wie es an Masse zunimmt, so wird der Kapitalist dem Arbeiter das Produkt jeder Arbeitsstunde abpressen ber das Minimum hinaus, wovon der Arbeiter leben kann... der Kapitalist kann schlieálich dem Arbei- ter sagen: du sollst kein Brot essen, denn man kann von Runkelr- ben und Kartoffeln leben; und dahin sind wir gekommen." (p. 23, 24.) "Wenn der Arbeiter dahin gebracht werden kann, sich von Kar- toffeln zu n„hren, statt von Brot, so ist es unbestreitbar rich- tig, daá mehr aus seiner Arbeit herausgeschlagen werden kann; d.h. wenn, um von Brot zu leben, er gen”tigt war, fr seine Er- haltung und die seiner Familie d i e A r b e i t d e s M o n t a g s u n d D i e n s t a g s f r s i c h z u b e h a l t e n, so wird er bei Kartoffelnahrung nur die H „ l f t e d e s M o n t a g s fr sich erhalten; und die an- dre H„lfte des Montags und der ganze Dienstag w e r d e n f r e i g e s e t z t entweder fr den Nutzen des Staats oder f r d e n K a p i t a l i s t e n." (p. 26.) "Man bestreitet nicht (it is admitted), daá die den Kapitalisten bezahlten Inter- essen, sei es in der Gestalt von Rente, Geldzins oder Ge- sch„ftsprofit, bezahlt werden aus der Arbeit anderer." (p. 23.) Hier also ganz Rodbertus' "Rente", nur daá statt "Rente": Inter- essen gesagt wird. Marx bemerkt hierzu (Manuskript "Zur Kritik", S. 852 1*)): "Dies kaum bekannte Pamphlet - erschienen zu der Zeit, wo der 'unglaubliche Schuhflicker' MacCulloch [5] anfing, von sich reden zu machen - enth„lt einen wesentlichen Fortschritt ber Ricardo hinaus. Es bezeichnet direkt den Mehrwert oder 'Profit', wie Ri- cardo es nennt (oft auch Mehrprodukt, surplus produce) oder in- terest 2*), wie der Verfasser des Pamphlets es heiát, als surplus labour, Mehrarbeit, die Arbeit, die der Arbeiter gratis verrich- tet, die er verrichtet ber das Quantum Arbeit hinaus, wodurch der Wert seiner Arbeitskraft ersetzt, also ein Žquivalent fr seinen Lohn produziert wird. Ganz so wichtig wie es war, den W e r t i n A r b e i t aufzul”sen, ganz so wichtig war es, den Mehrwert (surplus value), der sich in einem M e h r p r o d u k t (surplus produce) darstellt, in M e h r a r b e i t (surplus labour). Dies ist in der Tat bei A. S m i t h s c h o n g e s a g t, u n d b i l d e t e i n H a u p t m o m e n t i n ----- 1*) Siehe Band 26 unserer Ausgabe, 3. Teil, S. 234/235 - 2*) Zins #20# Vorwort ----- R i c a r d o s E n t w i c k l u n g. Aber es ist bei ihnen nirgends in der absoluten Form herausgesagt und fixiert." Es heiát dann weiter, S. 859 1*) des Manuskripts: "Im brigen ist der Verfasser in den ”konomischen Kategorien befangen, wie er sie vorfindet. Ganz wie bei Ricardo das Verwechseln von Mehrwert und Profit zu unangenehmen Widersprchen fhrt, so bei ihm, daá er Mehrwert Kapitalinteressen tauft. Zwar steht er darin ber Ri- cardo, daá er erstens allen Mehrwert auf Mehrarbeit reduziert und, wenn er den Mehrwert Kapitalinteressen nennt, zugleich her- vorhebt, daá er unter interest of capital die allgemeine Form der Mehrarbeit versteht, im Unterschied von ihren besondern Formen, Rente, Geldzins und Gesch„ftsprofit. Aber er nimmt den Namen ei- ner dieser besondern Formen, interest, wieder als den der allge- meinen Form. Und dies reicht hin, damit er wieder in das ”ko- nosche Kauderwelsch" (slang steht im Manuskript) "zurckf„llt." Dieser letztere Passus sitzt unserm Rodbertus wie angegossen. Auch er ist befangen in den ”konomischen Kategorien, wie er sie vorfindet. Auch er tauft den Mehrwert mit dem Namen einer seiner verwandelten Unterformen, den er noch dazu ganz unbestimmt macht: Rente. Das Ergebnis dieser beiden B”cke ist, daá er wieder in das ”konomische Kauderwelsch verf„llt, seinen Fortschritt ber Ri- cardo hinaus nicht weiter kritisch verfolgt, und statt dessen sich verleiten l„át, seine unfertige Theorie, ehe sie noch die Eierschalen losgeworden, zur Grundlage einer Utopie zu machen, mit der er wie berall zu sp„t kommt. Das Pamphlet erschien 1821 und antizipiert die Rodbertussche "Rente" von 1842 bereits voll- st„ndig. Unser Pamphlet ist nur der „uáerste Vorposten einer ganzen Lite- ratur, die in den zwanziger Jahren die Ricardosche Wert- und Mehrwerttheorie im Interesse des Proletariats gegen die kapitali- stische Produktion kehrt, die Bourgeoisie mit ihren eignen Waffen bek„mpft. Der ganze Owensche Kommunismus, soweit er ”konomisch- polemisch auftritt, sttzt sich auf Ricardo. Neben ihm aber noch eine ganze Reihe von Schriftstellern, von denen Marx schon 1847 nur einige gegen Proudhon ("MisŠre de la Philosophie p. 49 2*)) anfhrt: Edmonds, Thompson, Hodgskin etc., etc., "und noch vier Seiten Etcetera". Ich greife aus dieser Unzahl von Schriften nur aufs Geratewohl eine heraus: "An Inquiry into the Principles of the Distribution of Wealth, most conducive to Human Happiness", by William Thompson; a new edition, London 1850. Diese 1822 ver- faáte Schrift erschien zuerst 1824. Auch hier wird der von den nichtproduzierenden Klassen angeeignete ----- 1*) Siehe Band 26 unserer Ausgabe, 3. Teil, S. 250 - 2*) siehe Band 4 unserer Ausgabe, S. 98 #21# Vorwort ----- Reichtum berall als Abzug vom Produkt des Arbeiters bezeichnet, und das in ziemlich starken Ausdrcken. "Das best„ndige Streben dessen, was wir Cesellschaft nennen, be- stand darin, durch Betrug oder Beredung, durch Schrecken oder Zwang, den produktiven Arbeiter zu bewegen, die Arbeit zu ver- richten fr den m”glichst kleinen Teil des Produkts seiner eignen Arbeit." (p. 28.) "Warum soll der Arbeiter nicht das ganze abso- lute Produkt seiner Arbeit erhalten?" (p. 32.) "Diese Kompensa- tion, die die Kapitalisten dem produktiven Arbeiter abnatigen un- ter dem Namen Bodenrente oder Profit, wird beansprucht fr den Gebrauch des Bodens oder andrer Gegenst„nde... Da alle physischen Stoffe, an denen oder vermittelst derer der besitzlose produktive Arbeiter, der nichts besitzt, auáer seiner F„higkeit zu produzie- ren, diese seine Produktionsf„higkeit geltend machen kann, im Be- sitz andrer sind, deren Interessen den seinen entgegengesetzt, und deren Einwilligung eine Vorbedingung seiner T„tigkeit ist -, h„ngt es da nicht ab, und muá es nicht abhen von der Gnade dieser Kapitalisten, welchen T e i l d e r F r c h t e s e i n e r e i g n e n A r b e i t sie ihm als Entsch„digung fr diese Arbeit wollen zukommen lassen?" (p. 125) "...im Verh„ltnis zur Gr”áe des z u r c k b e h a l t e n e n P r o d u k t s, ob man dies Steuern, Profit oder Diebstahl nenne... diese Defalka- tionen" (p. 126) usw. Ich gestehe, ich schreibe diese Zeilen nicht ohne eine gewisse Besch„mung. Daá die antikapitalistische englische Literatur der zwanziger und dreiáiger Jahre in Deutschland so g„nzlich unbe- kannt ist, trotzdem Marx schon in der "MisŠre de la Philosophie" direkt darauf hingewiesen und manches davon - das Pamphlet von 1821, Ravenstone, Hodgskin etc. - im ersten Band des "Kapital" mehrfach zitiert, das mag noch hingehn. Aber daá nicht nur der sich an Rodbertus' Rocksch”áe mit Verzweiflung anklammernde Lite- ratus vulgaris 1*), "der wirklich auch nichts gelernt hat", son- dern auch der Professor in Amt und Wrden 2*), der "sich mit Ge- lehrsamkeit brsten tut", seine klassische ™konomie bis zu dem Grad vergessen hat, daá er Marx ernsthaft vorwirft, er habe Rod- bertus Dinge entwendet, die schon in A. Smith und Ricardo zu le- sen stehn - das beweist, wie tief die offizielle ™konomie heute heruntergekommen ist. Was hat dann aber Marx ber den Mehrwert Neues gesagt? Wie kommt es, daá Marx' Mehrwertstheorie wie ein Blitz aus heitrem Himmel eingeschlagen hat, und das in allen zivilisierten L„ndern, w„h- rend die Theorien aller seiner sozialistischen Vorg„nger, Rodber- tus eingeschlossen, wirkungslos verpufften? Die Geschichte der Chee kann uns das an einem Beispiel zeigen. Noch gegen Ende des vorigen Jahrhunderts herrschte bekanntlich die phlogistische Theorie, wonach das Wesen jeder Verbrennung darin bestand, ----- 1*) vulg„re Schriftsteller (R. Meyer) - 2*) A. Wagner #22# Vorwort ----- daá sich von dem verbrennenden K”rper ein andrer, hypothetischer K”rper trenne, ein absoluter Brennstoff, der mit dem Namen Phlo- giston bezeichnet wurde. Diese Theorie reichte hin, die meisten damals bekannten chemischen Erscheinungen zu erkl„ren, wenn auch in manchen F„llen nicht ohne Anwendung von Gewalt. Nun stellte 1774 Priestley eine Luftart dar, "die er so rein oder so frei von Phlogiston fand, daá gew”hnliche Luft im Vergleich damit schon verdorben erschien". Er nannte sie: dephlogistisierte Luft. Kurz nachher stellte Scheele in Schweden dieselbe Luft dar und wies deren Vorhanden- sein in der Atmosph„re nach. Er fand auch, daá sie verschwindet, wenn man einen K”rper in ihr oder in gew”hnlicher Luft verbrennt, und nannte sie daher Feuerluft. "Aus diesen Ergebnissen zog er nun den Schluá, daá die Verbin- dung, welche bei der Vereinigung von Phlogiston mit einem der Be- standteile der Luft" (also bei der Verbrennung) entstehe, nichts weiter als Feuer oder W„rme sei, welche durch das Glas entwei- che." 2) Priestley wie Scheele hatten den Sauerstoff dargestellt, wuáten aber nicht, was sie unter der Hand hatten. Sie "blieben befangen in den" phlogistischen "Kategorien, wie sie sie vorfanden". Das Element, das die ganze phlogistische Anschauung umstoáen und die Chemie revolutionieren sollte, war in ihrer Hand mit Unfruchtbar- keit geschlagen. Aber Priestley hatte seine Entdeckung gleich darauf in Paris Lavoisier mitgeteilt, und Lavoisier untersuchte nun, an der Hand dieser neuen Tatsache, die ganze phlogistische Chemie, entdeckte erst, daá die neue Luftart ein neues chemisches Element war, daá in der Verbrennung nicht das geheimnisvolle Phlogiston aus dem verbrennenden K”rper w e g g e h t, sondern dies neue Element sich mit dem K”rper v e r b i n d e t, und stellte so die ganze Chemie, die in ihrer phlotischen Form auf dem Kopf gestanden, erst auf die Fáe. Und wenn er auch nicht, wie er sp„ter behauptet, den Sauerstoff gleichzeitig mit den an- dern und unabh„ngig von ihnen dargestellt hat, so bleibt er den- noch der eigentliche E n t d e c k e r des Sauerstolis gegen- ber den beiden, die ihn bloá d a r g e s t e l l t haben, ohne auch nur zu ahnen, w a s sie dargestellt hatten. Wie Lavoisier zu Priestley und Scheele, so verh„lt sich Marx zu seinen Vorg„ngern in der Mehrwertstheorie. Die E x i s t e n z des Produktenwertteils, --- 2) Roscoe-Schorlemmer, "Ausfhrliches Lehrbuch der Chemie", Braunschweig 1877, I, p. 13, 18. #23# Vorwort ----- den wir jetzt Mehrwert nennen, war festgestellt lange vor Marx; ebenso war mit gr”árer oder geringrer Klarheit ausgesprochen, wo- raus er besteht, n„mlich aus dem Produkt der Arbeit, fr welche der Aneigner kein Žquivalent gezahlt hat. Weiter aber kam man nicht. Die einen - die klassischen brgerlichen ™konomen - unter- suchten h”chstens das Gr”áenverh„ltnis, worin das Arbeitsprodukt verteilt wird zwischen dem Arbeiter und dem Besitzer der Produk- tionsmittel. Die andren - die Sozialisten - fanden diese Vertei- lung ungerecht und suchten nach utopistischen Mitteln, die Unge- rechtigkeit zu beseitigen. Beide blieben befangen in den ”konomi- schen Kategorien, wie sie sie vorgefunden hatten. Da trat Marx auf. Und zwar in direktem Gegensatz zu allen seinen Vorg„ngern. Wo diese eine L ” s u n g gesehn hatten, sah er nur ein P r o b l e m. Er sah, daá hier weder dephlogistisierte Luft vorlag noch Feuerluft, sondern Sauerstoff - daá es sich hier nicht handelte, sei es um die bloáe Konstatierung einer ”konomi- schen Tatsache, sei es um den Konflikt dieser Tatsache mit der ewigen Gerechtigkeit und der wahren Moral, sondern um eine Tatsa- che, die berufen war, die ganze ™konomie umzuw„lzen, und die fr das Verst„ndnis der gesamten kapitalistischen Produktion den Schlssel bot - fr den, der ihn zu gebrauchen wuáte. An der Hand dieser Tatsache untersuchte er die s„mtlichen vorgefundnen Kate- gorien, wie Lavoisier an der Hand des Sauerstoffs die vorgefund- nen Kategorien der phlogistischen Chemie untersucht hatte. Um zu wissen, was der Mehrwert war, muáte er wissen, was der Wert war. Ricardos Werttheorie selbst muáte vor allem der Kritik unterwor- fen werden. Marx also untersuchte die Arbeit auf ihre wertbil- dende Qualit„t und stellte zum ersten Mal fest, w e l c h e Ar- beit, und warum, und wie sie Wert bildet, und daá Wert berhaupt nichts ist als festgeronnene Arbeit d i e s e r Art - ein Punkt, den Rodbertus bis zuletzt nicht begriffen hat. Marx unter- suchte dann das Verh„ltnis von Ware und Geld und wies nach, wie und warum, kraft der ihr innewohnenden Werteigenschaft, die Ware und der Warenaustausch den Gegensatz von Ware und Geld erzeugen muá; seine hierauf gegrndete Geldtheorie ist die erste ersch”p- fende und jetzt stillschweigend allgemein akzeptierte. Er unter- suchte die Verwandlung von Geld in Kapital, und bewies, daá sie auf dem Kauf und Verkauf der Arbeitskraft beruhe. Indem er hier die Arbeitskraft, die wertschaffende Eigenschaft, an die Stelle der Arbeit setzte, l”ste er mit einem Schlag eine der Schwierig- keiten, an der die Picardosche Schule zugrunde gegangen war: die Unm”glichkeit, den gegenseitigem Austausch von Kapital und Arbeit in Einklang zu bringen mit dem Ricardoschen Gesetz der Wertbe- stimmung durch Arbeit. Indem er die Unterscheidung des Kapitals in #24# Vorwort ----- konstantes und variables konstatierte, kam er erst dahin, den Prozeá der Mehrwertbildung in seinem wirklichen Hergang bis ins einzelnste darzustellen und damit zu erkl„ren - was keiner seiner Vorg„nger fertiggebracht; konstatierte er also einen Unterschied innerhalb des Kapitals selbst, mit dem Rodbertus ebensowenig wie die brgerlichen ™konomen im Stande waren, das geringste anzufan- gen, der aber den Schlssel zur L”sung der verwickeltsten ”kono- mischen Probleme liefert, wovon hier wieder Buch II - und noch mehr, wie sich zeigen wird, Buch III - der schlagendste Beweis. Den Mehrwert selbst untersuchte er weiter, fand seine beiden For- men: absoluter und relativer Mehrwert, und wies die verschiedne, aber beidemal entscheidende Rolle nach, die sie in der geschicht- lichen Entwicklung der kapitalistischen Produktion gespielt. Auf Grundlage des Mehrwerts entwickelte er die erste rationelle Theo- rie des Arbeitslohns, die wir haben, und gab zum ersten Mal die Grundzge einer Geschichte der kapitalistischen Akkumulation und eine Darstellung ihrer geschichtlichen Tendenz. Und Rodbertus? Nachdem er das alles gelesen, findet er darin - wie immer Tendenz”konom! - einen "Einbruch in die Gesellschaft" [6], findet, daá er selbst bereits viel krzer und klarer gesagt hat, woraus der Mehrwert entsteht, und findet endlich, daá das alles zwar auf "die heutige Kapitalform" paát, d.h. auf das Kapi- tal, wie es historisch besteht, nicht aber auf "den Kapitalbe- griff", d.h. die utopistische Vorstellung des Herrn Rodbertus vom Kapital. Ganz der alte Priestley, der bis an sein Ende aufs Phlo- giston schwor und vom Sauerstoff nichts wissen wollte. Nur daá Priestley den Sauerstoff wirklich zuerst dargestellt, w„hrend Rodbertus in seinem Mehrwert oder vielmehr seiner "Rente" nur einen Gemeinplatz wieder entdeckt hatte, und daá Marx es ver- schm„hte, im Gegensatz zu Lavoisiers Verfahren, zu behaupten, er sei der erste, der die T a t s a c h e der Existenz des Mehr- werts aufgedeckt. Was Rodbertus sonst ”konomisch geleistet hat, steht auf demselben Niveau. Seine Verarbeitung des Mehrwerts in eine Utopie ist von Marx in der "MisŠre de la Philosophie" schon unabsichtlich mit kritisiert; was sonst noch darber zu sagen, habe ich in der Vor- rede 1*) zur deutschen šbersetzung jener Schrift gesagt. Seine Erkl„rung der Handelskrisen aus der Unterkonsumtion der Arbeiter- klasse findet sich bereits in Sismondig "Nouveaux Principes de l'conomie Politique", liv. IV, ch. IV. 3) Nur daá --- 3) "So verengt sich also durch die Konzentration der Reichtmer in der Hand einer kleinen Anzahl von Eigentmern der innere Markt immer mehr, und die Industrie ist ----- 1*) Siehe Band 4 unserer Ausgage, S.558/559 #25# Vorwort ----- Sismondi dabei stets den Weltmarkt vor Augen hatte, w„hrend Rod- bertus' Horizont nicht ber die preuáische Grenze hinausgeht. Seine Spekulationen darber, ob der Arbeitslohn aus Kapital oder Einkommen stamme, geh”ren der Scholastik an und erledigen sich endgltig durch den dritten Abschnitt dieses zweiten Buchs des "Kapital". Seine Rententheorie ist sein ausschlieáliches Eigentum geblieben und kann fortschlummern, bis das sie kritisierende Ma- nuskript von Marx erscheint. 1*) Endlich seine Vorschl„ge zur Emanzipation des altpreuáischen Grundbesitzes vom Druck des Kapi- tals sind wieder durchaus utopistisch; sie vermeiden n„mlich die einzige praktische Frage, um die es sich dabei handelt - die Frage: Wie kann der altpreuáische Landjunker jahraus, jahrein sage 20000 Mark einnehmen und sage 30000 Mark ausgeben, und doch keine Schulden machen? Die Ricardosche Schule scheiterte gegen 1830 am Mehrwert. Was sie nicht l”sen konnte, blieb erst recht unl”sbar fr ihre Nachfolge- rin, die Vulg„r”konomie. Die beiden Punkte, an denen sie zugrunde ging, waren diese: Erstens. Die Arbeit ist das Maá des Werts. Nun hat aber die le- bendige Arbeit im Austausch mit dem Kapital einen geringem Wert als die vergegenst„ndlichte Arbeit, gegen die sie ausgetauscht wird. Der Arbeitslohn, der Wert eines bestimmten Quantums leben- diger Arbeit, ist stets geringer als der Wert des Produkts, das von diesem selben Quantum lebendiger Arbeit erzeugt wird, oder worin dieses sich darstellt. Die Frage ist in dieser Fassung in der Tat unl”slich. Sie ist von Marx richtig gestellt und damit beantwortet worden. Es ist nicht die Arbeit, die einen Wert hat. Als wertschaffende T„tigkeit kann sie ebensowenig einen besondren Wert haben, wie die Schwere ein besondres Gewicht, die W„rme eine besondre Temperatur, die Elektrizit„t eine besondre Stromst„rke. Es ist nicht die Arbeit, die als Ware gekauft und verkauft wird, sondern die Arbeitskraft. Sobald sie Ware wird, richtet sich ihr Wert nach der in ihr, als einem gesellschaftlichen Produkt, ver- k”rperten Arbeit, ist er gleich der zu ihrer Produktion und Re- produktion gesellschaftlich n”tigen Arbeit. Der Kauf und Verkauf der Arbeitskraft auf Grund dieses ihres Werts widerspricht also keineswegs dem ”konomischen Wertgesetz. --- immer mehr gezwungen, ihre Absatzgebiete auf den fremden M„rkten zu suchen, wo noch gr”áere Umw„lzungen sie erwarten" (n„mlich die Krise von 1817, die gleich darauf beschrieben wird). "Nouv. Princ.", ‚d. 1819, I, p. 336. ----- 1*) Siehe Band 26 unserer Ausgabe, 2. Teil, S. 7-106 #26# Vorwort ----- Zweitens. Nach dem Ricardoschen Wertgesetz produzieren zwei Kapi- tale, die gleich viel und gleich hoch bezahlte lebendige Arbeit anwenden, alle andern Umst„nde gleichgesetzt, in gleichen Zeiten Produkte von gleichem Wert und ebenfalls Mehrwert oder Profit von gleicher H”he. Wenden sie aber ungleiche Mengen lebendiger Arbeit an, so k”nnen sie nicht Mehrwert oder, wie die Ricardianer sagen, Profit von gleicher H”he produzieren. Nun ist aber das Gegenteil der Fall. Tats„chlich produzieren gleiche Kapitale, einerlei wie viel oder wie wenig lebendige Arbeit sie an wenden, in gleichen Zeiten durchschnittlich gleiche Profite. Hier liegt also ein Wi- derspruch gegen das Wertgesetz vor, den schon Ricardo fand, und den seine Schule ebenfalls zu l”sen unf„hig war. Auch Rodbertus konnte nicht umhin, diesen Widerspruch zu sehn; statt ihn zu l”- sen, macht er ihn zu einem der Ausgangspunkte seiner Utopie. ("Zur Erk.", S. 131.) Diesen Widerspruch hatte Marx bereits im Manuskript "Zur Kritik" 1*) gel”st; die L”sung erfolgt nach dem Plan des "Kapital" in Buch III. 2*) Bis zu seiner Ver”ffentli- chung werden noch Monate verstreichen. Die ™konomen also, die in Rodbertus die geheime Quelle und einen berlegnen Vorg„nger von Marx entdecken wollen, haben hier eine Gelegenheit zu zeigen, was die Rodbertussche ™konomie leisten kann. Wenn sie nachweisen, wie nicht nur ohne Verletzung des Wertgesetzes, sondern vielmehr auf Grundlage desselben eine gleiche Durchschnittsprofitrate sich bilden kann und muá, dann wollen wir weiter miteinander sprechen. Inzwischen m”gen sie sich gef„lligst beeilen. Die brillanten Un- tersuchungen dieses Buch II und ihre ganz neuen Ergebnisse auf bisher fast unbetretenen Gebieten sind nur Vorders„tze zum Inhalt des Buch III, das die Schluáergebnisse der Marxschen Darstellung des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses auf kapitalisti- scher Grundlage entwickelt. Wenn dies Buch III erschienen, wird von einem ™konomen Rodbertus wenig mehr die Rede sein. Das zweite und dritte Buch des "Kapital" sollte, wie Marx ”fters sagte, seiner Frau gewidmet werden. London, an Marx' Geburtstag, 5. Mai 1885. Friedrich Engels ----- 1*) "Siehe Band 26 unserer, 2. Teil, S. 19-24, 58-65, 170-234, 428-470 - 2*) siehe Band 25 unserer Ausgabe, 1. und 2. Abschnitt #27# Vorwort ----- [Vorwort zur zweiten Auflage] Die vorliegende zweite Auflage ist der Hauptsache nach ein wort- getreuer Abdruck der ersten. Die Druckfehler sind verbessert, ei- nige stilistische Nachl„ssigkeiten beseitigt, einige kurze, nur Wiederholungen enthaltende Abs„tze gestrichen worden. Das dritte Buch, das ganz unerwartete Schwierigkeiten gemacht hat, ist nun auch beinahe im Manuskript fertiggestellt. Bleibe ich gesund, dann kann der Druck noch diesen Herbst beginnen. London, 15. Juli 1893. F. Engels #28# ----- Der bequemeren Ansicht wegen folgt hier eine kurze Zusammenstel- lung der den einzelnen Manuskripten II-VIII entlehnten Stellen: Erster Abschnitt S. 31-32 aus Ms. II. - S. 32-42 Ms. VII. - S. 42-45 Ms. VI. S. 45-120 Ms. V. - S. 120-123 Note, unter Bcherauszgen gefunden. S. 124 bis Schluá Ms. IV; jedoch eingesprengt: S. 131-132, Stelle aus Ms. VIII; S. 136 u. 142 Noten aus Ms. II. Zweiter Abschnitt Anfang, S. 154-163, ist Schluá von Ms. IV. - Von hier an bis Schluá des Abschnitts S. 350 alles aus Ms. II. Dritter Abschnitt Kap. 18: (S.351-358) aus Ms. II. Kap. 19: I u. II (S. 359-388) aus Ms. VIII. - III (S.388-390) aus Ms. II. Kap. 20: I (S. 391-393) aus Ms. II, nur der Schluáabsatz aus Ms. VIII. II (S. 394-397) im wesentlichen aus MS. II, III, IV, V (S. 397-420) aus MS. VIII. VI, VII, VIII, IX (S. 420-435) aus Ms. II. X, XI, XII (S. 435-476) aus Ms. VIII. XIII (S. 47) aus Ms. II. Kap. 21: (S. 485-518) ganz aus MS. VIII. Zweites Buch Der Zirkulationsprozeá des Kapitals #31# ----- Erster Abschnitt Die Metamorphosen des Kapitals und ihr Kreislauf ERSTES KAPITEL Der Kreislauf des Geldkapitals Der Kreislaufsprozeá 1) des Kapitals geht vor sich in drei Sta- dien, welche, nach der Darstellung des ersten Bandes, folgende Reihe bilden: Erstes Stadium: Der Kapitalist erscheint auf dem Warenmarkt und Arbeitsmarkt als K„ufer; sein Geld wird in Ware umgesetzt oder macht den Zirkulationsakt G-W durch. Zweites Stadium: Produktive Konsumtion der gekauften Waren durch den Kapitalisten. Er wirkt als kapitalistischer Warenproduzent; sein Kapital macht den Produktionsprozeá durch. Das Resultat ist: Ware von mehr Wert als dem ihrer Produktionselemente. Drittes Stadium: Der Kapitalist kehrt zum Markt zurck als Ver- k„ufer; seine Ware wird in Geld umgesetzt oder macht den Zirkula- tionsakt W-G durch. Die Formel fr den Kreislauf des Geldkapitals ist also: G-W... P... W'- G', wo die Punkte andeuten, daá der Zirkulations- prozeá unterbrochen ist, und W' wie G' ein durch Mehrwert ver- mehrtes W und G bezeichnen. Das erste und dritte Stadium wurden im ersten Buch nur er”rtert, soweit dies n”tig fr das Verst„ndnis des zweiten Stadiums, den Produktionsprozeá des Kapitals. Die verschiednen Formen, worin das Kapital in seinen verschiednen Stadien sich kleidet, und die es bei wiederholtem Kreislauf bald annimmt, bald abstreift, blie- ben daher unbercksichtigt. Sie bilden jetzt den n„chsten Gegen- stand der Untersuchung. --- 1) Aus Ms. II. #32# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- Um die Formen rein aufzufassen, ist zun„chst von allen Momenten zu abstrahieren, die mit dem Formwechsel und der Formbildung als solchen nichts zu tun haben. Daher wird hier angenommen, nicht nur, daá die Waren zu ihren Werten verkauft werden, sondern auch, daá dies unter gleichbleibenden Umst„nden geschieht. Es wird also auch abgesehn von den Wertver„nderungen, die w„hrend des Kreis- laufsprozesses eintreten k”nnen. I. Erstes Stadium. G-W 2) G-W stellt den Umsatz einer Geldsumme in eine Summe von Waren dar; fr den K„ufer Verwandlung seines Geldes in Ware, fr die Verk„ufer Verwandlung ihrer Waren in Geld. Was aus diesem Vorgang der allgemeinen Warenzirkulation zugleich einen funktionell be- stimmten Abschnitt im selbst„ndigen Kreislauf eines individuellen Kapitals macht, ist zun„chst nicht die Form des Vorgangs, sondern sein stofflicher Gehalt, der spezifische Gebrauchscharakter der Waren, welche den Platz mit dem Gelde wechseln. Es sind einer- seits Produktionsmittel, andrerseits Arbeitskraft, sachliche und pers”nliche Faktoren der Warenproduktion, deren besondre Art na- trlich der Sorte des herzustellenden Artikels entsprechen muá. Nennen wir die Arbeitskraft A, die Produktionsmittel Pm, so ist die zu kaufende Warensumme W = A + Pm. oder krzer A W < Pm G-W, seinem Inhalt nach betrachtet, stellt sich also dar als A G-W< ; Pm d.h. G-W zerf„llt in G-A und G-Pm; die Geldsumme G spaltet sich in zwei Teile, wovon der eine Arbeitskraft, der andre Produkti- onsmittel kauft. Diese eiden Reihen von K„ufen geh”ren ganz und gar verschiednen M„rkten an, die eine dem eigentlichen Waren- markt, die andre dem Arbeitsmarkt. Auáer dieser qualitativen Spaltung der Warensumme, worin G umge- setzt wird, stellt A G-W< Pm aber noch ein h”chst charakteristisches quantitatives Verh„ltnis dar. Wir wissen, daá der Wert, resp. Preis der Arbeitskraft ihrem In- haber, der sie als Ware feilh„lt, in der Form von Arbeitslohn be- zahlt wird, d.h. als Preis einer Arbeitssumme, die Mehrarbeit enth„lt; so daá, wenn z.B. der Tageswert der Arbeitskraft = 3 Mark, dem Produkt fnfstndiger Arbeit diese Summe in dem Kon- trakt zwischen K„ufer und Verk„ufer figuriert als der Preis oder Lohn, sage fr zehnstndige Arbeit. Wurde ein solcher Kontrakt z.B. mit 50 Arbeitern geschlossen, so haben sie zusammen dem K„u- fer --- 2) Von hier an Ms. VII, angefangen 2. Juli 1878. #33# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- w„hrend eines Tages 500 Arbeitsstunden zu liefern, wovon die H„lfte, 250 Arbeitsstunden = 25 zehnstndigen Arbeitstagen, bloá aus Mehrarbeit besteht. Quantum wie Umfang der zu kaufenden Pro- duktionsmittel mssen hinreichen zur Anwendung dieser Arbeits- masse. A G-W< Pm drckt also nicht nur das qualitative Verh„ltnis aus, daá eine bestimmte Geldsumme, z.B. 422 Pfd. St., in einander entsprechende Produktionsmittel und Arbeitskraft umgesetzt wird, sondern auch ein quantitatives Verh„ltnis zwischen den in Arbeitskraft A und den in Produktionstteln Pm ausgelegten Teilen des Geldes, ein Verh„ltnis, von vornherein bestimmt durch die Summe der von einer bestimmten Arbeiterzahl zu verausgabenden berschssigen Mehrar- beit. Wenn also z.B. in einer Spinnerei der Wochenlohn der 50 Arbeiter 50 Pfd.St. betr„gt, mssen 372 Pfd.St. in Produktionsmitteln ver- ausgabt werden, falls dies der Wert der Produktionsmittel, welche die Wochenarbeit von 3000 Stunden, wovon 1500 Stunden Mehrarbeit, in Garn verwandelt. Wieweit in verschiednen Industriezweigen die Anwendung zuschssi- ger Arbeit einen Wertzuschuá in der Form von Produktionsrnitteln bedingt, ist hier ganz gleichgltig. Es handelt sich nur darum, daá unter allen Umst„nden der in Produktionsmitteln verausgabte Teil des Geldes - die in G-Pm gekauften Produktionsmittel - hin- reichen, also von vornherein darauf berechnet, in entsprechender Proportion beschafft sein mssen. Oder die Masse der Produktions- mittel muá hinreichen, um die Arbeitsmasse zu absorbieren, um durch sie in Produkt verwandelt zu werden. W„ren nicht hinrei- chend Produktionsmittel vorhanden, so w„re die berschssige Ar- beit, ber die der K„ufer verfgt, nicht verwendbar; sein Verf- gungsrecht darber fhrte zu nichts. W„ren mehr Produktionsmittel vorhanden als verfgbare Arbeit, so blieben sie unges„ttigt mit Arbeit, wrden nicht in Produkt verwandelt. Sobald A G-W< Pm vollzogen, verfgt der K„ufer nicht nur ber die zur Produktion eines ntzlichen Artikels n”tigen Produktionsmittel und Arbeits- kraft. Er verfgt šber eine gr”áere Flssigmachung der Arbeits- kraft, oder gr”áeres Quantum Arbeit, als zum Ersatz des Werts der Arbeitskraft n”tig, und zugleich ber die Produktionsmittel, erheischt zur Verwirklichung oder Vergegenst„ndlichung dieser Ar- beitssumme: er verfgt also ber die Faktoren der Produktion von Artikeln von gr”áerem Wert als dem ihrer Produktionselemente, oder einer Mehrwert enthaltenden Warenmasse. Der von ihm in Geld- form vorgeschoáne Wert befindet sich also jetzt in einer Natural- form, worin er als Mehrwert (in Gestalt von Waren) heckender Wert verwirklicht werden kann. In andern Worten: er befindet sich in dem #34# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- Zustand oder der Form von p r o d u k t i v e m K a p i t a l, welches die F„higkeit hat, als Wert und Mehrwert schaffend zu fungieren. Kapital in dieser Form heiáe P. Der Wert von P ist aber = Wert von A + Pm, dem in A und Pm umge- setzten G. G ist derselbe Kapitalwert wie P, nur in verschiedner Existenzweise, n„mlich Kapitalwert in Geldzustand oder Geldform - G e l d k a p i t a l. A G-W< , Pm oder seiner allgemeinen Form nach G-W, Summe von Warenk„ufen, dieser Vorgang der allgemeinen Warenzirkulation ist daher zugleich, als Stadium im selbst„ndigen Kreislaufprozeá des Kapi- tals, Verwandlung des Kapitalwerts aus seiner Geldform in seine produktive Form, oder krzer Verwandlung von G e l d k a p i t a l in p r o d u k t i v e s K a p i t a l. In der hier zun„chst betrachteten Figur des Kreislaufs erscheint also Geld als der erste Tr„ger des Kapitalwerts, daher Geldkapi- tal als die Form, worin das Kapital vorgeschossen wird. Als Geldkapital befindet es sich in einem Zustand, worin es Geld- funktionen vollziehen kann, wie im vorliegenden Fall die Funktio- nen des allgemeinen Kaufmittels und des allgemeinen Zahlungsmit- tels. (Letztres, sofern die Arbeitskraft zwar zuerst gekauft, aber erst gezahlt wird, nachdem sie gewirkt hat. Soweit die Pro- duktionsmittel nicht fertig auf dem Markt vorhanden, sondern erst zu bestellen sind, wirkt das Geld bei G-Pm ebenfalls als Zah- lungsmittel.) Diese F„higkeit entspringt nicht daraus, daá das Geldkapital Kapital, sondern daraus, daá es Geld ist. Andrerseits kann der Kapitalwert im Geldzustand auch nur Geld- funktionen, und keine andern, verrichten. Was diese letztren zu Kapitanktionen macht, ist ihre bestimmte Rolle in der Bewegung des Kapitals, daher auch der Zusammenhang des Stadiums, worin sie erscheinen, mit den andern Stadien seines Kreislaufs. Z.B. im Fall, der uns zun„chst vorliegt, wird Geld umgesetzt in Waren, deren Verbindung die Naturalform des produktiven Kapitals bildet, die also latent, der M”glichkeit nach, bereits das Resultat des kapitalistischen Produktionsprozesses in sich birgt. Ein Teil des Geldes, welches in A G-W< Pm die Funktion von Geldkapital verrichtet, geht durch die Vollzie- hung dieser Zirkulation selbst in eine Funktion ber, worin sein Kapitaicharakter verschwindet und sein Geldcharakter bleibt. Die Zirkulation des Geldkapitals G zerf„llt in G-Pm und G-A, Kauf von Produktionsmitteln und Kauf von Arbeitskraft. Betrachten wir den Letztem Vorgang fr sich. G-A ist Kauf von Arbeitskraft seitens des Kapitalisten; es ist Verkauf der Arbeitskraft - wir k”nnen hier sagen der Arbeit, da die Form des Arbeitslohns vorausgesetzt - von seiten des Arbeiters, des Inhabers der Arbeitskraft. Was fr den K„ufer G-W (= G-A), ist hier, wie bei jedem Kauf, fr den Verk„ufer (den Arbeiter) A-G (= W-G), #35# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- Verkauf seiner Arbeitskraft. Dies ist das erste Zirkulationssta- dium oder die erste Metamorphose der Ware (Buch I, Kap. III 2a); es ist, seitens des Verk„ufers der Arbeit, Verwandlung seiner Ware in ihre Geldform. Das so erhaltne Geld verausgabt der Arbei- ter nach und nach in einer Summe von Waren, die seine Bedrfnisse befriedigen, in Konsumtionsartikeln. Die Gesamtzirkulation seiner Ware stellt sich also dar als A-G-W, d.h. erstens A-G (= W-G) und zweitens G-W, also in der allgemeinen Form der einfachen Waren- zirkulation W-G-W, wo das Geld als bloáes verschwindendes Zirku- lationsmittel, als bloáer Vermittler des Umsatzes von Ware gegen Ware figuriert. G-A ist das charakteristische Moment der Verwandlung von Geldka- pital in produktives Kapital, weil es die wesentliche Bedingung, damit der in Geldform vorgeschoáne Wert sich wirklich in Kapital, in Mehrwert produzierenden Wert verwandle. G-Pm ist nur notwen- dig, um die durch G-A gekaufte Arbeitsmasse zu realisieren. G-A wurde daher von diesem Gesichtspunkt aus dargestellt in Buch I, Abschn. II, Verwandlung von Geld in Kapital. Die Sache ist hier noch von einem andern Gesichtspunkt aus zu betrachten, mit spe- ziellem Bezug auf das Geldkapital als Erscheinungsform des Kapi- tals. G-A wird allgemein als charakteristisch angesehn fr die kapita- listische Produktionsweise. Aber keineswegs aus dem angegebnen Grund, weil der Kauf der Arbeitskraft ein Kaufkontrakt ist, worin die Lieferung eines gr”áern Quantums Arbeit bedungen wird, als zum Ersatz des Preises der Arbeitskraft, des Arbeitslohns, n”tig ist; also Lieferung von Mehrarbeit, die Grundbedingung fr die Kapitalisation des vorgeschoánen Werts, oder was dasselbe, fr Produktion von Mehrwert. Sondern vielmehr seiner Form halber, weil in der Form des Arbeitslohns m i t G e l d Arbeit gekauft wird, und dies gilt als Merkmal der Geldwirtschaft. Hier ist es wieder nicht das Irrationelle der Form, welches fr charakteristisch gilt. Dies Irrationelle wird vielmehr bersehn. Das Irrationelle besteht darin, daá die Arbeit als wertbildendes Element selbst keinen Wert besitzen, also auch ein bestimmtes Quantum Arbeit keinen Wert haben kann, der sich in ihrem Preise ausdrckt, in ihrer Žquivalenz mit einem bestimmten Quantum Geld. Aber wir wissen, daá der Arbeitslohn bloá eine verkleidete Form ist, eine Form, worin z.B. der Tagespreis der Arbeitskraft sich als Preis der w„hrend eines Tages von dieser Arbeitskraft flssig gemachten Arbeit darstellt, so daá also etwa der in 6 Stunden Ar- beit von dieser Arbeitskraft produzierte Wert als Wert ihrer zw”lfstndigen Funktion oder Arbeit ausgckt wird. #36# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- G-A gilt als das Charakteristische, als die Signatur der sog. Geldwirtschaft, weil die Arbeit hier als Ware ihres Besitzers er- scheint, das Geld daher als K„ufer - also wegen des Geldverh„lt- nisses (d.h. Kauf und Verkauf von menschlicher T„tigkeit). Nun aber erscheint das Geld schon sehr frh als K„ufer sogenannter Dienste, ohne daá G sich in Geldkapital verwandelte oder der all- gemeine Charakter der Wirtschaft umgew„lzt wrde. Dem Geld ist es durchaus gleichgltig, in welche Sorte von Waren es verwandelt wird. Es ist die allgemeine Žquivalentform aller Waren, die in ihren Preisen schon zeigen, daá sie ideell eine be- stimmte Geldsumme darstellen, ihre Verwandlung in Geld erwarten, und nur durch ihren Stellenwechsel mit Geld die Form erhalten, worin sie in Gebrauchswerte fr ihre Besitzer umsetzbar sind. Findet sich also auf dem Markt die Arbeitskraft einmal als Ware ihres Besitzers vor, deren Verkauf unter der Form der Zahlung fr Arbeit geschieht, in Gestalt des Arbeitslohns, so stellt ihr Kauf und Verkauf nichts Auffallenderes dar als der Kauf und Verkauf jeder andern Ware. Nicht, daá die Ware Arbeitskraft k„uflich ist, sondern daá die Arbeitskraft als Ware erscheint, ist das Charak- teristische. Durch A G-W< , Pm die Verwandlung von Geldkapital in produktives Kapital, bewirkt der Kapitalist die Verbindung der gegenst„ndlichen und pers”nli- chen Faktoren der Produktion, soweit diese Faktoren aus Waren be- stehn. Wird Geld zum ersten Mal in produktives Kapital verwan- delt, oder fungiert es fr seinen Besitzer zum ersten Mal als Geldkapital, so muá er erst die Produktionsmittel kaufen, Ar- beitsgeb„ude, Maschinen etc., ehe er die Arbeitskraft kauft; denn sobald letztre in seine Botm„áigkeit bergeht, mssen die Produk- tionsmittel da sein, um sie als Arbeitskraft anwenden zu k”nnen. So stellt sich die Sache von seiten des Kapitalisten dar. Von seiten des Arbeiters: Die produktive Bet„tigung seiner Ar- beitskraft wird erst m”glich von dem Augenblick, wo sie infolge ihres Verkaufs in Verbindung mit den Produktionsmitteln gesetzt wird. Sie existiert also vor dem Verkauf getrennt von den Produk- tionsmitteln, von den gegenst„ndlichen Bedingungen ihrer Bet„ti- gung. In diesem Zustand der Trennung kann sie weder direkt ver- wandt werden zur Produktion von Gebrauchswerten fr ihren Besit- zer, noch zur Produktion von Waren, von deren Verkauf dieser le- ben k”nnte. Sobald sie aber durch ihren Verkauf in Verbindung mit den Produktionsmitteln gesetzt ist, bildet sie einen Bestandteil des produktiven Kapitals ihres K„ufers, ebensogut wie die Produk- tionsmittel. Obgleich daher in dem Akt G-A Geldbesitzer und Arbeitskraftbesit- zer sich nur als K„ufer und Verk„ufer zueinander verhalten, als Geldbesitzer #37# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- und Warenbesitzer einander gegenbertreten, sich also nach dieser Seite hin in bloáem Geldverh„ltnis zueinander befinden, - so tritt doch der K„ufer von vornherein zugleich als Besitzer der Produktionsmittel auf, welche die gegenst„ndlichen Bedingungen der produktiven Verausgabung der Arbeitskraft durch ihren Besit- zer bilden. Mit andern Worten: diese Produktionsmittel treten dem Besitzer der Arbeitskraft gegenber als fremdes Eigentum. Andrer- seits steht der Verk„ufer der Arbeit ihrem K„ufer gegenber als fremde Arbeitskraft, die in seine Botm„áigkeit bergehn, seinem Kapital einverleibt werden muá, damit dies wirklich als produkti- ves Kapital sich bet„tige. Das Klassenverh„ltnis zwischen Kapita- list und Lehnarbeiter ist also schon vorhanden, schon vorausge- setzt, in dem Augenblick, wo beide in dem Akt G-A (A-G von seiten des Arbeiters) sich gegenbertreten. Es ist Kauf und Verkauf, Geldverh„ltnis, aber ein Kauf und Verkauf, wo der K„ufer als Ka- pitalist und der Verk„ufer als Lohnarbeiter vorausgesetzt wird, und dies Verh„ltnis ist damit gegeben, daá die Bedingungen zur Verwirklichung der Arbeitskraft - Lebensmittel und Produktions- mittel getrennt sind als fremdes Eigentum von dem Besitzer der Arbeitskraft. Wie diese Trennung entsteht, besch„ftigt uns hier nicht. Sie exi- stiert, sobald G-A vollzogen wird. Was uns hier interessiert, ist: Wenn G-A als eine Funktion des Geldkapitals erscheint, oder Geld hier als Existenzform des Kapitals, so keineswegs bloá, weil das Geld hier auftritt als Zahlungsmittel fr eine menschliche T„tigkeit, die einen Nutzeffekt hat, fr einen Dienst; also kei- neswegs durch die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel. Das Geld kann in dieser Form nur verausgabt werden, weil die Arbeits- kraft im Zustand der Trennung von ihren Produktionsmitteln (einschlieálich der Lebensmittel als Produktionsmittel der Ar- beitskraft selbst) sich befindet; und weil diese Trennung nur da- durch aufgehoben wird, daá die Arbeitskraft an den Inhaber der Produktionsmittel verkauft wird; daá also auch die Flssigmachung der Arbeitskraft, deren Grenzen keineswegs nut den Grenzen der zur Reproduktion ihres eignen Preises n”tigen Arbeitsmasse zusam- menfallen, dem K„ufer geh”rt. Das Kapitalverh„ltnis w„hrend des Produktionsprozesses kommt nur heraus, weil es an sich im Zirku- lationsakt existiert, in den unterschiednen ”konomischen Grundbe- dingungen, worin K„ufer und Verk„ufer sich gegenbertreten, in ihrem Klassenverh„ltnis. Es ist nicht das Geld, mit dessen Natur das Verh„ltnis gegeben ist; es ist vielmehr das Dasein dieses Verh„ltnisses, eine bloáe Geldfunktion in eine Kapitalfunktion verwandeln kann. Bei Auffassung des Geldkapitals (wir haben mit diesem einstweilen nur zu tun innerhalb der bestimmten Funktion, in der es uns hier gegenbertritt) #38# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- laufen gew”hnlich zwei Irrtmer neben- oder durcheinander. Er- stens: Die Funktionen, die der Kapitalwert als Geldkapital ver- richtet, und die er eben verrichten kann, weil er sich in Geld- form befindet, werden irrtmlich aus seinem Kapitalcharakter ab- geleitet, w„hrend sie nur dem Geldzustand des Kapitalwerts ge- schuldet sind, seiner Erscheinungsform als Geld. Und zweitens um- gekehrt: Der spezifische Gehalt der Geldfunktion, der sie zugleich zu einer Kapitalfunktion macht, wird aus der Natur des Geldes hergeleitet (Geld daher mit Kapital verwechselt), w„hrend sie gesellschaftliche Bedingungen voraussetzt, wie hier in Voll- ziehung von G-A, die in bloáer Waren- und entsprechender Geldzir- kulation keineswegs gegeben sind. Auch der Kauf und Verkauf von Sklaven ist seiner Form nach Warenkauf und -verkauf. Ohne Exi- stenz der Sklaverei kann Geld aber nicht diese Funktion voll- ziehn. Ist Sklaverei da, so kann Geld im Ankauf von Sklaven aus- gelegt werden. Umgekehrt reicht Geld in der Hand des K„ufers kei- nes Wegs hin, um Sklaverei zu erm”glichen. Daá der Verkauf der eignen Arbeitskraft (in der Form des Verkaufs der eignen Arbeit oder des Arbeitslohns) nicht als isolierte Er- scheinung, sondern als gesellschaftlich maágebende Voraussetzung der Produktion von Waren sich darstelle, daá also das Geldkapital auf gesellschaftlicher Stufenleiter die hier betrachtete Funktion A G-W< Pm vollziehe, - dies unterstellt historische Prozesse, durch welche die ursprngliche Verbindung der Produktionsmittel mit der Ar- beitskraft aufgel”st wurde; Prozesse, infolge deren die Masse des Volks, die Arbeiter, als Nichteigentmer und die Nichtarbeiter als Eigentmer dieser Produktionsmittel sich gegenberstehn. Wo- bei es nichts zur Sache tut, ob die Verbindung vor ihrer Zerset- zung die Form besaá, daá der Arbeiter selbst als Produktionsmit- tel zu den andern Produktionsmitteln geh”rte, oder ob er deren Eigner war. Der Tatbestand, der hier also dem Akt A G-W< Pm zugrunde liegt, ist die Verteilung; nicht die Verteilung im ge- w”hnlichen Sinn als Verteilung der Konsumtionsmittel, sondern die Verteilung der Elemente der Produktion selbst, von denen die ge- genst„ndlichen Faktoren auf der einen Seite konzentriert sind, die Arbeitskraft davon isoliert auf der andern. Die Produktionsmittel, der gegenst„ndliche Teil des produktiven Kapitals, mssen also dem Arbeiter schon als solche, als Kapital gegenberstehn, bevor der Akt G-A ein allgemein gesellschaftli- cher Akt werden kann. Wir haben frher 1*) gesehn, daá die kapi- talistische Produktion, einmal etabliert, in ihrer Entwicklung nicht nur diese Trennung reproduziert, ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausgabe. 7. Abschnitt, S. 589-802 #39# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- sondern sie auf stets gr”áem Umfang erweitert, bis sie der allge- mein herrschende gesellschaftliche Zustand geworden. Die Sache bietet aber noch eine andre Seite dar. Damit das Kapital sich bilden und sich der Produktion bem„chtigen kann, ist eine gewisse Entwicklungsstufe des Handels vorausgesetzt, also auch der Waren- zirkulation und damit der Warenproduktion; denn es k”nnen nicht Artikel als Waren in die Zirkulation eingehn, sofern sie nicht fr den Verkauf, also als Waren, produziert werden. Als normaler, herrschender Charakter der Produktion erscheint die Warenproduk- tion aber erst auf Grundlage der kapitalistischen Produktion. Die russischen Grundeigentmer, die infolge der sog. Bauerneman- zipation ihre Landwirtschaft jetzt mit Lohnarbeitern statt mit leibeignen Zwangsarbeitern betreiben, klagen ber zweierlei: Er- stens ber Mangel an Geldkapital. So heiát es z.B.: Bevor man die Ernte verkauft, habe man Lohnarbeitern in gr”áerem Umfang zu zah- len, und da fehle es an der ersten Bedingung, an Barem. Kapital in der Form von Geld muá gerade zur Zahlung des Arbeitslohns be- st„ndig vorhanden sein, um die Produktion kapitalistisch zu be- treiben. Doch darber m”gen sich die Grundbesitzer tr”sten. Mit der Zeit pflckt man Rosen, und verfgt der industrielle Kapita- list nicht nur ber sein eignes Geld, sondern auch ber l'argent des autres 1*). Charakteristischer aber ist die zweite Klage, n„mlich: daá, wenn man auch Geld habe, man nicht in hinreichendem Umfang und zu be- liebiger Zeit die zu kaufenden Arbeitskr„fte disponibel finde, indem der russische Landarbeiter infolge des Gemeineigentums der Dorfgemeinde an Grund und Boden noch nicht v”llig von seinen Pro- duktionsmitteln getrennt, daher noch kein "freier Lohnarbeiter" im vollen Sinne des Wortes ist. Aber das Vorhandensein des letz- tren auf gesellschaftlicher Stufenleiter ist unerl„áliche Bedin- gung, damit G-W, Verwandlung von Geld in Ware, als Verwandlung von Geldkapital in produktives Kapital, darstellbar sei. Es versteht sich daher von selbst, daá die Formel fr den Kreis- lauf des Geldkapitals: G-W... P... W'-G' selbstverst„ndliche Form des Kapitalkreislaufs nur auf Grundlage schon entwickelter kapi- talistischer Produktion ist, weil sie das Vorhandensein der Lohn- arbeiterklasse auf gesellschaftlicher Stufe voraussetzt. Die ka- pitalistische Produktion, wie wir gesehn, produziert nicht nur Ware und Mehrwert; sie reproduziert, und in stets erweitertem Um- fang, die Klasse der Lohnarbeiter und verwandelt die ungeheure Majorit„t der unmittelbaren Produzenten in Lohnarbeiter. G-W... P... W'-G', da die erste Voraussetzung seines Verlaufs das be- st„ndige Vorhandensein ----- 1*) das Geld der anderen #40# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- der Lohnarbeiterklasse, unterstellt daher schon das Kapital in der Form des produktiven Kapitals, und daher die Form des Kreis- laufs des produktiven Kapitals. #40# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- II. Zweites Stadium. Funktion des produktiven Kapitals Der hier betrachtete Kreislauf des Kapitals beginnt mit dem Zir- kulationsakt G-W, der Verwandlung von Geld in Ware, Kauf. Die Zirkulation muá also erg„nzt werden durch die entgegengesetzte Metamorphose W-G, Verwandlung von Ware in Geld, Verkauf. Aber das unmittelbare Resultat von A G-W< Pm ist die Unterbrechung der Zirkulation des in Geldform vorgeschoá- nen Kapitalwerts. Durch die Verwandlung von Geldkapital in pro- duktives Kapital hat der Kapitalwert eine Naturalform erhalten, worin er nicht fortzirkulieren kann, sondern in die Konsumtion, n„mlich in die produktive Konsumtion, eingehen muá. Der Gebrauch der Arbeitskraft, die Arbeit, kann nur im Arbeitsprozeá reali- siert werden. Der Kapitalist kann den Arbeiter nicht wieder als Ware verkaufen, da dieser nicht sein Sklave ist, und jener weiter nichts gekauft hat, als die Vernutzung seiner Arbeitskraft auf bestimmte Zeit. Er kann andrerseits die Arbeitskraft nur vernut- zen, indem er durch sie die Produktionsmittel als Warenbildner vernutzen l„át. Das Resultat des ersten Stadiums ist also der Eintritt in das zweite, das produktive Stadium des Kapitals. Die Bewegung stellt sich dar als A G-W< ...P, Pm wo die Punkte andeuten, daá die Zirkulation des Kapitals unter- brochen ist, sein Kreislaufsprozeá aber fortdauert, indem es aus der Sph„re der Warenzirkulation in die Produktionssph„re ein- tritt. Das erste Stadium, die Verwandlung von Geldkapital in pro- duktives Kapital, erscheint also nur als Vorl„ufer und Einlei- tungsphase des zweiten Stadiums, der Funktion des produktiven Ka- pitals. A G-W< Pm setzt voraus, daá das Individuum, welches diesen Akt vollzieht, nicht nur ber Werte in beliebiger Gebrauchsform verfgt, sondern daá es diese Werte in Geldform besitzt, da es Geldbesitzer ist. Der Akt besteht aber gerade in der Weggabe des Geldes, und jener kann nur Geldbesitzer bleiben, soweit ihm das Geld implizite durch den Akt der Weggabe selbst zurckstr”mt. Geld kann ihm aber nur zurckflieáen durch den Verkauf von Waren. Der Akt setzt ihn also voraus als Warenproduzenten. G-A. Der Lohnarbeiter lebt nur vom Verkauf der Arbeitskraft. Ihre Erhaltung - seine Selbsterhaltung - erfordert t„gliche Konsum- tion. Seine #41# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- Zahlung muá also best„ndig in krzern Terminen wiederholt werden, damit er die zu seiner Selbsterhaltung n”tigen Eink„ufe - den Akt A-G-W oder W-G-W - wiederholen kann. Der Kapitalist muá ihm daher best„ndig als Geldkapitalist und sein Kapital als Geldkapital ge- genbertreten. Andrerseits aber, damit die Masse der unmittelba- ren Produzenten, der Lohnarbeiter, den A-G-W vollziehn k”nne, mssen ihr die notwendigen Lebensmittel in k„uflicher, d.h. in Warenform, best„ndig gegenbertreten. Dieser Zustand erheischt also schon einen hohen Grad der Zirkulation der Produkte als Wa- ren, also auch des Umfangs der Warenproduktion. Sobald die Pro- duktion vermittelst Lohnarbeit allgemein, muá die Warenproduktion die allgemeine Form der Produktion sein. Diese als allgemein vor- ausgesetzt, bedingt ihrerseits eine stetig wachsende Teilung der gesellschaftlichen Arbeit, d.h. stets gr”áre Besondrung des Pro- dukts, das als Ware von einem bestimmten Kapitalisten produziert wird, stets gr”áre Spaltung sich erg„nzender Produktionsprozesse in verselbst„ndigte. In demselben Grad wie G-A entwickelt sich daher G-Pm; d.h. in demselben Umfang trennt sich die Produktion der Produktionsmittel von der der Ware, deren Produktionsmittel sie sind, und treten diese jedem Warenproduzenten selbst als Wa- ren gegenber, die er nicht produziert, sondern zum Behuf seines bestimmten Produktionsprozesses kauft. Sie kommen heraus, von dem seinen vollst„ndig getrennten, selbst„ndig betriebnen Produkti- onszweigen, und gehn ein in seinen Produktionszweig als Waren, mssen daher gekauft werden. Die sachlichen Bedingungen der Wa- renproduktion treten ihm in immer gr”árem Umfang als Produkte andrer Warenproduzenten, als Waren, gegenber. In demselben Um- fang muá der Kapitalist als Geldkapitalist auftreten, oder erwei- tert sich der Maástab, worauf sein Kapital als Geldkapital fun- gieren muá. Andrerseits: Dieselben Umst„nde, welche die Grundbedingung der kapitalistischen Produktion produzieren - das Dasein einer Lohn- arbeiterklasse -, sollizitieren den šbergang aller Warenproduk- tion in kapitalistische Warenproduktion. Im Umfang wie diese sich entwickelt, wirkt sie zersetzend und aufl”send auf jede „ltre Form der Produktion, die, vorzugsweis auf unmittelbaren Selbstbe- darf gerichtet, nur den šberschuá des Produkts in Ware verwan- delt. Sie macht den Verkauf des Produkts zum Hauptinteresse, zun„chst ohne scheinbar die Produktionsweise selbst anzugreifen, wie dies z.B. die erste Wirkung des kapitalistischen Welthandels auf solche V”lker war, wie Chinesen, Indier, Araber etc. Zweitens aber, wo sie Wurzel gegriffen, zerst”rt sie alle Formen der Wa- renproduktion, die entweder auf Selbstarbeit der Produzenten ge- grndet, oder bloá auf den Verkauf des #42# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- berschssigen Produkts als Ware. Sie verallgemeinert zuerst die Warenproduktion und verwandelt dann stufenweise alle Warenproduk- tion in kapitalistische. 3) Welches immer die gesellschaftlichen Formen der Produktion, Ar- beiter und Produktionsmittel bleiben stets ihre Faktoren. Aber die einen und die andern sind dies nur der M”glichkeit nach im Zustand ihrer Trennung voneinander. Damit berhaupt produziert werde, mssen sie sich verbinden. Die besondre Art und Weise, worin diese Verbindung bewerkstelligt wird, unterscheidet die verschiednen ”konomischen Epochen der Gesellschaftsstruktur. Im vorliegenden Fall ist die Trennung des freien Arbeiters von sei- nen Produktionsmitteln der gegebne Ausgangspunkt, und wir haben gesehn, wie und unter welchen Bedingungen beide in der Hand des Kapitalisten vereint werden - n„mlich als produktive Daseinsweise seines Kapitals. Der wirkliche Prozeá, den die so zusammenge- brachten pers”nlichen und sachlichen Warenbildner miteinander eingehn, der Produktionsprozeá, wird daher selbst eine Funktion des Kapitals - kapitalistischer Produktionsprozeá, dessen Natur ausfhrlich im ersten Buch dieser Schrift entwickelt worden. Je- der Betrieb der Warenproduktion wird zugleich Betrieb der Ausbeu- tung der Arbeitskraft; aber erst die kapitalistische Warenproduk- tion wird zu einer epochemachenden Ausbeutungsweise, die in ihrer geschichtlichen Fortentwicklung durch die Organisation des Ar- beitsprozesses und die riesenhafte Ausbildung der Technik die ganze ”konomische Struktur der Gesellschaft umw„lzt und alle fr- heren Epochen unvergleichbar bergipfelt. Durch die verschiednen Rollen, die sie w„hrend des Produktions- prozesses bei der Wertbildung, also auch in der Erzeugung von Mehrwert spielen, unterscheiden sich Produktionsmittel und Ar- beitskraft, soweit sie Existenzformen des vorgeschoánen Kapital- werts, als konstantes und variables Kapital. Als verschiedne Be- standteile des produktiven Kapitals unterscheiden sie sich ferner dadurch, daá die erstern, im Besitz des Kapitalisten, sein Kapi- tal bleiben auch auáerhalb des Produktionsprozesses, w„hrend bloá innerhalb desselben die Arbeitskraft Daseinsform eines individu- ellen Kapitals wird. Wenn die Arbeitskraft nur in der Hand ihres Verk„ufers, des Lohnarbeiters, Ware ist, so wird sie dagegen Ka- pital nur in der Hand ihres K„ufers, des Kapitalisten, dem ihr zeitweiser Gebrauch zuf„llt. Die Produktionsmittel selbst werden nur gegenst„ndliche Gestalten des produktiven Kapitals, oder pro- duktives Kapital, von dem Augenblick, wo ihnen die --- 3) Bis hierher Manuskript VII. Von hier an Manuskript VI. #43# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ------ Arbeitskraft, als pers”nliche Daseinsform desselben, einverleib- bar geworden ist. So wenig also menschliche Arbeitskraft von Na- tur Kapital, so wenig sind es die Produktionsmittel. Sie erhalten diesen spezifischen gesellschaftlichen Charakter nur unter be- stimmten, geschichtlich entwickelten Bedingungen, wie nur unter solchen den edlen Metallen der des Geldes, oder gar dem Geld der des Geldkapitals ausgepr„gt wird. Indem es fungiert, verbraucht das produktive Kapital seine eignen Bestandteile, um sie in eine h”herwertige Produktenmasse umzuset- zen. Da die Arbeitskraft nur als eins seiner Organe wirkt, ist auch der durch ihre Mehrarbeit erzeugte šberschuá des Pro- duktwerts ber den Wert seiner Bildungselemente die Frucht des Kapitals. Die Mehrarbeit der Arbeitskraft ist die Gratisarbeit des Kapitals und bildet daher fr den Kapitalisten Mehrwert, einen Wert, der ihm kein Žquivalent kostet. Das Produkt ist daher nicht nur Ware, sondern mit Mehrwert befruchtete Ware. Ihr Wert ist = P + M, gleich dem Wert des in ihrer Herstellung verzehrten produktiven Kapitals P plus dem von ihm erzeugten Mehrwert M. Un- terstellen wir, diese Ware bestehe aus 10 000 Pfund Garn, in de- ren Herstellung Produktionsmittel zum Wert von 372 Pfd.St. und Arbeitskraft zum Wert von 50 Pfd.St. verbraucht worden. W„hrend des Spinnprozesses bertrugen die Spinner den Wert der durch ihre Arbeit verzehrten Produktionsmittel im Belauf von 372 Pfd.St. auf das Garn, wie sie zugleich, entsprechend ihrer Arbeitsausgabe, einen Neuwert von, sage 128 Pfd.St. darstellten. Die 10 000 Pfund Garn sind daher Tr„ger eines Werts von 500 Pfd.St. #43# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ------ III. Drittes Stadium. W'-G' Ware wird Warenkapital als unmittelbar aus dem Produktionsprozeá selbst entsprungene funktionelle Daseinsform des bereits verwer- teten Kapitalwerts. Wrde die Warenproduktion in ihrem ganzen ge- sellschaftlichen Umfang kapitalistisch betrieben, so w„re alle Ware von Haus aus Element eines Warenkapitals, bestehe sie nun aus Roheisen oder Brsseler Spitzen, Schwefels„ure oder Zigarren. Das Problem, welche Sorten des Warenheers durch ihre Beschaffen- heit zum Kapitalrang bestimmt, welche andere zum gemeinen Waren- dienst, ist eins der selbstgeschaffnen holden Drangsale der scho- lastischen ™konomie. In einer Warenform muá das Kapital Warenfunktion verrichten. Die Artikel, woraus es besteht, von Haus aus fr den Markt produ- ziert, mssen verkauft, in Geld verwandelt werden, also die Bewe- gung W-G durchlaufen. #44# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- Die Ware des Kapitalisten bestehe aus 10 000 Pfund Baumwollen- garn. Wurden im Spinnprozeá Produktionsmittel zum Wert von 372 Pfd.St. verzehrt und ein Neuwert von 128 Pfd.St. geschaffen, so hat das Garn einen Wert von 500 Pfd.St., welchen es ausdrckt in seinem gleichnamigen Preise. Dieser Preis werde realisiert durch den Verkauf W-G. Was macht diesen einfachen Vorgang aller Waren- zirkulation gleichzeitig zu einer Kapitalfunktion? Keine Ver„nde- rung, die sich innerhalb desselben ereignet, sei es mit Bezug auf ihren Gebrauchscharakter, denn als Gebrauchsgegenstand geht die Ware an den K„ufer ber, sei es mit Bezug auf ihren Wert, denn dieser erleidet keinen Gr”áenwechsel, sondern nur einen Formwech- sel. Erst existierte er in Garn, jetzt existiert er in Geld. So tritt ein wesentlicher Unterschied hervor zwischen dem ersten Stadium G-W 1*) und dem letzten Stadium W-G. Dort fungiert das vorgeschoáne Geld als Geldkapital, weil es sich vermittelst der Zirkulation in Waren von spezifischem Gebrauchswert umsetzt. Hier kann die Ware nur als Kapital fungieren, sofern sie diesen Cha- rakter schon fertig aus dem Produktionsprozeá mitbringt, bevor ihre Zirkulation beginnt. W„hrend des Spinnprozesses schufen die Spinner Garnwert zum Belauf von 128 Pfd.St. Davon bilden, sage 50 Pfd.St., dem Kapitalisten bloá ein Žquivalent fr seine Auslage in Arbeitskraft, und 78 Pfd.St. - bei einem Exploitationsgrad der Arbeitskraft von 156% - bilden Mehrwert. Der Wert der 10 000 Pfund Garn enth„lt also erstens den Wert des aufgezehrten produk- tiven Kapitals P, wovon der konstante Teil = 372 Pfd.St., der va- riable = 50 Pfd.St., ihre Summe = 422 Pfd.St., = 8440 Pfund Garn. Der Wert des produktiven Kapitals P ist aber = W, dem Wert seiner Bildungselemente, die in dem Stadium G-W dem Kapitalisten als Wa- ren in den H„nden ihrer Verk„ufer gegenberstanden. - Zweitens aber enth„lt der Wert des Garns einen Mehrwert von 78 Pfd.St. 1560 Pfund Garn. W als Wertausdruck der 10 000 Pfund Garn ist also W + delta W, W plus einem Inkrement von W (= 78 Pfd.St.), welches wir w nennen wollen, da es in derselben Warenform exi- stiert wie jetzt der ursprngliche Wert W. Der Wert der 10 000 Pfund Garn = 500 Pfd.St. ist also = W + w = W'. Was W, als Wert- ausdruck der 10 000 Pfund Garn, zu W' macht, ist nicht seine ab- solute Wertgr”áe (500 Pfd.St.), denn sie ist wie bei allen andern W als Wertausdruck irgendeiner andern Warensumme bestimmt durch die Gr”áe der in ihr vergegenst„ndlichten Arbeit. Es ist eine re- lative Wertgr”áe, seine Wertgr”áe verglichen mit dem Wert des in seiner Produktion aufgezehrten Kapitals P. Dieser Wert ist in ihr enthalten, ----- 1*) 1. und 2.AufIage: W-G; ge„ndert nach der Druckvorlage von En- gels. #45# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- plus dem vom produktiven Kapital gelieferten Mehrwert. Sein Wert ist gr”áer, berschssig ber diesen Kapitalwert, um diesen Mehr- wert w. Die 10 000 Pfund Garn sind Tr„ger des verwerteten, mit einem Mehrwert bereicherten Kapitalwerts, und sind dies als Pro- dukt des kapitalistischen Produktionsprozesses. W' drckt ein Wertverh„ltnis aus, das Verh„ltnis des Werts des Warenprodukts zu dem des in seiner Produktion verausgabten Kapitals, also die Zu- sammensetzung seines Werts aus Kapitalwert und Mehrwert. Die 10 000 Pfund Garn sind Warenkapital, W', nur als verwandelte Form des produktiven Kapitals P, also in einem Zusammenhang, der zun„chst nur im Kreislauf dieses individuellen Kapitals exi- stiert, oder fr den Kapitalisten, der mit seinem Kapital Garn produziert hat. Es ist sozusagen nur ein inneres, kein ausw„rti- ges Verh„ltnis, das die 10 000 Pfund Garn als Werttr„ger zu Wa- renkapital macht; sie tragen ihr kapitalistisches Muttermal nicht in der absoluten Gr”áe ihres Werts, sondern in seiner relativen Gr”áe, in ihrer Wertgr”áe verglichen mit der, die das in ihnen enthaltene produktive Kapital besaá, ehe es sich in Ware verwan- delt. Werden daher die 10 000 Pfund Garn zu ihrem Wert von 500 Pfd.St. verkauft, so ist dieser Zirkulationsakt, fr sich be- trachtet, = W-G, bloáe Verwandlung eines gleichbleibenden Werts aus Warenform in Geldform. Aber als besonderes Stadium im Kreis- lauf eines individuellen Kapitals ist derselbe Akt Realisierung des von der Ware getragnen Kapitalwerts von 422 Pfd.St. + dem von ihr getragnen Mehrwert von 78 Pfd.St., also W'-G', Verwandlung des Warenkapitals aus seiner Warenform in Geldform. 4) Die Funktion von W' ist nun die alles Warenprodukts: sich in Geld zu verwandeln, verkauft zu werden, die Zirkulationsphase W-G durchzumachen. Solange das jetzt verwertete Kapital in der Form des Warenkapitals verharrt, auf dem Markt festliegt, steht der Produktionsprozeá still. Es wirkt weder als Produkt- noch als Wertbildner. Je nach dem verschiednen Grad der Geschwindigkeit, womit das Kapital seine Warenform abst”át und seine Geldform an- nimmt, oder je nach der Raschheit des Verkaufs, wird derselbe Ka- pitalwert in sehr ungleichem Grad als Produkt- und Wertbildner dienen und die Stufenleiter der Reproduktion sich ausdehnen oder verkrzen. Es wurde im ersten Buch gezeigt, daá der Wirkungsgrad eines gegebnen Kapitals durch Potenzen des Produktionsprozesses bedingt ist, die von seiner eignen Wertgr”áe in gewissem Grad un- abh„ngig sind. 1*) --- 4) Bis hierher Manuskript VI. Von hier an Manuskript V. ----- 1*) Siehe Band 23 unserer Ausg S. 629-631 #46# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- Hier zeigt sich, daá der Zirkulationsprozeá neue, von der Wert- gr”áe des Kapitals unabh„ngige Potenzen seines Wirkungsgrads, seiner Expansion und Kontraktion in Bewegung setzt. Die Warentnasse W', als Tr„ger des verwerteten Kapitals, muá fer- ner in ihrem ganzen Umfang die Metamorphose W'-G' durchmachen. Die Quantit„t des Verkauften wird hier wesentliche Bestimmung. Die einzelne Ware figuriert nur noch als integrierender Teil der Gesamtmasse. Die 500 Pfd.St. Wert existieren in 10 000 Pfund Garn. Gelingt es dem Kapitalisten, nur 7440 Pfund zu ihrem Wert von 372 Pfd.St. zu verkaufen, so hat er nur den Wert seines kon- stanten Kapitals, den Wert der verausgabten Produktionsmittel, ersetzt, wenn Pfund, so nur die Wertgr”áe des vorgeschoánen Ge- samtkapitals. Er muá mehr verkaufen, um Mehrwert zu realisieren, und er muá alle 10 000 Pfund Garn verkaufen, um den ganzen Mehr- wert von 78 Pfd.St. (= 1560 Pfund Garn) zu realisieren. Er erh„lt also in 500 Pfd.St. Geld nur einen Gleichwert fr die verkaufte Ware; seine Transaktion innerhalb der Zirkulation ist einfaches W-G. H„tte er seinen Arbeitern 64 Pfd.St. statt 50 Pfd. St. Lohn gezahlt, so w„re sein Mehrwert nur 64 Pfd.St. statt 78 Pfd.St., und der Exploitationsgrad nur 100% statt 156%; aber nach wie vor bliebe der Wert seines Garns unver„ndert, nur das Verh„ltnis sei- ner verschiednen Teile w„re ein andres; der Zirkulationsakt W-G w„re nach wie vor Verkauf von 10 000 Pfund Garn fr 500 Pfd.St., ihren Wert. W' = W + w (= 422 Pfd.St. + 78 Pfd.St.). - W ist gleich dem Wert von P oder dem produktiven Kapital, und dies gleich dem Wert von G, das in G-W, dem Kauf der Produktionselemente, vorgeschossen wurde; in unserm Beispiel = 422 Pfd.St. Wird die Warenmasse zu ihrem Wert verkauft, so W = 422 Pfd.St. und w = 78 Pfd.St., dem Wert des Mehrprodukts von 1560 Pfund Garn. Nennen wir w, in Geld ausgedruckt, g, so ist W'-G' = (W+w) - (G+g), und der Kreislauf G-W... P... W'-G'in seiner expliziten Form also A G-W G, G'-G = M, dem Mehrwert. - Aber als Resul- tat dieses Kreislaufs G... G' existiert jetzt nur noch G', es ist das Produkt, worin sein Bildungsprozeá erloschen ist. G' exi- stiert jetzt selbst„ndig fr sich, unabh„ngig von der Bewegung, die es hervorbrachte. Sie ist vergangen, es ist da an ihrer Stelle. Aber G' als G + g, 500 Pfd.St. als 422 Pfd. St. vorgeschoánes Ka- pital plus einem Inkrement desselben von 78 Pfd.St., stellt zugleich ein qualitatives Verh„ltnis dar, obgleich dies qualita- tive Verh„ltnis selbst nur als Verh„ltnis der Teile einer gleich- namigen Summe, also als quantitatives Verh„ltnis existiert. G, das vorgeschoáne Kapital, das jetzt wieder in seiner ursprngli- chen Form (422 Pfd.St.) vorhanden ist, existiert jetzt als reali- siertes Kapital. Es hat sich nicht nur erhalten, es hat sich auch als Kapital realisiert, indem es sich als solches unterscheidet von g (78 Pfd.St.), worauf es bezogen ist als auf seinen Zuwachs, seine Frucht, auf ein durch es selbst gehacktes Inkrement. Es ist als Kapital realisiert, weil als Wert, der einen #50# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- Wert geheckt hat. G' existiert als Kapitalverh„ltnis -, G er- scheint nicht mehr als bloáes Geld, sondern es ist ausdrcklich als Geldkapital gesetzt, ausgedrckt als Wert, der sich verwertet hat, also auch die Eigenschaft besitzt, sich zu verwerten, mehr Wert zu hecken als er selbst hat. G ist als Kapital gesetzt durch sein Verh„ltnis zu einem andern Teil von G', als dem durch es Ge- setzten, aus ihm als Ursache Bewirktem, als der Folge, wovon es der Grund. So erscheint G' als in sich differenzierte, sich funk- tionell (begrifflich) in sich selbst unterscheidende, das Kapi- talverh„ltnis ausdrckende Wertsumme. Aber dies ist nur ausgedruckt als Resultat, ohne die Vermittlung des Prozesses, dessen Resultat es ist. Wertteile unterscheiden sich als solche qualitativ nicht vonein- ander, auáer soweit sie als Werte verschiedner Artikel, konkreter Dinge auftreten, also in verschiednen Gebrauchsformen, daher als Werte verschiedner Warenk”rper - ein Unterschied, der nicht aus ihnen selbst als bloáen Wert teilen entspringt. Im Geld ist alle Verschiedenheit der Waren ausgel”scht, weil es eben die ihnen al- len gemeinsame Žquivalentform ist. Eine Geldsumme von 500 Pfd.St. besteht aus lauter gleichnamigen Elementen von 1 Pfd.St. Da in dem einfachen Dasein dieser Geldsumme die Vermittlung ihrer Her- kunft ausgel”scht und von der spezifischen Differenz, welche die verschiednen Kapitalbestandteile im Produktionsprozeá besitzen, jede Spur verschwunden ist, so existiert der Unterschied nur noch in der begrifflichen Form einer Hauptsunune (englisch principal) = dem vorgeschoánen Kapital von 422 Pfd.St. und einer berschs- sigen Wertsumme von 78 Pfd.St. G' sei z.B. = 110 Pfd.St., wovon 100 = G, Hauptsumme, und 10 = M, Mehrwert. Es herrscht absolute Gleichartigkeit, also begrifffiche Unterschiedslosigkeit, zwi- schen den beiden konstituierenden Teilen der Summe von 110 Pfd.St. Beliebige 10 Pfd.St. sind immer 1/11 der Gesamtsumme von 110 Pfd.St., ob sie nun 1/10 der vorgeschoánen Hauptsunune von 100 Pfd.St. oder der šberschuá von 10 Pfd. St. ber dieselbe. Hauptsumme und Zuwachssumme, Kapital und Mehrsumme sind daher ausdrckbar als Bruchteile der Gesamtsumme; in unserm Beispiel bilden 10/11 die Hauptsumme oder das Kapital, 1/11 die Mehrsumme. Es ist daher begriffsloser Ausdruck des Kapitalverh„ltnisses, worin hier am Schluá seines Prozesses das realisierte Kapital in seinem Geldausdruck erscheint. Allerdings gilt dies auch fr W' (= W + w). Aber mit dem Unter- schied, daá W', worin W und w auch nur proportionelle Wertteile derselben homogenen Warenmasse, hinweist auf seinen Ursprung P, dessen unmittelbares #51# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- Produkt es ist, w„hrend in G', einer unmittelbar aus der Zirkula- tion herstammenden Form, direkte Beziehung zu P verschwunden ist. Der begriffslose Unterschied zwischen Haupt- und Zuwachssumme, der in G' enthalten ist, soweit es das Resultat der Bewegung G... G'ausdrckt, verschwindet sofort, sobald es aktiv als Geldkapital wieder fungiert, also nicht umgekehrt als Geldausdruck des ver- werteten industriellen Kapitals fixiert wird. Der Kreislauf des Geldkapitals kann nie mit G' beginnen (obgleich G' jetzt als G fungiert), sondern nur mit G; d.h. nie als Ausdruck des Kapital- verh„ltnisses, sondern nur als Vorschuáform des Kapitalwerts. So- bald die 500 Pfd.St. von neuem als Kapital vorgeschossen werden, um sich von neuem zu verwerten, sind sie Ausgangspunkt statt Rckkehrpunkt. Statt eines Kapitals von 422 Pfd.St. ist jetzt eins von 500 Pfd.St. vorgeschossen, mehr Geld als frher, mehr Kapitalwert, aber das Verh„ltnis zwischen den zwei Bestandteilen ist weggefallen, ganz wie ursprnglich die Summe von 500 Pfd.St. statt der von 422 Pfd.St. h„tte als Kapital fungieren k”nnen. Es ist keine aktive Funktion des Geldkapitals, sich als G' darzu- stellen; seine eigne Darstellung als G'ist vielmehr eine Funktion von W'. Schon in der einfachen Warenzirkulation, 1) W1-G, 2) G- W2, fungiert G erst aktiv im zweiten Akt G-W2; seine Darstellung als G ist nur Resultat des ersten Akts, kraft dessen es erst als verwandelte Form von W, auftritt. Das in G' enthaltene Kapital- verh„ltnis, die Beziehung eines seiner Teile als des Kapitalwerts auf den andern als dessen Wertinkrement, bekommt allerdings funk- tionelle Bedeutung, soweit, bei best„ndiger Wiederholung des Kreislaufs G... G', G'sich in zwei Zirkulationen spaltet, Kapi- talzirkulation und Mehrwertzirkulation, also die beiden Teile nicht bloá quantitativ, sondern auch qualitativ verschiedne Funk- tionen vollziehn, G andre als g. Aber an sich betrachtet, schlieát die Form G... G' die Konsumtion des Kapitalisten nicht ein, sondern ausdrcklich nur die Selbstverwertung und die Akku- mulation, soweit letztre zun„chst in periodischem Anwachs des stets von neuem vorgeschoánen Geldkapitals sich ausdrckt. Obgleich begriffslose Form des Kapitals, ist G' = G + g zugleich erst das Geldkapital in seiner realisierten Form, als Geld, wel- ches Geld geheckt hat. Fber ist aber zu unterscheiden von der Funktion des Geldkapitals im ersten Stadium A G-W < . Pm G in diesem ersten Stadium zirkuliert als Geld. Es fungiert als Geldkapital nur deshalb, weil es nur in seinem Geldzustand eine Geldfunktion verrichten, sich in die ihm als Waren gegenberste- henden Elemente von P, in A und Pm umsetzen kann. In diesem Zir- kulationsakt fungiert es nur als Geld; aber weil dieser Akt das erste Stadium des #52# I. Abschnitt - Die Metmorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- prozessierenden Kapitalwerts, ist er zugleich Funktion des Geld- kapitals, kraft der spezifischen Gebrauchsform der Waren A und Pm, die gekauft werden. G' dagegen, zusammengesetzt aus G, dem Kapitalwert, und g, dem durch diesen erzeugten Mehrwert, drckt verwerteten Kapitalwert aus, den Zweck und das Resultat, die Funktion des gesamten Kreislaufsprozesses des Kapitals. Daá es dies Resultat in Geldform, als realisiertes Geldkapital aus- drckt, entspringt nicht daraus, daá es Geldform des Kapitals, G e l d kapital ist, sondern umgekehrt daraus, daá es Geld k a p i t a l, Kapital in Geldform ist, daá das Kapital in dieser Form den Prozeá er”ffnet hat, in Geldform vorgeschossen worden ist. Die Rckverwandlung in die Geldform ist eine Funktion des Warenkapitals W', wie wir gesehn, nicht des Geldkapitals. Was aber die Differenz von G' gegenber G betrifft, so ist sie (g) nur Geldform von w, dem Inkrement von W; G' ist nur = G + g, weil W' = W + w war. In W' ist also diese Differenz und das Verh„ltnis des Kapitalwerts zu dem von ihm gehackten Mehrwert vorhanden und ausgedrckt, bevor beide in G' verwandelt, in eine Geldsumme, worin beide Wertteile selbst„ndig einander gegenbertreten und daher auch zu selbst„ndigen und voneinander verschiednen Funktio- nen verwendbar sind. G' ist nur Resultat der Realisierung von W'. Beide, W' wie G', sind nur verschiedne Formen, Warenform und Geldform, des verwer- teten Kapitalwerts, beide haben dies gemein, daá sie verwerteter Kapitalwert. Beide sind verwirklichtes Kapital, weil hier der Ka- pitalwert als solcher mitsamt dem Mehrwert als von ihm verschied- ner, durch ihn erhaltner Frucht existiert, obgleich dies Verh„lt- nis nur ausgedruckt ist in der begriffslosen Form des Verh„ltnis- ses zweier Teile einer Geldsumme oder eines Warenwerts. Aber als Ausdrcke des Kapitals in Beziehung zu und im Unterschied von dem durch es erzeugten Mehrwert, also als Ausdrcke von verwertetem Wert, sind G' und W' dasselbe und drcken dasselbe aus, nur in verschiedner Form; sie unterscheiden sich nicht als Geldkapital und Warenkapital, sondern als Geld und Ware. Sofern sie verwerte- ten Wert, als Kapital bet„tigtes Kapital darstellen, drcken sie nur das Resultat der Funktion des produktiven Kapitals aus, der einzigen Funktion, worin der Kapitalwert Wert heckt. Ihr Gemein- sames ist, daá sie beide, Geldkapital und Warenkapital, Existenz- weisen des Kapitals sind. Das eine ist Kapital in Geldform, das andre in Warenform. Die sie unterscheidenden spezifischen Funk- tionen k”nnen daher nichts andres sein, als Unterschiede zwischen Geldfunktion und Warenfunktion. Das Warenkapital, als direktes Produkt des kapitalistischen Produktionsprozesses, erinnert an diesen seinen Ursprung und ist daher in seiner Form rationeller, minder begriffslos als das Geldkapital, #55# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- in dem jede Spur dieses Prozesses erloschen ist, wie berhaupt im Geld alle besondre Gebrauchsform der Ware erlischt. Es ist daher nur, wo G' selbst als Warenkapital fungiert, wo es unmittelbares Produkt eines Produktionsprozesses und nicht verwandelte Form dieses Produkts ist, daá seine bizarre Form verschwindet - also in der Produktion des Geldmaterials selbst. Fr Goldproduktion z.B. w„re die Formel: A G-W < ... P... G' (G + g), Pm wo G' als Warenprodukt figuriert, weil P mehr Gold liefert als fr die Produktionselemente des Goldes im ersten G, dem Geldkapi- tal, vorgeschossen war. Hier verschwindet also das Irrationelle des Ausdrucks G... G' (G + g), wo ein Teil einer Geldsumme als Mutter eines andern Teils derselben Gddsumme erscheint. #55# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- IV. Der Gesamt-Kreislauf Wir haben gesehn, daá der Zirkulationsprozeá nach Ablauf seiner ersten Phase A G-W < Pm unterbrochen wird durch P, wo die auf dem Markt gekauften Waren A und Pm nun als stoffliche und westliche Bestandteile des produk- tiven Kapitals konsumiert werden; das Produkt dieser Konsumtion ist eine neue Ware, W', stofflich und wertlich ver„ndert. Der un- terbrochene Zirkulationsprozeá, G-W, muá erg„nzt werden durch W- G. Aber als Tr„ger dieser zweiten und abschlieáenden Phase der Zirkulation erscheint W', eine stofflich und wertlich von dem er- sten W verschiedne Ware. Die Zirkulationsreihe stellt sich also dar als 1) G-W1; 2) W'2-G', wo in der zweiten Phase der ersten Ware W, eine andre von h”herem Wert und verschiedner Gebrauchs- form, W'2, untergeschoben ist w„hrend der durch die Funktion von P verursachten Unterbrechung, der Produktion von W' aus den Ele- menten von W, den Daseinsformen des produktiven Kapitals P. Die erste Erscheinungsform dagegen, worin uns das Kapital (Buch 1, Kap. IV, 1) gegenbertrat, G-W-G' (aufgel”st: 1) G-W1; 2) W1-G') zeigt dieselbe Ware zweimal. Es ist beidemal dieselbe Ware, worin sich das Geld in der ersten Phase verwandelt, und welche sich in der zweiten Phase in mehr Geld rckverwandelt. Trotz dieser we- sentlichen Verschiedenheit haben beide Zirkulationen das gemein, daá in ihrer ersten Phase Geld in Ware und in ihrer zweiten Ware in Geld verwandelt wird, das in der ersten Phase verausgabte Geld also in der zweiten wieder zurckflieát. Einerseits haben sie diesen Rckstrom des Geldes zu seinem Ausgangspunkt gemein, andrerseits aber auch den šberschuá des rckstr”menden Geldes ber das vorgeschoáne. Insofern erscheint auch G-W... W'-G' in der allgemeinen Formel G-W-G' enthalten. #56# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- Es ergibt sich hier ferner, daá in den beiden der Zirkulation an- geh”rigen Metamorphosen G-W und W'-G' sich jedesmal gleich groáe, gleichzeitig vorhandne Wertexistenzen gegenberstehn und einander ersetzen. Die Wertver„nderung geh”rt lediglich der Metamorphose P, dem Produktionsprozeá, der so als reale Metamorphose des Kapi- tals, gegenber den bloá formellen Metamorphosen der Zirkulation, erscheint. Betrachten wir nun die Gesamtbewegung G-W... P... W'- G, oder ihre explizite Form A G-W < ... P ... W' (W + w) - G' (G + g). Pm Das Kapital erscheint hier als ein Wert, der eine Reihenfolge zu- sammenh„ngender, durch einander bedingter Verwandlungen durch- l„uft, eine Reihe von Metamorphosen, die ebensoviele Phasen oder Stadien eines Gesamtprozesses bilden. Zwei dieser Phasen geh”ren der Zirkulationssph„re an, eine der Produktionssph„re. In jeder dieser Phasen befindet sich der Kapitalwert in verschiedner Ge- stalt, der eine verschiedne, spezielle Funktion entspricht. In- nerhalb dieser Bewegung erh„lt sich nicht nur der vorgeschoáne Wert, sondern er w„chst, vermehrt seine Gr”áe. Endlich, im Schluástadium, kehrt er zur selben Form zurck, worin er beim Ausgang des Gesamtprozesses erschien. Dieser Gesamtprozeá ist da- her Kreislaufsprozeá. Die beiden Formen, die der Kapitalwert innerhalb seiner Zirkula- tionsstadien annimmt, sind die von G e l d k a p i t a l und W a r e n k a p i t a l; seine dem Produktionsstadium angeh”rige Form ist die von p r o d u k t i v e m K a p i t a l. Das Ka- pital, welches im Verlauf seines Gesamtkreislaufs diese Formen annimmt und wieder abstreift und in jeder die ihr entsprechende Funktion vollzieht, ist i n d u s t r i e l l e s K a p i t a l - industriell hier in dem Sinn, daá es jeden kapitalistisch be- triebnen Produktionszweig umfaát. Geldkapital, Warenkapital, produktives Kapital bezeichnen hier also nicht selbst„ndige Kapitalsorten, deren Funktionen den In- halt gleichfalls selbst„ndiger und voneinander getrennter Ge- sch„ftszweige bilden. Sie bezeichnen hier nur besondre Funktions- formen des industriellen Kapitals, das sie alle drei nacheinander annimmt. Der Kreislauf des Kapitals geht nur normal vonstatten, solange seine verschiednen Phasen ohne Stockung ineinander bergehn. Stockt das Kapital in der ersten Phase G-W, so erstarrt das Geld- kapital zum Schatz; wenn in der Produktionsphase, so liegen die Produktionsmittel funktionslos auf der einen Seite, w„hrend die Arbeitskraft duf der andern unbesch„ftigt bleibt; wenn in der letzten Phase W'-G', so versperren unverk„uflich aufgeh„ufte Wa- ren den Zirkulationsfluá. Andrerseits liegt es in der Natur der Sache, daá der Kreislauf selbst die Fixierung des Kapitals, w„hrend bestimmter Fristen, in den einzelnen #59# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- Kreisabschnitten bedingt. In jeder seiner Phasen ist das indu- strielle Kapital an eine bestimmte Form gebunden, als Geldkapi- tal, produktives Kapital, Warenkapital. Nur nachdem es die seiner jedesmaligen Form entsprechende Funktion vollzogen hat, erh„lt es die Form, worin es eine neue Verwandlungsphase eingehn kann. Um dies klarzulegen, haben wir in unserm Beispiel angenommen, daá der Kapitalwert der im Produktionsstadium erzeugten Warenmasse gleich sei der Gesamtsumme des ursprnglich als Geld vorgeschoá- nen Werts, mit andern Worten, daá der ganze als Geld vorgeschoáne Kapitalwert auf einmal aus dem einen Stadium in das jedesmal n„chstfolgende tritt. Wir haben aber gesehn (Buch I, Kap. VI), daá ein Teil des konstanten Kapitals, die eigentlichen Arbeits- mittel (z.B. Maschinen) in einer gr”áern oder geringem Anzahl von Wiederholungen derselben Produktionsprozesse stets von neuem die- nen, ihren Wert daher auch nur stckweis an das Produkt abgeben. Wieweit dieser Umstand den Kreislaufsprozeá des Kapitals modifi- ziert, wird sich sp„ter zeigen. Hier gengt folgen des: In unserm Beispiel enthielt der Wert des produktiven Kapitals = 422 Pfd.St. nur den durchschnittlich berechneten Verschleiá der Fabrikge- b„ude, Maschinerie etc., also nur den Wertteil, den sie bei Ver- wancUung von 10 600 Pfund Baumwolle in 10 000 Pfund Garn auf letztres bertragen, auf das Produkt eines w”chentlichen Spinn- prozesses von 60 Stunden. In den Produktionsmitteln, in welche sich das vorgeschoáne konstante Kapital von 372 Pfd.St. verwan- delt, figurierten daher auch die Arbeitsmittel, Geb„ude, Maschi- nerie etc. so, als ob sie auf dem Markt gegen w”chentliche Raten- zahlung nur gemietet w„ren. Dies „ndert jedoch absolut nichts am Sachverhalt. Wir brauchen das in der Woche produzierte Garnquan- tum von 10 000 Pfund nur mit der Anzahl der auf eine gewisse Reihe von Jahren berechneten Wochen zu multiplizieren, damit der ganze Wert der gekauften und in dieser Zeit aufgebrauchten Ar- beitsmittel auf es bertragen wird. Es ist dann klar, daá das vorgeschoáne Geldkapital erst in diese Mittel verwandelt, also aus dem ersten Stadium G-W herausgetreten sein muá, bevor es als produktives Kapital P fungieren kann. Ebenso klar ist es in un- serm Beispiel, daá die dem Garn w„hrend des Produktionsprozesses einverleibte Kapitalwertsumme von 422 Pfd.St. nicht als Wertbe- standteil der 10 000 Pfund Garn in die Zirkulationsphase W'-G' eingehn kann, ehe es fertig ist. Das Garn kann nicht verkauft werden, ehe es gesponnen. In der allgemeinen Formel wird das Produkt von P betrachtet als ein von den Elementen des produktiven Kapitals verschiednes mate- rielles Ding, als ein Gegenstand, der eine vom Produktionsprozeá abgesonderte Existenz, eine von der der Produktionselemente ver- schiedne Gebrauchsform #60# I. Abschnitt - Die Metamorphosen des Kap. und ihr Kreislauf ----- besitzt. Und wenn das Resultat des Produktionsprozesses als Ding auftritt, ist dies stets der Fall, selbst wo ein Teil des Pro- dukts wieder als Element in die erneuerte Produktion eingeht. So dient Getreide als Aussaat zu seiner eignen Produktion; aber das Produkt besteht nur aus Getreide, hat also eine von den mitver- wandten Elementen, der Arbeitskraft, den Instrumenten, dem Dn- ger, verschiedne Gestalt. Es gibt aber selbst„ndige Industrie- zweige, wo das Produkt des Produktionsprozesses kein neues gegen- st„ndliches Produkt, keine Ware ist. ™konomisch wichtig davon ist nur die Kommunikationsindustrie, sei sie eigentliche Transportin- dustrie fr Waren und Menschen, sei sie šbertragung bloá von Mit- teilungen, Briefen, Telegrammen etc. A. Tschuprow 6) sagt darber: "Der Fabrikant kann zuerst Artikel produzieren und dann Konsumen- ten dafr suchen." {sein Produkt, nachdem es als fertig aus dem Produktionsprozeá ausgestoáen, geht als von demselben getrennte Ware in die Zirku- lation ber}. "Produktion und Konsumtion erscheinen so als zwei, dem Raum und der Zeit nach getrennte Akte. In der Transportindustrie, die keine neuen Produkte schafft, sondern nur Menschen und Dinge ver- setzt, fallen diese beiden Akte zusammen; die Dienste" (die Orts- ver„nderung) "mssen in demselben Augenblick konsumiert werden, in dem sie produziert werden. Deshalb erstreckt sich der Rayon, aus dem die Eisenbahnen Kundschaft suchen k”nnen, auf h”chstens 50 Werst" (53 km) "auf beiden Seiten." Das Resultat - ob Menschen oder Waren transportiert werden - ist ihr ver„ndertes ”rtliches Dasein, z.B. daá das Garn sich jetzt in Indien befindet statt in England, wo es produziert worden. Was aber die Transportindustrie verkauft, ist die Ortsver„nderung selbst. Der hervorgebrachte Nutzeffekt ist untrennbar verbunden miut dem Transportprozeá, d.h. dem Produktionsprozeá der Trans- portindustrie. Menschen und Ware reisen mit dem Transportmittel, und sein Reisen, seine ”rtliche Bewegung, ist eben der durch es bewirkte Produktionsprozeá. Der Nutzeffekt ist nur konsumierbar w„hrend des Produktionsprozesses; er existiert nicht als ein von diesem Prozeá verschiednes Gebrauchsding, das erst nach seiner Produktion als Handelsartikel fungiert, als Ware zirkuliert. Der Tauschwert dieses Nutzeffekts ist aber bestimmt, wie der jeder andern Ware, durch den Wert der in ihm verbrauchten Produktionse- lemente (Arbeitskraft und Produktionttel) plus dem Mehrwert, den die Mehrarbeit --- 6) ?. ??????, "??????????????? ?????????", ?????, 1875, ???, 69, 70 #61# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- der in der Transportindustrie besch„ftigten Arbeiter geschaffen hat. Auch in Beziehung auf seine Konsumtion verh„lt sich dieser Nutzeffekt ganz wie andre Waren. Wird er individuell konsumiert, so verschwindet sein Wert mit der Konsumtion; wird er produktiv konsumiert, so daá er selbst ein Produktionsstadium der im Trans- port befindlichen Ware, so wird sein Wert als Zuschuáwert auf die Ware selbst bertragen. Die Formel fr die Transportindustrie w„re also A G-W < ... P-G', Pm da der Produktionsprozeá selbst, nicht ein von ihm trennbares Produkt, gezahlt und konsumiert wird. Sie hat also fast genau dieselbe Form wie die fr die Produktion der edlen Metalle, nur daá G' hier verwandelte Form des w„hrend des Produktionsprozesses hervorgebrachten Nutzeffekts, nicht Naturalform des w„hrend die- ses Prozesses hervorgebrachten und aus ihm ausgestoánen Goldes oder Silbers ist. Das industrielle Kapital ist die einzige Daseinsweise des Kapi- tals, worin nicht nur Aneignung von Mehrwert, resp. Mehrprodukt, sondern zugleich dessen Sch”pfung Funktion des Kapitals ist. Es bedingt daher den kapitalistischen Charakter der Produktion; sein Dasein schlieát das des Klassengegensatzes von Kapitalisten und Lohnarbeitern ein. Im Maá wie es sich der gesellschaftlichen Pro- duktion bem„chtigt, werden Technik und gesellschaftliche Organi- sation des Arbeitsprozesses umgew„lzt, und damit der ”konomisch- geschichtliche Typus der Gesellschaft. Die andern Arten von Kapi- tal, die vor ihm inmitten vergangner oder untergehender gesell- schaftlicher Produktionszust„nde erschienen, werden ihm nicht nur untergeordnet und im Mechanismus ihrer Funktionen ihm entspre- chend ver„ndert, sondern bewegen sich nur noch auf seiner Grund- lage, leben und sterben, stehen und fallen daher mit dieser ihrer Grundlage. Geldkapital und Warenkapital, soweit sie mit ihren Funktionen als Tr„ger eigner Gesch„ftszweige neben dem industri- ellen Kapital auftreten, sind nur noch durch die gesellschaftli- che Teilung der Arbeit verselbst„ndigte und einseitig ausgebil- dete Existenzweisen der verschiednen Funktionsformen, die das in- dustrielle Kapital innerhalb der Zirkulationssph„re bald annimmt, bald abstreift. Der Kreislauf G... G' verschlingt sich einerseits mit der allge- meinen Warenzirkulation, geht aus ihr hervor und in sie ein, und bildet einen Teil von ihr. Andrerseits bildet er eine eigne selb- st„ndige Bewegung des Kapitalwerts fr den individuellen Kapita- listen, eine Bewegung, die teils innerhalb der allgemeinen Waren- zirkulation vorgeht, teils auáerhalb derselben, die aber stets ihren selbst„ndigen Charakter bewahrt. Erstens dadurch, daá ihre beiden in der Zirkulationssph„re vorgehenden Phasen G-W und W'-G' als Phasen der Kapitalbewegung funktioneh bestimmte Charaktere #62# I. Abschnitt - Die Metamorphose des Kap. und ihr Kreislauf ----- besitzen; in G-W ist W stofflich bestimmt als Arbeitskraft und Produktionsmittel; in W'-G' wird der Kapitalwert realisiert + dem Mehrwert. Zweitens umschlieát P, der Produktionsprozeá, die pro- duktive Konsumtion. Drittens macht die Rckkehr des Geldes zu ih- rem Ausgangspunkt die Bewegung G... G' zu einer sich in sich selbst abschlieáenden Kreislaufbewegung. Einerseits bildet also jedes individuelle Kapital in seinen bei- den Zirkulationsh„lften G-W und W'-G ein Agens der allgemeinen Warenzirkulation, worin es entweder als Geld oder als Ware fun- giert oder verkettet ist, und so selbst ein Glied bildet in der allgemeinen Metamorphosenreihe der Warenwelt. Andrerseits be- schreibt es innerhalb der allgemeinen Zirkulation seinen eignen selbst„ndigen Kreislauf, worin die Produktionssph„re ein Durch- gangsstadium bildet, und worin es zu seinem Ausgangspunkt in der- selben Form zurckkehrt, in der es ihn verlieá. Innerhalb seines eignen Kreislaufs, der seine reale Metamorphose im Produktions- prozeá einschlieát, ver„ndert es zugleich seine Wertgr”áe. Es kehrt zurck, nicht nur als Geldwert, sondern als vergr”áerter, gewachsener Geldwert. Betrachten wir schlieálich G-W... P... W'-G' als spezielle Form des Kreislaufsprozesses des Kapitals neben den andern sp„ter zu untersuchenden Formen, so zeichnet es sich durch folgendes aus. 1. Es erscheint als K r e i s l a u f d e s G e l d k a p i t a l s, weil das industrielle Kapital in seiner Geldform, als Geldkapital, den Ausgangspunkt und den Rckkehr- punkt seines Gesamtprozesses bildet. Die Formel selbst drckt aus, daá das Geld hier nicht als Geld verausgabt, sondern nur vorgeschossen wird, also nur Geldform des Kapitals, Geldkapital ist. Sie drckt ferner aus, daá der Tauschwert, nicht der Ge- brauchswert, der bestimmende Selbstzweck der Bewegung ist. Eben weil die Geldgestalt des Werts seine selbst„ndige, handgreifliche Erscheinungsform ist, drckt die Zirkulationsform G... G', deren Ausgangspunkt und Schluápunkt wirkliches Geld, das Geldmachen, das treibende Motiv der kapitalistischen Produktion, am hand- greiflichsten aus. Der Produktionsprozeá erscheint nur als unver- meidliches Mittelglied, als notwendiges šbel zum Behuf des Geld- machens. {Alle Nationen kapitalistischer Produktionsweise werden daher periodisch von einem Schwindel ergriffen, worin sie ohne Vermittlung des Produktionsprozesses das Geldmachen vollziehen wollen.} 2. Das Produktionsstadium, die Funktion von P, bildet in diesem Kreislauf die Unterbrechung der zwei Phasen der Zirkulation G- W... W'-G', die wieder nur Vermittlung der einfachen Zirkulation G-W-G'. Der Produktionsprozeá erscheint in der Form des Kreis- laufsprozesses selbst, #63# 1. Kapitel - Der Kreislauf des Geldkapitals ----- formell und ausdrcklich als das, was er in der kapitalistischen Produktionsweise ist, als bloáes Mittel zur Verwertung des vorge- schoánen Werts, also die Bereicherung als solche als Selbstzweck der Produktion. 3. Weil die Reihenfolge der Phasen durch G-W er”ffnet wird, ist das zweite Glied der Zirkulation W'-G'; also Ausgangspunkt G, das zu verwertende Geldkapital, Schluápunkt G', das verwertete Geld- kapital G + g, worin G als realisiertes Kapital neben seinem Spr”áling g figuriert. Dies unterscheidet den Kreislauf G von den beiden andern Kreisl„ufen P und W', und zwar in doppelter Weise. Einerseits durch die Geldform der beiden Extreme; Geld ist aber die selbst„ndige handgreifliche Existenzform des Werts, der Wert des Produkts in seiner selbst„ndigen Wertform, worin alle Spur des Gebrauchswerts der Waren ausgel”scht ist. Andrerseits wird die Form P... P nicht notwendig zu P... P' (P + p), und in der Form W'... W' ist berhaupt keine Wertdifferenz zwischen beiden Extremen sichtbar. - Der Formel G... G' ist es also charakteri- stisch, einerseits, daá der Kapitalwert den Ausgangspunkt und der verwertete Kapitalwert den Rckkehrpunkt bildet, so daá der Vor- schuá des Kapitalwerts als Mittel, der verwertete Kapitalwert als Zweck der ganzen Operation erscheint; andrerseits, daá dies Ver- h„ltnis in Geldform ausgedrckt ist, der selbst„ndigen Wertform, daher das Geldkapital als Geld heckendes Geld. Die Erzeugung von Mehrwert durch den Wert ist nicht nur als Alpha und Omega des Prozesses ausgedrckt, sondern ausdrckhch in der blinkenden Geldform. 4. Da G', das realisierte Geldkapital als Resultat von W'-G', der er. g„nzenden und abschlieáenden Phase von G-W, sich absolut in derselben Form befindet, worin es seinen ersten Kreislauf er”ff- net hat, kann es, sowie es aus demselben hervorgeht, denselben Kreislauf wieder er”ffnen als vergr”áertes (akkumuliertes) Geld- kapital: G' = G + g; und es ist wenigstens nicht in der Form von G... G' ausgedrckt, daá bei Wiederholung des Kreislaufs die Zir- kulation von g sich von der von G trennt. In seiner einmaligen Gestalt betrachtet, formell, drckt der Kreislauf des Geldkapi- tals daher nur den Verwertungs- und Akkumulationspcozeá aus. Die Konsumtion ist darin nur als produktive Konsumtion ausgedrckt durch A G-W < , Pm nur diese ist eingeschlossen in diesen Kreislauf des individuel- len Kapitals. G-A ist A-G oder W-G von seiten des Arbeiters; ist also die erste Phase der Zirkulation, die seine individuelle Kon- sumtion vermittelt: A-G-W (Lebensmittel). Die zweite Phase G-W f„llt nicht mehr in den Kreislauf